Wie werden Sehnenreizungen behandelt?

Foto von Mann beim Kühlen des Ellenbogens (PantherMedia / daisy-daisy) Bei einer gereizten Sehne ist zunächst Schonung wichtig, damit sich das geschädigte Gewebe erholen kann. Meist wird die Sehne dann mit Physiotherapie wieder allmählich an Belastungen gewöhnt.

Um die Beschwerden zu lindern, greifen manche Menschen zu Schmerzmitteln. Daneben kommen auch Behandlungen zum Beispiel mit Kälte, Ultraschall oder Massagen zum Einsatz. Allerdings ist nicht belegt, dass sie auch helfen: Studien fehlen entweder ganz oder haben ein Verfahren nur an bestimmten Sehnen untersucht, sodass unklar ist, ob sie auch bei Sehnenreizungen an anderen Körperstellen etwas bringen.

Welche Behandlung geeignet ist, lässt sich am besten mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Ärztlich verordnete Maßnahmen wie eine Physiotherapie werden zum Großteil von den Krankenkassen bezahlt. Die meisten der genannten Möglichkeiten sind risikoarm. Dagegen besteht bei Spritzen oder Operationen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen. Sie kommen deshalb erst infrage, wenn sich eine Sehnenreizung trotz Schonung und risikoärmeren Behandlungsmethoden auch langfristig nicht bessert.

Erst schonen …

Wenn eine gereizte Sehne weiter strapaziert wird, kann sich das Gewebe nicht ausreichend erholen. Die Belastungen können es weiter schädigen und die Sehne anfälliger für Verletzungen bis hin zum Riss (Ruptur) machen.

Zu Beginn einer Sehnenreizung ist deshalb Entlastung am wichtigsten. Dazu muss man wissen, wobei genau die gereizte Sehne belastet wird. Die Sehnen am Knie werden zum Beispiel beim Treppensteigen stark beansprucht – die Achillessehne vor allem bei Bewegungen, bei denen der Wadenmuskel arbeitet. Fachleute raten, die auslösenden Belastungen etwa drei Wochen lang zu vermeiden. Das Bein oder der Arm muss aber nicht ruhiggestellt werden: Bewegungen sind weiter möglich, solange sie die gereizte Sehne nicht belasten. Wenn das jedoch nicht klappt oder sich die Beschwerden nicht bessern, wird manchmal ein Tape-Verband oder eine orthopädische Schiene (Orthese) angelegt. Die Orthese wird für etwa drei Wochen getragen – je nachdem, wo und wie stark die Beschwerden sind.

… dann trainieren

Sind die akuten Beschwerden abgeklungen, kann die Sehne allmählich wieder belastet werden. Dazu ist ein Krankengymnastik-Programm sinnvoll, zu dem vor allem spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen gehören.

Die Übungen können etwas wehtun – die Schmerzen sollten aber nur beim Dehnen auftreten und nach dem Training nicht stärker sein als vorher. Deshalb ist es wichtig, sich die Übungen von der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten gut erklären zu lassen. Sie oder er kann außerdem falsche Bewegungen sofort korrigieren. Nach dem Erlernen des Programms ist man in der Lage, die Übungen auch zu Hause oder bei der Arbeit zu machen.

Je nachdem, welche Sehne gereizt ist, bieten sich verschiedene Übungen an:

  • Bei einer gereizten Achillessehne zum Beispiel stellt man sich auf die unterste Stufe einer Treppe (dabei den Blick auf die Treppe richten). Dann schiebt man die Fersen etwas nach hinten, bis sie über den Stufenabsatz ragen und lässt die Fersen langsam nach unten sinken. Im Anschluss spannt man die Waden etwas an, bringt die Füße wieder in die Ausgangsposition und wiederholt das Ganze.

 

Grafik: Übung für die AchillessehneÜbung für die Achillessehne

 

Wie oft die Übung wiederholt werden sollte, wird in der Krankengymnastik erklärt. In der ersten Woche der Behandlung reicht es zum Beispiel, die Übung täglich 10-mal zu wiederholen. Dann kann man versuchen, sie auf täglich 3 x 15 Wiederholungen zu steigern – mit jeweils einer kurzen Pause von etwa eineinhalb Minuten zwischen den Wiederholungssätzen. Nach diesem Muster sollte man dann drei Monate lang zweimal am Tag die Sehnen dehnen.

  • Bei Problemen mit der Kniescheibensehne eignen sich ganz ähnliche Übungen; oft sind es abgewandelte Kniebeugen. Übungen für gereizte Sehnen am Ellenbogen sollen die Muskulatur am Unterarm dehnen und kräftigen. Eine Anleitung finden Sie in unserer Information zum Tennisarm (Tennisellenbogen).  In der Regel werden bei einem Physiotherapie-Termin mehrere Übungen miteinander kombiniert. Manchmal werden auch Fitnessgeräte oder Gewichte genutzt.

Kurzfristige Anwendung von Schmerzmitteln

Schmerztabletten wie NSAR sind eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Die Mittel sind meist gut verträglich, können jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Magenschmerzen haben. Ohne Verschreibung durch eine Ärztin oder einen Arzt sollten die Medikamente nur für wenige Tage eingenommen werden.

Die Wirkstoffe sind auch als Salben oder Gels erhältlich. Sie werden auf die betroffene Stelle aufgetragen, um die Schmerzen zu lindern.

Welche Behandlungen werden zusätzlich angeboten?

Bei einer Sehnenreizung werden manchmal noch weitere Behandlungen angeboten: Manche Menschen erhalten während der Schonungs- oder Trainingsphase zum Beispiel eine sogenannte physikalische Therapie. Wenn die Beschwerden länger andauern, werden auch Spritzen oder Operationen erwogen. Gute Studien zu solchen Verfahren fehlen allerdings. Deshalb lässt sich nicht genau sagen, ob sie helfen, nur bei bestimmten Sehnenreizungen etwas bringen oder wirkungslos sind. Ihre Kosten werden auch nicht immer von den Krankenkassen übernommen.

Physikalische Therapie

Unter dem Begriff „physikalische Therapie“ werden generell verschiedene Behandlungsverfahren zusammengefasst, die physikalische Reize wie Wärme oder Kälte, Strom, Druck oder Schall verwenden.

  • Wärme oder Kälte: Bei Sehnenreizungen kann man die Stelle kühlen, zum Beispiel mit einer Kühlkompresse. Das kann die Schmerzen lindern – ähnlich wie bei akuten Zerrungen oder Verstauchungen. Während bei akuten Reizungen oft Kälte angewendet wird, tut manchen Menschen bei einer chronischen Sehnenreizung eher Wärme gut.
  • Elektrischer Strom: Gegen die Schmerzen wird manchmal eine sogenannte Iontophorese angewendet. Dazu werden Elektroden aufgeklebt und in einem Wasserbad ein Stromfluss durch die Haut erzeugt. Der Strom ist harmlos und kann höchstens ein leichtes Kribbeln auslösen. Zuvor wird zwischen Haut und Elektrode ein Schmerzmedikament aufgetragen, oft als Salbe. Der Strom soll dafür sorgen, dass der Wirkstoff besonders gut von der Haut aufgenommen wird und tief bis zum schmerzenden Gewebe vordringt. Es gibt auch andere Formen der Elektrotherapie – zum Beispiel Reizstrom oder TENS. Dabei wird versucht, die Schmerzempfindung ohne Medikamente zu dämpfen. Manchmal wird elektrischer Strom auch mit Akupunktur kombiniert (Elektroakupunktur).
  • Ultraschall und Stoßwellentherapie: Mit einer Ultraschallbehandlung soll das verklebte Sehnengewebe aufgelockert werden. Ähnlich wie bei Nieren- und Harnleitersteinen werden Schallwellen manchmal auch eingesetzt, um unter anderem Verkalkungen zu lösen. Man nennt das Verfahren „extrakorporale Stoßwellentherapie“ (ESWT). Die ESWT kann in einem einzelnen oder in wiederholten Terminen erfolgen und gilt als risikoarm. Die Stoßwellen können jedoch schmerzhaft sein.
  • Massage: Bei Sehnenproblemen wird besonders die sogenannte Friktionsmassage angewendet. Dabei drücken Physiotherapeutin oder Physiotherapeut mit den Fingerspitzen fest in das Gewebe, um Verklebungen zu lösen. Das kann für den Moment unangenehm bis schmerzhaft sein.

Mögliche Therapien bei anhaltenden Schmerzen

Bei einer Sehnenreizung ist Geduld gefragt, denn sie heilt nicht innerhalb weniger Tage aus. Manchmal halten die Beschwerden aber trotz Schonung, physikalischer Behandlung und Krankengymnastik länger als 3 bis 6 Monate an oder kehren häufig wieder. Dann können Spritzen oder eine Operation erwogen werden.

  • Behandlung mit Spritzen: Dabei werden Medikamente in den betroffenen Bereich um die Sehne herum gespritzt. Gängig sind vor allem Kortison oder örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika). Manchmal werden aber auch andere Stoffe gespritzt, etwa Hyaluronsäure oder Glukose. Auch Spritzen mit Kombinationen aus Wirkstoffen sind möglich. Manche Menschen lassen sich auch Eigenblut oder sogenanntes thrombozytenreiches Blutplasma in den schmerzenden Bereich spritzen. Es wird aus eigenem Blut gewonnen und enthält besonders viele Blutplättchen (Thrombozyten). Die Behandlung mit Spritzen kann Nebenwirkungen wie Schmerzen, Schwellungen und Gewebsschädigungen haben. Die Einstichstelle kann sich entzünden. Beim Einstechen kann ein Blutgefäß oder ein Nerv verletzt werden. Möglich sind auch allergische Reaktionen gegen das gespritzte Mittel.
  • Operation: Selten wird eine gereizte Sehne operiert. Dabei entfernen Chirurginnen und Chirurgen geschädigtes Gewebe und Verkalkungen und lösen Verklebungen. Manchmal werden auch andere Eingriffe vorgenommen. Dann wird zum Beispiel der Muskel, mit dem die Sehne verbunden ist, verlängert oder Sehnengewebe aus einer anderen Region an die gereizte Stelle eingenäht. Allein für die Achillessehne gibt es viele verschiedene OP-Techniken, die von offenen Operationen bis hin zu Eingriffen durch kleine Hautschnitte mit einem Endoskop reichen. Solche minimalinvasiven Eingriffe gelten als schonender und führen seltener zu Komplikationen wie Infektionen, Blutungen und Verletzungen von Muskeln, Nerven oder Blutgefäßen.