Wie lässt sich der Herzrhythmus normalisieren?

Foto von Mann bei der Medikamenten-Einnahme (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Bei Vorhofflimmern kann der normale Herzrhythmus durch Medikamente oder schwache Stromstöße wiederhergestellt werden. Diese Behandlungen werden Kardioversion genannt. Gelingt es danach nicht, den normalen Herzrhythmus mit Medikamenten zu stabilisieren, kann eine Herzkatheter-Behandlung (Katheterablation) infrage kommen.

Beim Vorhofflimmern sind die Signale, die dem Herzschlag den Takt vorgeben, teilweise gestört. Das Herz schlägt dann meist schnell und unregelmäßig, was zu Beschwerden wie Herzklopfen, Kurzatmigkeit und Erschöpfung führen kann.

Eine Behandlung mit Medikamenten (medikamentöse Kardioversion) oder kontrollierten Stromstößen (elektrische Kardioversion) kann den normalen Herzrhythmus oft wiederherstellen. Um Rückfällen vorzubeugen, werden danach in der Regel Medikamente eingesetzt, die den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) stabilisieren sollen. Auch wenn es gelingt, den Sinusrhythmus wiederherzustellen, muss der Puls manchmal zusätzlich mit Medikamenten gesenkt werden.

Wie kann der Sinusrhythmus wiederhergestellt werden?

Eine Normalisierung des Herzrhythmus kann zunächst mit Medikamenten versucht werden – vor allem, wenn das Vorhofflimmern zum ersten Mal aufgetreten ist. Dazu werden Wirkstoffe aus der Gruppe der Antiarrhythmika eingesetzt (Medikamente zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen). Sie werden entweder direkt in eine Vene gespritzt oder als Tablette eingenommen.

Der Erfolg einer medikamentösen Kardioversion hängt von mehreren Faktoren ab, wie möglichen Begleiterkrankungen und der Dauer des Vorhofflimmerns. Im Durchschnitt gelingt sie bei etwa 50 bis 70 von 100 Menschen.

Mögliche Nebenwirkungen sind ein zu niedriger Blutdruck und ein zu langsamer Herzschlag, was sich zum Beispiel durch vorübergehenden Schwindel äußern kann.

Elektrische Kardioversion

Meist wird der Sinusrhythmus durch eine elektrische Kardioversion wiederhergestellt. Dabei werden Elektroden auf den Oberkörper geklebt, die einen leichten Stromstoß abgeben und dadurch den Herzrhythmus normalisieren. Dies geschieht unter einer kurzen Narkose von einigen Minuten. Eine elektrische Kardioversion gelingt bei etwa 90 von 100 Menschen und ist oft auch erfolgreich, wenn das Vorhofflimmern bereits länger anhält. Zu den Risiken gehören Komplikationen der Narkose und leichte Hautverbrennungen. Außerdem kann sich ein im Vorhof befindliches Blutgerinnsel lösen.

Wie kann man Komplikationen einer Kardioversion vorbeugen?

Das größte Risiko einer Kardioversion ist, dass sich ein schon bestehendes Blutgerinnsel im Herzen löst und einen Schlaganfall verursacht. Deshalb prüft man vor einer Behandlung durch eine spezielle Ultraschalluntersuchung des Herzens, ob sich im Herzen ein Blutgerinnsel befindet. Dazu wird eine dünne Ultraschallsonde in die Speiseröhre geführt und hinter dem Herzen platziert (Schluckecho). Wenn ein Gerinnsel nicht sicher ausgeschlossen werden konnte oder kein Schluckecho durchgeführt wurde, werden vor einer Kardioversion über mindestens drei Wochen Antikoagulanzien eingenommen, um vielleicht vorhandene Blutgerinnsel aufzulösen.

Ganz vermeiden lassen sich die Risiken einer Kardioversion aber nicht: Schätzungen aus Studien zeigen, dass etwa einer von 100 Menschen trotz aller Vorkehrungen einen Schlaganfall bekommt.

Auch in den vier Wochen nach der Kardioversion wird eine Behandlung mit Antikoagulanzien empfohlen – sofern man diese nicht ohnehin einnimmt.

Was ist eine Katheterablation und wann kommt sie infrage?

Bei einer Katheterablation wird über eine Leistenvene eine dünne Sonde in den linken Herzvorhof geschoben. Dazu muss die Herzscheidewand mit der Sonde durchstochen werden. Die Sondenspitze kann dann mit hochfrequentem Strom erhitzt werden, um verschiedene Stellen an der Herzinnenwand zu veröden, die für das Vorhofflimmern verantwortlich sein können. Diese Behandlungsmethode wird als Radiofrequenzablation (RFA) bezeichnet. Statt Strom kann auch Kälte eingesetzt werden, um die Stellen zu vereisen. Dieses Verfahren wird Kryoablation genannt.

Eine Katheterablation kommt normalerweise nur infrage, wenn trotz einer Behandlung mit Medikamenten störende Beschwerden bestehen. Die Katheterablation hat verschiedene Risiken: Während der Behandlung können Strukturen am Herzen, an der Lunge oder Speiseröhre verletzt werden. Solche Komplikationen sind selten, können aber lebensbedrohlich sein und eine Notfallbehandlung erfordern. Die häufigste Folge ist ein Bluterguss im Bereich der Einstichstelle in der Leiste.

In Studien konnte eine Katheterablation den Sinusrhythmus oft stabilisieren, wenn eine vorangegangene medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich war. Sie bietet aber keine Garantie dafür, dass der Herzrhythmus normal bleibt: In Studien benötigten etwa 25 von 100 Patientinnen und Patienten nach einiger Zeit eine zweite Ablationsbehandlung, weil das Vorhofflimmern zurückkehrte.

Außerdem sind viele Fragen zu dieser Behandlung noch ungeklärt: Insbesondere ist noch unklar, ob eine Katheterablation das Risiko für Schlaganfälle oder Herzschwäche verringert. Wie gut sie Beschwerden eines Vorhofflimmerns lindert, ist bisher ebenfalls nicht ausreichend untersucht. Manche Menschen haben trotz Sinusrhythmus weiterhin Symptome. Dann kommen manchmal zusätzlich Antiarrhythmika infrage.