Behandlungen und Untersuchungen

Was passiert bei einer Lumbalpunktion?

Bei einer Lumbalpunktion wird mit einer speziellen Nadel im Bereich der Lendenwirbel eine kleine Menge Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus dem Wirbelkanal (Spinalkanal) entnommen. Diese Flüssigkeit, auch Hirn- oder Nervenwasser genannt, umgibt Gehirn und Rückenmark und schützt sie vor Erschütterungen. Nach der Entnahme wird das Nervenwasser im Labor untersucht. Die sogenannte Liquordiagnostik gibt Auskunft über mögliche Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks.

Wann wird eine Lumbalpunktion gemacht?

Eine Lumbalpunktion kommt zum Beispiel infrage bei Verdacht auf

Die Punktion des Wirbelkanals kann auch zur Behandlung genutzt werden: Durch die gesetzte Nadel können etwa Mittel zur örtlichen Betäubung, Antibiotika oder Krebsmedikamente gespritzt werden. Die Wirkstoffe gelangen dann ohne Umweg über die Blutbahn direkt ins Nervensystem. Eine Teilnarkose mittels Punktion wird Spinalanästhesie genannt.

Welche Vorbereitungen sind nötig?

Vor einer Lumbalpunktion prüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Blutgerinnung normal ist. Dies ist wichtig, um Blutungen vorzubeugen, die die Nerven im Bereich der Einstichstelle schädigen könnten. Wer Medikamente einnimmt, die die Blutgerinnung fördern oder hemmen, muss dies mit dem Arzt besprechen.

Manchmal wird zudem vorher nach Zeichen eines erhöhten Hirndrucks geschaut – meist durch eine Spiegelung des Augenhintergrunds, seltener durch eine Röntgenuntersuchung des Gehirns (craniale Computertomographie, CCT).

Wer eine Lumbalpunktion bekommen soll, muss spätestens einen Tag vorher über das Ziel der Untersuchung und alle Risiken aufgeklärt werden – es sei denn, es handelt sich um einen Notfall.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung findet meist in einer Klinik statt, mittlerweile wird sie aber auch in einigen neurologischen Praxen ambulant durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt führt eine feine Hohlnadel im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule ein, meist zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel. Die Dornfortsätze der Wirbel können in der unteren Wirbelsäule gut ertastet werden. Damit die Nadel genug Platz findet, müssen die Wirbel möglichst weit auseinandergezogen, der Rücken also stark gebeugt werden. Das geht am besten mit einer Art Katzenbuckel im Sitzen oder seitlich im Liegen.

Die Haut wird an der Einstichstelle betäubt und desinfiziert. Nach dem Einstich schiebt der Arzt die Nadel etwa drei bis vier Zentimeter tief zwischen zwei Wirbel bis nahe ans Rückenmark vor. Das Nervenwasser tropft von selbst durch die Hohlnadel in ein Röhrchen. Meistens werden 10 bis 15 Milliliter Nervenwasser entnommen. Zum Schluss wird die Nadel vorsichtig herausgezogen und die Einstichstelle mit etwas Druck verbunden, damit sich die Wunde schnell wieder schließt. Insgesamt dauert eine Punktion etwa eine Viertelstunde.

Wichtig ist, danach für mindestens eine Stunde zu liegen, sich ungefähr 24 Stunden zu schonen und viel zu trinken. Weil ein Bluterguss im Wirbelkanal auf Nerven drücken kann, kontrolliert die Ärztin oder der Arzt einige Stunden später die Einstichstelle und ob man die Beine bewegen kann. Normalerweise bleibt man bei einer Lumbalpunktion mindestens eine, meist aber bis zu vier Stunden in der Klinik oder Praxis. Dies hängt davon ab, wie viel Nervenwasser entnommen wurde und ob mithilfe der Punktion behandelt wurde.

 

Grafik: Lumbalpunktion im Bereich der Lendenwirbel - wie im Text beschriebenLumbalpunktion im Bereich der Lendenwirbel

 

Wonach wird gesucht?

Das Nervenwasser wird auf seine Farbe und einzelne Bestandteile untersucht. In der Regel ist es klar wie Wasser; ist es blutig oder trüb, kann das ein Zeichen für eine Blutung oder eine Entzündung im Gehirn sein. Im Labor wird analysiert, ob die Zahl der Zellen im Nervenwasser oder die Zusammensetzung seiner Bestandteile wie Eiweiße, Glukose und Laktat, verändert ist. Zudem wird untersucht, ob sich Bakterien im Nervenwasser befinden, die eine Hirnhautentzündung verursachen können – oder Eiweiße, die auf bestimmte Demenzerkrankungen hinweisen können.

Welche Risiken gibt es?

Normalerweise birgt die Lumbalpunktion keine größeren Risiken. Im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule enthält der Wirbelkanal nur noch Flüssigkeit, da das Rückenmark bereits weiter oben endet. Es kann deshalb nicht verletzt werden.

Für kurze Zeit können Schmerzen auftreten: Beim Einstich und falls die Nadel tiefer im Gewebe eine Nervenwurzel berührt. Dann strahlt der Schmerz in ein Bein aus, klingt aber sofort wieder ab.

Einige Stunden oder auch Tage nach der Punktion kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, einem hohen Puls oder niedrigem Blutdruck kommen. Medizinisch wird dies als „postpunktuelles Syndrom“ zusammengefasst. Diese Nachwirkungen klingen aber in der Regel nach etwa fünf Tagen ab. Die Kopfschmerzen bessern sich im Liegen meist deutlich.

Sehr selten können nach einer Lumbalpunktion Entzündungen, Blutungen oder andere Komplikationen auftreten, die eine Behandlung in der Klinik erfordern.

Bei Entzündungen im Bereich der Einstichstelle, erhöhtem Hirndruck oder starker Blutungsneigung darf keine Lumbalpunktion gemacht werden.

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