Welchen Nutzen hat ein Screening auf B-Streptokokken in der Schwangerschaft?

Foto von schwangerer Frau mit Tochter (PantherMedia / Leo Lintang) Wenn bei einer schwangeren Frau das Risiko für eine Infektion ihres Kindes mit B-Streptokokken erhöht ist, erhält sie während der Geburt ein Antibiotikum. Dadurch soll das Kind vor einer Ansteckung geschützt werden. Ob es sinnvoll ist, alle schwangeren Frauen routinemäßig auf B-Streptokokken zu testen, ist unklar.

In der Schwangerschaft wird bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen geprüft, ob sich das Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Zur Schwangerschaftsvorsorge gehören Ultraschalluntersuchungen, Blutabnahmen und Urintests. Was und wie untersucht wird, legen in Deutschland die Mutterschafts-Richtlinien fest.

Besteht der Verdacht, dass es bei einer schwangeren Frau zu einer Besiedelung mit B-Streptokokken gekommen ist, erhält sie während der Geburt ein Antibiotikum. Dies soll verhindern, dass sich das Baby ansteckt und schwer erkrankt.

B-Streptokokken: Für Erwachsene harmlos, für Babys gefährlich

B-Streptokokken sind Bakterien, die bei Menschen natürlicherweise vorkommen können, vor allem im Darm- und Genitalbereich.

Bei gesunden Erwachsenen verursachen B-Streptokokken normalerweise keine Beschwerden. Anders bei Neugeborenen: Bei ihnen können die Bakterien zu einer Blutvergiftung (Sepsis) oder gar zum Tod führen. B-Streptokokken können bei Babys auch verschiedene Infektionskrankheiten auslösen, etwa eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie) und zu bleibenden Behinderungen führen.

In Deutschland liegt bei etwa 1800 von 10.000 schwangeren Frauen eine Besiedelung mit B-Streptokokken vor. Die Bakterien können während einer natürlichen Geburt auf das Kind übertragen werden. In Deutschland erkranken etwa 3 von 10.000 Neugeborenen an einer Infektion mit B-Streptokokken. Dass ein Kind daran stirbt, ist sehr selten.

B-Streptokokken-Test in der Schwangerschaft

Der B-Streptokokken-Test untersucht, ob eine schwangere Frau diese Bakterien im Körper trägt. Er wird normalerweise gegen Ende der Schwangerschaft angeboten, zwischen der 35. und der 37. Schwangerschaftswoche.

Der Test wird von allen Krankenkassen bezahlt, wenn die Ärztin, der Arzt, der Entbindungspfleger oder die Hebamme eine B-Streptokokken-Besiedelung vermutet oder wenn eine Frühgeburt droht. Möchte eine schwangere Frau den Test machen lassen, obwohl kein Verdacht besteht, muss sie ihn meist selbst bezahlen. Der Test wird dann als individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, angeboten. Einige gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten des Tests allerdings für alle schwangeren Frauen.

Für den Test werden normalerweise zwei Abstriche gemacht: Dazu werden Zellen aus der Scheide (Scheiden- oder Vaginalabstrich) und im Bereich des Anus entnommen. Die Zellproben werden meist ins Labor geschickt. Das Testergebnis liegt normalerweise innerhalb einer Woche vor. Findet der Test B-Streptokokken, wird dies im Mutterpass notiert.

Wann besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für das Kind?

Es wird davon ausgegangen, dass das Infektionsrisiko für das Kind erhöht ist, wenn bei einer schwangeren Frau mindestens einer der folgenden Risikofaktoren besteht:

  • Im Urin wurden B-Streptokokken nachgewiesen.
  • Im Bereich von Scheide oder Anus wurden B-Streptokokken nachgewiesen (B-Streptokokken-Test).
  • Es droht eine Frühgeburt vor der 38. Schwangerschaftswoche.
  • Während der Geburt tritt Fieber auf. Das heißt, die Körpertemperatur beträgt mindestens 38° C.
  • Zwischen Blasensprung und Geburt vergehen mindestens 18 Stunden.
  • Die Frau hat bereits ein Kind geboren, das sich bei der Entbindung mit B-Streptokokken angesteckt hat.

Wenn das Infektionsrisiko des Kindes erhöht ist, erhalten Frauen während der Geburt ein Antibiotikum, um das Kind vor einer Ansteckung zu schützen. Das Antibiotikum wird entweder gespritzt oder als Infusion gegeben.

B-Streptokokken-Screening in der Schwangerschaft

In einigen Ländern werden alle Frauen gegen Ende der Schwangerschaft routinemäßig auf B-Streptokokken getestet. Dieser Routinetest wird B-Streptokokken-Screening genannt. Auch die aktuelle Leitlinie der Deutschen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt das Screening.

Weist der Test bei schwangeren Frauen im Abstrich B-Streptokokken nach, erhalten sie grundsätzlich während der Geburt ein Antibiotikum. Findet der Test keine Streptokokken, ist in der Regel kein Antibiotium nötig. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen, bei denen auch dann ein Antibiotikum gegeben wird, wenn der Test keine B-Streptokokken gefunden hat:

  1. Die Frau hat bereits ein Kind geboren, das sich bei der Entbindung mit B-Streptokokken angesteckt hat.
  2. Im Urin der schwangeren Frau wurden B-Streptokokken nachgewiesen.

Studienlage zum B-Streptokokken-Screening

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat geprüft, welche Vor- oder Nachteile ein B-Streptokokken-Test für alle schwangeren Frauen hat. Das B-Streptokokken-Screening wurde mit dem Vorgehen verglichen, bei dem während der Geburt ein Antibiotikum gegeben wird, wenn die werdende Mutter bestimmte Risikofaktoren hat.

Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand zur Frage, welche Vor- oder Nachteile das Screening für Mütter und Kinder hat, keine aussagefähige Studie. Daher bleibt unklar, ob das Kind vor einer Infektion mit B-Streptokokken durch ein Screening besser geschützt wird als durch das auf Risikofaktoren basierende Vorgehen. Unklar bleibt auch, ob das Screening zu vermeiden hilft, dass Frauen unnötig Antibiotika erhalten.