Lässt sich Haarausfall bei Chemotherapie vorbeugen?

Foto von Mann im Freien (PantherMedia / Shannon Fagan) Es gibt keine zuverlässige Methode, dem Haarausfall bei einer Chemotherapie vorzubeugen. Manche Patientinnen oder Patienten versuchen es mit einer Kühlung der Kopfhaut während der Behandlung. Die Methode ist aber nicht gut untersucht.

Wer eine Chemotherapie bekommt, muss je nach Medikament mit Haarausfall rechnen. Auch wenn die Haare nach Abschluss der allermeisten Chemotherapien wieder nachwachsen: Diese Nebenwirkung ist für viele Krebspatientinnen und -patienten besonders belastend. Mittel, die dem Haarausfall zuverlässig vorbeugen oder ihn behandeln könnten, gibt es nicht. Erwachsene, die trotzdem etwas zur Vorbeugung ausprobieren möchten, können ihre Ärztin oder ihren Arzt nach einer Kopfhaut-Kühlung fragen. Dieses Verfahren ist keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden.

Wie funktioniert die Kopfhaut-Kühlung?

Eine Chemotherapie wird in sogenannten Zyklen gegeben: Man bekommt die Krebsmedikamente an den Behandlungstagen, meist als Infusion. Danach folgen je nach Mittel etwa zwei bis vier Wochen Pause bis zur nächsten Behandlung.

Die Kopfhaut wird nur gekühlt, während man die Infusion bekommt. Manchmal wird schon zehn bis zwanzig Minuten vorher begonnen, nach der Behandlung kann die Kühlung noch bis zu eineinhalb Stunden fortgesetzt werden.

Für die Kühlung werden Kühlkappen verwendet, die man wie einen Fahrradhelm trägt. Vor dem Anlegen der Kühlkappe werden meist die Haare befeuchtet. Die meisten Modelle sind heutzutage an ein Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kappe pumpt und die Kopfhaut so auf etwa 20 Grad Celsius abkühlt. Andere Kappen bestehen aus mit Gel gefüllten Kühlelementen. Sie werden vor der Behandlung tiefgefroren. Bei längeren Chemotherapie-Infusionen müssen solche Kappen unter Umständen mehrmals gegen eine frisch gekühlte ausgetauscht werden.

 

Grafik: KühlkappeKühlkappe

 

Wie soll die Kühlung dem Haarausfall vorbeugen?

Durch die Kühlung verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut. Dadurch werden die Zellen in den Haarwurzeln weniger durchblutet. Außerdem sorgt die Kälte dafür, dass sich der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen etwas verlangsamt. Man geht davon aus, dass dadurch weniger Krebsmedikamente in die Haarwurzelzellen gelangen und sie weniger geschädigt werden.

Wie wirksam ist die Kopfhaut-Kühlung?

Bislang gibt es nur wenige geeignete Studien zur Kopfhaut-Kühlung. Zusammengefasst zeigen sie: Im Vergleich zu Personen, die keine Kopfhaut-Kühlung erhielten, hatten die Personen, bei denen die Kopfhaut während ihrer Chemotherapie gekühlt wurde, weniger Haarausfall. Sie benötigten nach der Chemotherapie zum Beispiel seltener eine Perücke.

Diese Ergebnisse haben aber nur eine begrenzte Aussagekraft: An den Studien nahmen recht wenige Personen teil, meist waren es auch deutlich mehr Frauen als Männer. Die verabreichten Krebsmedikamente und die Dauer der Chemotherapie unterschieden sich. Es wurden verschiedene Kühlkappen-Modelle eingesetzt, zudem wurde in den einzelnen Studien auf unterschiedliche Weise gemessen, wie ausgeprägt der Haarausfall war.

Welche Nachteile sind möglich?

Grundsätzlich ist die Kopfhaut-Kühlung gut verträglich und risikoarm. Sie sorgt zwar dafür, dass weniger Chemotherapie-Medikamente in die Kopfhaut gelangen – es gibt aber keine Hinweise, dass die Kühlung die Wirksamkeit der Chemotherapie einschränkt.

Die häufigste Nebenwirkung sind Kopfschmerzen. Manche Personen empfinden die Kälte jedoch als so unangenehm, dass sie die Kühlung abbrechen.

Die Kühlung eignet sich nur dazu, dem Ausfall der Kopfhaare vorzubeugen. Für manche Betroffene ist aber vor allem der Verlust von Wimpern oder Augenbrauen sehr belastend. Für Männer kann auch die fehlende Bart- oder Körperbehaarung problematischer sein als der Haarausfall am Kopf.

Lässt sich auch mit anderen Mitteln vorbeugen?

Druck auf die Kopfhaut (Kompression)

Manchmal wird versucht, dem Haarausfall durch Druck auf die Kopfhaut vorzubeugen. Dazu werden zum Beispiel Druckmanschetten oder enge Hauben angelegt. Die Kopfhaut wird dadurch weniger durchblutet, sodass weniger Krebsmedikamente an die Haarwurzel gelangen sollen. Allerdings ist nicht belegt, dass diese Methode etwas bringt. In Studien konnte nur in Kombination mit der Kopfhaut-Kühlung ein vorbeugender Effekt beobachtet werden.

Medikamente

Es gibt bislang kein Medikament, das vor Haarausfall während einer Chemotherapie schützen kann. Manche Menschen probieren Haarwuchsmittel zum Auftragen auf die Kopfhaut aus, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Minoxidil. In Studien konnte dieses Mittel den Haarausfall aber nicht verhindern. Unklar ist auch, ob die Haare nach der Behandlung schneller wieder nachwachsen, wenn man das Mittel während der Chemotherapie anwendet.

Ernährung

Bestimmte Vitamine und Nahrungsmittel wie Hirse gelten als haarwuchsfördernd und werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dass sie dem Haarausfall bei Chemotherapie oder anderen Formen von Haarausfall vorbeugen können, ist aber nicht belegt.

Schlagwörter: Haarausfall bei Chemotherapie, Haut und Haare, Krebs, L65