Wie Gallensteine behandelt werden können

VFoto von zwei Frauen (Dmitriy Yakovlev / iStock / Thinkstock) iele Menschen haben Gallensteine, ohne sie zu bemerken. Wenn jedoch Beschwerden auftreten, stehen viele vor der Frage, was sie tun sollen: Zunächst abwarten und die Symptome behandeln? Oder sich operieren lassen? Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Wenn Gallensteine keine Beschwerden verursachen, gibt es in der Regel auch keinen Anlass, sie zu behandeln. Viele Menschen mit Gallensteinen bekommen auch über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden. Zudem kann jede Behandlung Nebenwirkungen haben, und Operationen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Gallenblasensteine werden anders behandelt als Steine im Gallengang.

Falls Beschwerden wie krampfartige Schmerzen auftreten, können sie mit Medikamenten gelindert werden. Dauerhaft verhindern lassen sich derartige Beschwerden aber nur durch eine Entfernung der Gallenblase. Eine Entfernung kommt auch für Menschen ohne Beschwerden, aber mit sehr großen Gallensteinen oder bestimmten Formen einer Porzellangallenblase (dabei ist die Wand der Gallenblase verkalkt) infrage. Denn sie haben ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs.

Welche Medikamente können helfen?

Zur Linderung von schmerzhaften Koliken stehen verschiedene Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zur Verfügung. Auch Symptome wie Völlegefühl oder Übelkeit lassen sich medikamentös behandeln.

Eine Behandlung mit Medikamenten hat eher selten das Ziel, die Gallensteine zu entfernen. Eine solche Behandlung ist möglich, wenn es sich um kleine Cholesterinsteine in der Gallenblase handelt. Um Gallensteine aufzulösen, werden Tabletten mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (UDCA) eingesetzt. Sie müssen über längere Zeit (teils über zwei Jahre) eingenommen werden und wirken oft nicht. Zudem bilden sich häufig neue Steine. Diese Behandlung wird daher nur wenigen Menschen mit leichten Beschwerden und / oder seltenen Koliken vorgeschlagen.

Welche Vor- und welche Nachteile hat eine Operation?

Eine Entfernung der Gallenblase ist bei Gallenblasensteinen die einzige Möglichkeit, schmerzhaften Koliken dauerhaft vorzubeugen. Bei der Abwägung, ob und wann man sich zu diesem Schritt entschließt, spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass erneut Beschwerden auftreten? Manche Menschen haben sehr oft Beschwerden, andere selten oder nur einmalig.
  • Wie belastend sind sie auf Dauer? Handelt es sich um starke Oberbauchschmerzen und Koliken, oder um leichte Beschwerden?
  • Wie sicher ist es, dass Gallensteine die Beschwerden auslösen? Bei Oberbauchschmerzen und Koliken ist dies sehr wahrscheinlich. Probleme wie Verdauungsbeschwerden haben oft andere Ursachen.
  • Wie hoch ist das Risiko, dass es zu Komplikationen wie Entzündungen der Gallenblase kommen kann?
  • Was sind die Vor- und Nachteile einer Operation? Einige Menschen haben zum Beispiel wegen ihres Alters oder weiterer Erkrankungen ein höheres Risiko für Komplikationen durch eine Operation als andere.

Wer sich für eine Operation entschieden hat, kann in der Weissen Liste nach einem Krankenhaus suchen und sich darüber informieren, wie häufig solche Eingriffe dort durchgeführt werden.

Bauchspiegelung oder Bauchschnitt?

Gallenblasen werden heute meist im Rahmen einer Bauchspiegelung entfernt, der sogenannten Laparoskopie. Bei dem Eingriff werden unter Vollnarkose drei bis vier kleine Einschnitte in die Bauchdecke gemacht. Durch diese Einschnitte führt die Chirurgin oder der Chirurg dünne Röhrchen ein, durch die sehr feine Operationsinstrumente bis zur Gallenblase vorgeschoben werden. In den letzten Jahren wurden weitere Varianten der laparoskopischen Operation entwickelt. Dabei werden die Röhrchen und Instrumente durch die Scheide, den Magen oder durch den Bauchnabel in die Bauchhöhle eingeführt.

Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, kann der Eingriff ambulant durchgeführt werden – das heißt, man kann noch am selben Tag wieder nach Hause gehen. Dort erholt man sich ähnlich gut wie im Krankenhaus, und auch das Risiko für Komplikationen ist vergleichbar.

Um die Gallenblase zu entfernen, ist nur selten ein großer Bauchschnitt mit anschließendem Klinkaufenthalt nötig, zum Beispiel bei Komplikationen oder Verwachsungen im Bauchraum. Nach diesem Eingriff erholt man sich langsamer als nach einer Bauchspiegelung. Dass eine Bauchspiegelung weniger Komplikationen nach sich zieht, ist jedoch nicht belegt.

Welche Risiken hat eine Operation?

In Deutschland müssen Krankenhäuser erfassen, wie häufig es nach bestimmten Eingriffen zu Komplikationen kommt. Etwa 1200 Krankenhäuser melden diese Daten für die Entfernung der Gallenblase. Die Daten werden jährlich ausgewertet, die Ergebnisse aus dem Jahr 2014 für die Bauchspiegelung sind folgende:

Tabelle: Risiken einer Operation
Art der (behandlungsbedürftigen) Komplikation Komplikationen je 1000 Operationen (Laparoskopien)
Blutung 7
Verletzung der Gallengänge
sonstige Komplikationen 14

Quelle: AQUA Institut 2015 (Daten aus 2014)

Eine Verletzung der Gallengänge kann unter anderem zu akuten Entzündungen im Bauchraum führen. Wenn sich Narben bilden, können sie den Gallengang verengen. Dadurch kann eine dauerhafte Behandlung nötig werden.

Wie werden Gallengangssteine entfernt?

Im Gallengang selbst bilden sich nur selten Steine. Die meisten Gallengangssteine sind aus der Gallenblase in den Gallengang gewandert. Steine im Gallengang führen jedoch häufiger zu Entzündungen der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse als Gallenblasensteine. Dennoch kann man auch bei Gallengangssteinen zunächst abwarten: Oft gehen sie von allein ab und führen nicht zu Beschwerden.

Gallengangssteine können im Rahmen einer Bauchspiegelung oder einer offenen Operation entfernt werden – oder bei der sogenannten endoskopisch-retrograden Cholangiografie (ERC). Wenn die Gallenblase noch weitere Steine enthält, kann sie später operativ entfernt werden, um Komplikationen vorzubeugen. Eine ERC führt bei etwa 5 bis 10 von 100 Menschen zu Komplikationen wie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Verletzungen des Gallengangs und Magen-Darm-Trakts.

Wie werden Entzündungen behandelt?

Eine Gallenblasen-Entzündung wird meist durch Gallensteine verursacht. Sie wird in der Klinik behandelt, zunächst mit Antibiotika und Schmerzmitteln. Bis die akute Entzündung nach ein bis zwei Tagen abgeklungen ist, darf man gar nicht oder nur eingeschränkt essen und trinken. Damit der Körper genügend Flüssigkeit bekommt, wird eine Infusion gelegt.

Nach dieser Akutbehandlung wird in der Regel empfohlen, die Gallenblase operativ entfernen zu lassen, um erneute Beschwerden oder Komplikationen zu vermeiden. Menschen mit einer leichten Entzündung können unter Umständen auf einen Eingriff verzichten. Welche Folgen ein Verzicht langfristig hat, ist aber noch nicht ausreichend untersucht. Man weiß beispielsweise noch nicht, wie hoch das Risiko für schwerwiegende Folgen ist, wenn man auf einen Eingriff verzichtet.

Wenn ein Eingriff ansteht, hat es Vorteile, innerhalb der ersten Tage nach der Diagnose zu operieren. Früher hat man öfter einige Wochen gewartet, bis die Entzündung abgeheilt ist. Wird aber erst nach mehreren Wochen operiert, kommt es häufiger zu Notfalloperationen und längeren Krankenhausaufenthalten. Andere Risiken hat das Abwarten jedoch nicht.

Bei einer Entzündung der Gallengänge besteht die Gefahr, dass sich auch die Bauchspeicheldrüse entzündet. Deshalb werden die Gallensteine so rasch wie möglich mittels ERC entfernt.

Wie komme ich ohne Gallenblase zurecht?

Vor einer Operation fragen sich viele Menschen, was es bedeutet, ohne Gallenblase zu leben. In der Regel hat der Verlust des Organs aber keine größeren Nachteile. Fehlt die Gallenblase, fließt die gesamte in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit ohne Zwischenspeicherung direkt über den Gallengang in den Dünndarm. Manche Menschen haben deshalb etwas häufiger Stuhlgang als vorher und weicheren Stuhl. Dies ist aber oft nur vorübergehend.

Eine Operation führt zwar meist dazu, dass keine Koliken mehr auftreten – sie ist aber keine Garantie dafür, dass die Beschwerden ganz verschwinden. So können etwa Völlegefühl und Blähungen bestehen bleiben. Auch können sich in den Gallengängen weiter Gallensteine bilden und Probleme verursachen.

Nach einer Operation ist es nicht unbedingt nötig, sich anders zu ernähren oder gar eine spezielle Diät einzuhalten. Viele Menschen vertragen ihre gewohnten Speisen nach der Operation genauso gut wie vorher.

Falls bestimmte Lebensmittel nach dem Eingriff nicht mehr vertragen werden und Verdauungsprobleme auftreten, kann es sinnvoll sein, die Ernährung etwas umzustellen. Dabei kann die Ärztin oder der Arzt unterstützen. Häufig wird empfohlen, sich fettärmer und ballaststoffreicher zu ernähren. Was einem gut bekommt und was weniger, lässt sich am besten durch Ausprobieren herausfinden.