Enzalutamid bei metastasiertem Prostatakrebs nach Versagen der Hormonblockade

Enzalutamid ist für Männer mit metastasiertem Prostatakrebs zugelassen, bei denen eine übliche Hormonblockade nicht mehr wirkt. Viele Männer haben dann aber eine Zeit lang noch keine oder nur leichte Beschwerden, sodass eine noch nicht infrage kommt. In dieser Phase wird die Hormonblockade entweder unverändert fortgeführt oder sie kann durch nicht-steroidale Antiandrogene (wie Flutamid oder Bicalutamid) oder Abirateron verstärkt werden.

Womit wurde Enzalutamid verglichen?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Enzalutamid im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat, wenn bei Männern mit metastasiertem Prostatakrebs die übliche Hormonblockade nicht mehr wirkt und eine noch nicht infrage kommt.

Der Hersteller legte eine Studie mit über 1700 Patienten vor, in der Enzalutamid mit einem Scheinmedikament () verglichen wurde. Bei allen Patienten wurde eine begleitende Hormonblockade fortgesetzt. Die Scheinbehandlung wertete das Institut als „aktive Überwachung“.

Welche Vorteile hat Enzalutamid?

  • Lebenserwartung: Die Studie weist darauf hin, dass Enzalutamid das Leben verlängern kann: Von den Männern, die aktiv überwacht wurden, war nach etwa 17 Monaten ein Viertel verstorben. Von den Männern, die Enzalutamid einnahmen, war nach etwa 22 Monaten ein Viertel verstorben.
  • Knochenschäden: Die Studie weist ebenfalls darauf hin, dass Enzalutamid Komplikationen an den Knochen herauszögern kann.
  • Starke Schmerzen: Es gibt schwache Hinweise dafür, dass Enzalutamid das Auftreten von starken Schmerzen herauszögern kann: Von den Männern, die aktiv beobachtet wurden, hatte ein Viertel nach ungefähr 4 Monaten erstmals so starke Schmerzen, dass sie Opiate einnehmen mussten. Von den Männern, die Enzalutamid erhielten, hatte ein Viertel nach etwa 10 Monaten erstmals so starke Schmerzen, dass sie Opiate benötigten.
  • Lebensqualität: Die Studie liefert einen schwachen Hinweis dafür, dass Enzalutamid die Lebensqualität länger erhalten kann.
  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie liefert ebenfalls einen schwachen Hinweis dafür, dass Enzalutamid schwere Nebenwirkungen herauszögert. Nach ungefähr 4 Monaten waren bei einem Viertel der Männer, die aktiv beobachtet wurden, schwere Nebenwirkungen aufgetreten. Bei einem Viertel der Männer, die Enzalutamid einnahmen, war dies nach etwa 8 Monaten der Fall.
  • Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Die Studie weist darauf hin, dass Männer, die Enzalutamid einnehmen, seltener ihre Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrechen: Von 100 Männern, die aktiv beobachtet wurden, brachen im Laufe der Studie etwa 26 ihre Behandlung ab. Von 100 Männern, die Enzalutamid erhielten, taten dies etwa 17.

Welche Nachteile hat Enzalutamid?

  • Hitzewallungen: Die Studie liefert einen schwachen Hinweis, dass bei Männern, die Enzalutamid einnehmen, häufiger Hitzewallungen auftreten. Von 100 Männern, die aktiv beobachtet wurden, bekamen im Laufe der Studie etwa 8 Hitzewallungen. Von 100 Männern, die Enzalutamid erhielten, waren es etwa 20.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Enzalutamid (neues Anwendungsgebiet) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung A14-48. Köln: IQWiG. 30.03.2015.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 05. März 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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