Irgendwie fand ich es cool, eine Zahnspange zu bekommen

Foto von einem Jungen (PantherMedia / Design Pics) Slavik, 14 Jahre

„Als ich hörte, dass ich eine feste Zahnspange bekommen sollte, habe ich mich gefreut, weil ich das schon immer toll fand. In der ersten Woche war es blöd, weil ich nicht so gut essen konnte und es ziemlich weh getan hat. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.“

Vor vier Jahren habe ich erst eine lose Zahnspange und dann eine festsitzende bekommen, weil ich einen Überbiss hatte. Wie lange die drinbleiben sollte, wurde mir aber nie richtig gesagt. Eigentlich sollte sie schon letztes Jahr rauskommen, aber es fehlten noch ein paar kleine Korrekturen.

Als ich hörte, dass ich eine feste Zahnspange bekommen sollte, habe ich mich gefreut, weil ich das schon immer toll fand. Ich finde, dass Zahnspangen ziemlich cool aussehen. Ich wurde gefragt, ob es mir wichtig ist, welche Spange ich bekomme, ob eine aus Metall, die man sieht oder nicht. Mir war das aber ziemlich egal.

In meiner Klasse war eine Zahnspange gar nichts Besonderes

Nach dem Einsetzen fand ich die Spange zwar wieder blöd, weil ich nicht so gut essen konnte und sie mir ziemlich weh getan hat. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.

Ich hatte auch gar keine Bedenken, dass andere es komisch finden. Es hatten schon relativ viele meiner Freunde in der Klasse eine Zahnspange. Das war fast normal.

Einen Freund von mir haben wir ein bisschen aufgezogen, weil er in den letzten Monaten der Behandlung nur noch vier Brackets hatte: Zwei oben auf den Schneidezähnen, zwei unten genau darunter. Das sah wie ein Kleinkind aus, das gerade seine ersten vier Zähne hat. Wie Bugs Bunny. Aber er hat es mit Humor genommen und war cool damit.

Bei Bonbons und harten Möhren oder Äpfeln muss man aufpassen

Beim Essen ging es. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu klebrige Sachen isst wie Karamell-Bonbons, sonst bleibt alles hängen. Und keine zu harten Sachen: Mir ist öfter ein Bracket abgebrochen, nachdem ich in eine Möhre oder einen Apfel gebissen habe. Harte Nüsse sind auch schlecht. Mir ist mal etwas Lustiges passiert: Ein Bracket hatte sich gelöst und sich im Mund einmal komplett gedreht, ohne dass ich es gemerkt habe. Innen war dann außen und außen war innen. Das sah ziemlich witzig aus. Ich war aber froh, dass ich es nicht verschluckt habe.

Das Zähneputzen und die Gummis haben genervt

Nervig war, dass das Zähneputzen länger dauerte. Außerdem musste ich die Zahnbürste anders halten. Und spezielle Bürsten benutzen für die Lücken zwischen den Zähnen und zwischen Spange und Zahn.

Was mich auch genervt hat, waren die Gummis, die in die Häkchen eingespannt werden. Ich musste sie zum Essen immer raus machen, gerade in der Schule wusste ich dann nie wohin damit.

Am Ende der Behandlung sollte ich die Gummis auch beim Essen und Kauen drin lassen. Das habe ich aber nicht gemacht, das geht doch gar nicht. Ich konnte nicht richtig essen, weil der Mund nicht weit genug aufgeht und das Kauen auch schwierig ist.

Anstrengend ist es auch, weil man die Gummis überall liegen lässt. Ich habe sie oft gewechselt wegen der Sauberkeit, aber dann häufig vergessen, wieder ein neues Gummi einzusetzen.

Nach jeder Kontrolle tut es ein paar Tage wieder mehr weh, aber es ist auszuhalten

Ab und zu hatte ich auch Druckstellen und Entzündungen. Wenn ich zum Beispiel bei einer Kontrolluntersuchung festere Drähte bekommen habe, hat es ganz hinten gedrückt. Das fühlte sich fast wie in den ersten Tagen mit Spange an. Die Schmerzen haben aber nur ein oder zwei Tage angehalten. Man sollte schon wissen, dass es in der ersten Woche nach der Kontrolle ziemlich wehtut, aber es dauert nicht lange.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.