Welchen Nutzen hat ein Routinetest auf Bakterien im Urin für Schwangere?

Foto von einer schwangeren Frau im Krankenhaus (PantherMedia / Iakov Filimonov) Ob es sinnvoll ist, den Urin von Schwangeren routinemäßig auf Bakterien zu testen (Bakteriurie-Screening), ist unklar. Auch bleibt offen, ob mit Antibiotika behandelt werden sollte, wenn im Urin zwar vermehrt Bakterien gefunden werden, aber keine Harnwegs-Beschwerden spürbar sind.

In der Schwangerschaft wird bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen nachgeschaut, ob sich das Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Dazu gehören neben Ultraschalluntersuchungen und Blutabnahmen auch Urintests. Was und wie untersucht wird, ist in Deutschland in der Mutterschafts-Richtlinie festgelegt.

Urintests in der Schwangerschaft

Die Richtlinie sieht vor, dass Schwangere regelmäßig eine Urinprobe abgeben. Diese wird unter anderem auf Eiweiß, Zucker und Bakterien untersucht. Die Routineuntersuchung auf Bakterien wird auch „Bakteriurie-Screening“ genannt. Finden sich vermehrt Bakterien im Urin, folgen weitere Tests, die das Ergebnis absichern sollen.

Bei etwa 2 bis 15 von 100 Schwangeren wird das Labor fündig: In ihrem Urin tummelt sich eine bestimmte Menge an Bakterien, die aber keine Beschwerden verursachen. Man spricht dann von einer „asymptomatischen Bakteriurie“.

Harnwegsinfekte und mögliche Folgen

Bakterien im Urin auszuscheiden, bleibt häufig folgenlos. Meist verschwinden die Bakterien mit der Zeit von selbst wieder. Allerdings kommt es vor, dass eine Frau mit Bakterien im Urin zu einem späteren Zeitpunkt einen Harnwegsinfekt bekommt.

Aufgrund der hormonellen und körperlichen Veränderungen sind schwangere Frauen anfälliger für Harnwegsinfekte. Diese entstehen, wenn die Bakterien zu einer Entzündung der Harnröhre und Blase führen. Steigen die Keime hoch, können sich auch die Harnleiter oder die Nieren entzünden.

Typische Beschwerden einer Infektion der unteren Harnwege sind:

  • verstärkter Harndrang und
  • schmerzhaftes Wasserlassen.

Bei Harnleiter- oder Nierenbecken-Entzündungen auch:

  • Fieber,
  • Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen),
  • manchmal Übelkeit und Erbrechen.

Falls eine oder mehrere dieser Beschwerden auftreten, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

Es kommt selten vor, dass eine unbehandelte Harnwegsinfektion während der Schwangerschaft schwere Komplikationen nach sich zieht wie etwa eine Blutvergiftung (Sepsis). Bakterien im Urin werden außerdem mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und einem geringen Geburtsgewicht des Kindes in Verbindung gebracht.

Um möglichen Folgen und Komplikationen vorzubeugen, erhalten Schwangere, bei denen Bakterien im Urin nachgewiesen wurden, für gewöhnlich Antibiotika – auch wenn sie keine Beschwerden haben.

Studienlage

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sind der Frage nachgegangen, ob die routinemäßigen Tests auf Bakterien im Urin während der Schwangerschaft tatsächlich Vorteile für Mutter oder Kind haben. Zum Nutzen dieser Tests fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG jedoch keine geeigneten Studien. Deshalb prüften sie, welche Vor- und Nachteile die Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie mit Antibiotika hat: Hilft die Behandlung, Komplikationen für Mutter und Kind zu vermeiden, wenn es zwar Bakterien im Urin, aber keine Symptome eines Harnwegsinfekts gibt? Zu dieser Frage fanden sich drei geeignete Studien. Die Frauen, die daran teilnahmen, schluckten entweder Antibiotika, ein Scheinmedikament (Placebo) oder unternahmen gar nichts.

Nutzen von Urintests auf Bakterien in der Schwangerschaft ist unklar

Die Studienergebnisse zeigen allerdings nicht, ob es Vor- oder Nachteile hat, bei einer beschwerdefreien Bakteriurie Antibiotika einzunehmen: Zum einen fehlen wichtige Informationen über die Studienteilnehmerinnen oder mögliche Nebenwirkungen der Antibiotika. Zum anderen wurden Präparate verwendet, die heute nicht mehr im Handel sind. Die Studien stammen zudem aus den 1960er Jahren und lassen sich nicht ohne weiteres auf die heutige Versorgung von Schwangeren übertragen.

Somit bleibt insgesamt unklar, ob es sinnvoll ist, den Urin von Schwangeren routinemäßig auf Bakterien zu untersuchen. Dies gilt auch für die Frage, ob bei Schwangeren ohne Beschwerden, aber Bakterien im Urin, eine Behandlung mit Antibiotika nötig ist.

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Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

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