Welche Vor- und Nachteile hat eine Operation?

Foto von Patient und Angehöriger im Krankenhaus (Monkey Business Images / Monkey Business / Thinkstock) Eine Operation kann die Beschwerden bei einer gutartigen Prostatavergrößerung sehr wirksam lindern. Sie kommt infrage, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Linderung verschaffen oder es immer wieder zu Problemen wie Harnwegsinfektionen kommt. Eine Operation hat jedoch häufig Nebenwirkungen.

Für die meisten Männer mit einer gutartig vergrößerten Prostata besteht keine dringende Notwendigkeit für einen chirurgischen Eingriff. Sie können die Vor- und Nachteile einer Operation in Ruhe abwägen. Es kann verschiedene Gründe geben, sich für eine Operation zu entscheiden:

  • Die Beschwerden sind sehr belastend und lassen sich durch andere Behandlungen nicht ausreichend lindern.
  • Es treten immer wieder Folgeerkrankungen auf, zum Beispiel wiederkehrende Harnwegsentzündungen oder Blasensteine.
  • Eine Behandlung mit Medikamenten kommt aus medizinischen Gründen nicht infrage.

Daneben spielt die persönliche Abwägung eines Mannes eine wichtige Rolle. Denn eine Operation ist sehr wirksam, kann aber auch zu Komplikationen führen wie etwa Störungen beim Samenerguss.

Was passiert bei einer Operation?

Bei einer Operation wird die Prostata so verkleinert, dass sie nicht mehr auf Blase und Harnröhre drückt. Bei den meisten Verfahren werden dazu kleine Instrumente durch die Harnröhre (transurethral) bis zur Prostata geführt, um Gewebe zu entfernen oder die Harnröhre zu weiten. Solche Verfahren werden „geschlossene“ Operationen genannt. Wenn die Prostata sehr stark vergrößert ist, wird sie manchmal durch einen Einschnitt in der Bauchdecke operiert. Dies ist aber nur selten nötig.

Es gibt viele verschiedene Operationstechniken und eine Vielzahl von Instrumenten und Geräten, mit denen sich Prostatagewebe auf unterschiedliche Weise entfernen lässt.

Welches Verfahren ist am gängigsten?

Als Standardoperation gilt die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata (TURP). Bei diesem Verfahren wird ein dünnes Röhrchen (Resektoskop) in die Harnröhre eingeführt und bis zur Prostata vorgeschoben. In diesem Instrument befinden sich eine sehr kleine Kamera und eine elektrische Drahtschlinge, mit der das Prostatagewebe mechanisch abgetragen wird. Durch das gleichzeitige Erhitzen der Schlinge verschließen sich die Blutgefäße rasch wieder. Das Resektoskop enthält zudem Ventile zur Regulation von Flüssigkeit, mit der das entfernte Gewebe ausgespült wird. Die TURP dauert etwa 90 Minuten und erfordert eine Teil- oder Vollnarkose. Nach dem Eingriff muss für einige Tage ein Blasenkatheter getragen werden. In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt von 2 bis 7 Tagen erforderlich. Danach muss man sich noch ein paar Wochen schonen.

Einige Varianten der TURP gelten ebenfalls als Standard-Behandlungen und haben vergleichbare Ergebnisse und Folgen wie eine herkömmliche TURP. Dazu gehören die transurethrale Elektrovaporisation (TUEVP), die transurethrale Vaporesektion (TUVRP) und die Plasmakinetische Enukleation der Prostata (PkEP).

Ein anderes bewährtes Verfahren ist die transurethrale Inzision der Prostata (TUIP). Dabei wird kein Prostatagewebe entfernt, sondern die Harnröhre entlastet. Die Chirurgin oder der Chirurg setzt dazu ein oder zwei Einschnitte am Übergang zwischen Blasenhals und Prostata. Dies schafft etwas Raum für die beengte Harnröhre und kann dadurch Erleichterung bringen. Der Vorteil des Verfahrens ist, dass bestimmte Nebenwirkungen wie Blutungen seltener auftreten. Eine TUIP eignet sich aber nur für Männer, deren Prostata nicht so stark vergrößert ist. Außerdem kann es sein, dass der Eingriff nach einer Weile wiederholt werden muss.

Wie gut hilft eine TURP und welche Folgen kann sie haben?

Für die TURP ist nachgewiesen, dass sie Prostata-Beschwerden dauerhaft lindern kann. Etwa 75 von 100 Männern, die sich einer TURP unterziehen, haben neun Monate nach dem Eingriff nur noch leichte Prostata-Beschwerden und müssen beispielsweise nach der Operation nachts nur noch einmal oder gar nicht mehr zur Toilette gehen. Den restlichen Männern kann der Eingriff meist auch helfen, aber in etwas geringerem Ausmaß. Nebenwirkungen sind allerdings häufig.

Die häufigste Nebenwirkung der TURP ist der „trockene Samenerguss“ (Fachbegriff: retrograde Ejakulation): Die Samenflüssigkeit wird während des Ergusses in die Harnblase abgegeben und gelangt nicht oder kaum nach außen. Dazu kann es kommen, wenn während des Eingriffs Muskeln verletzt werden, die beim Samenerguss normalerweise den Blasenausgang verschließen. Ein trockener Samenerguss tritt bei ungefähr 65 von 100 Männern nach einer TURP auf. Er ist zwar nicht gesundheitsschädlich und mindert in der Regel auch nicht das Gefühl beim Orgasmus, setzt aber die Fruchtbarkeit herab.

Manche Männer befürchten, dass sie nach einem Eingriff Erektionsstörungen bekommen. Dieses Risiko lässt sich zwar nicht ganz ausschließen, allerdings zeigen Forschungsergebnisse, dass dauerhafte Erektionsstörungen selten sind. Da die störenden Beschwerden wie häufiger Harndrang verschwinden, sind manche Männer nach dem Eingriff auch zufriedener mit ihrer Sexualität.

Andere mögliche Folgen der TURP sind Harnwegsinfektionen und eine zeitweise Blasenschwäche (Inkontinenz). Wie bei den meisten Operationen besteht außerdem das Risiko einer behandlungsbedürftigen Blutung. Selten kommt es nach einer Operation zu einer Verengung der Harnröhre. Langfristige Folgen wie dauerhafte Inkontinenz sind selten.

Eine TURP kann auch ein „TUR-Syndrom“ mit vorübergehender Übelkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit auslösen. Diese Komplikation ist selten, kann jedoch lebensbedrohlich sein. Sie tritt auf, wenn ein Teil der Flüssigkeit, mit der das entfernte Prostatagewebe weggespült wird, in den Blutkreislauf gelangt. In seltenen Fällen kann ein TUR-Syndrom zu Herz-Kreislauf-Problemen führen. In Studien trat bei 2 bis 3 von 100 Männern ein TUR-Syndrom auf, allerdings ohne ernsthafte Folgen.

Haben Laser-Behandlungen Vorteile gegenüber der TURP?

Neben den Standardmethoden wie der TURP gibt es noch eine Reihe von anderen Operationsverfahren. Sie unterscheiden sich vor allem durch die eingesetzten Geräte und Energiequellen, mit denen das Prostatagewebe abgetragen oder zerstört wird. Die meisten anderen Techniken arbeiten mit Laserstrahlen. Die Instrumente werden ähnlich wie bei der TURP durch die Harnröhre bis zur Prostata geführt.

Zu den Laserbehandlungen gehören die folgenden Verfahren:

  • Holmium-Laserenukleation der Prostata (HoLEP)
  • Holmium-Laserresektion (HoLRP)
  • Thulium-Laserresektion (TmLRP)
  • Thuliumlaser-Enukleation (TmLEP)
  • photoselektive Vaporisation der Prostata (PVP), auch Grün-Laser-Therapie der Prostata genannt

Die beiden Holmium-Laserverfahren greifen vergleichbar stark in das Prostatagewebe ein wie eine TURP. Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sie ähnlich gut helfen. Sie haben den Vorteil, dass sie den nötigen Krankenhausaufenthalt und die Katheterbehandlung nach dem Eingriff etwas verkürzen.

Auch für die Thulium-Laserresektion (TmLRP) zeigen Studien, dass das Behandlungsergebnis mit dem einer TURP vergleichbar ist. Zudem führte die Thulium-Laserresektion in Studien seltener zu schweren Blutungen. Männer, die eine Thulium-Laserresektion erhielten, konnten früher das Krankenhaus verlassen und die Katheterbehandlung beenden.

Ein weiterer Vorteil der Laser-Verfahren ist, dass kein Risiko für ein TUR-Syndrom besteht. Der trockene Samenerguss tritt allerdings auch nach Laser-Behandlungen häufig auf.

Für die anderen Techniken wie die TmLEP und die PVP ist nicht nachgewiesen, dass sie mindestens genauso wirksam sind wie eine TURP.

Wann ist welcher Eingriff der richtige?

Gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt kann man die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsverfahren abwägen und klären, welcher Eingriff infrage kommt. Diese Entscheidung hängt neben der Größe der Prostata auch von persönlichen Faktoren ab, zum Beispiel dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand.

Nicht jede Klinik bietet alle beschriebenen Verfahren an, sodass die Entscheidung für eine bestimmte Technik auch von den Möglichkeiten vor Ort abhängt. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen ist es wichtig, wie viel Erfahrung die Operateure mit einer bestimmten Methode haben und auf welche Verfahren sich die Klinik spezialisiert hat.

Wie geht es nach dem Eingriff weiter?

Die meisten chirurgischen Eingriffe an der Prostata werden im Krankenhaus durchgeführt. Wie lange man in der Klinik bleiben muss, hängt vom eingesetzten Verfahren ab und davon, wie schnell man sich wieder erholt. Damit die Operationswunde nicht mit Urin in Kontakt kommt, wird für einige Tage ein Blasenkatheter eingesetzt: Dabei leitet ein dünner Plastikschlauch den Urin von der Blase durch die Harnröhre nach außen. Der Schlauch wird von einem kleinen wassergefüllten Ballon in der Blase gehalten. Dies kann zu schmerzhaften Blasenkrämpfen führen, die aber vor allem in den ersten Stunden und Tagen auftreten. Um Infektionen zu vermeiden, werden unter Umständen Antibiotika verordnet.

Während der ersten beiden Tage nach dem Eingriff kann der Urin blutig sein oder Blutklümpchen enthalten – vor allem nach einer TURP. Um die Blase zu spülen und die Heilung der Wunde zu beschleunigen, ist es wichtig, in den ersten Tagen viel Wasser zu trinken. Auch später können noch leichte Blutungen auftreten, zum Beispiel, wenn sich Wundnarben lösen und ausgeschwemmt werden.

Auch wenn man keine Schmerzen mehr hat, braucht es einige Zeit, bis die Operationswunde vollständig verheilt ist. Deshalb ist in den ersten Wochen nach der Behandlung Schonung nötig: Körperliche Anstrengungen, ruckartige Bewegungen und schweres Heben erhöhen das Risiko, dass Blutungen in der Wunde entstehen. Die Ärztin oder der Arzt kann beraten, wie sich der Alltag so verändern lässt, dass die Genesung gefördert wird.

Bis man vollständig wiederhergestellt ist, kann es einige Monate dauern. Während dieser Zeit können auch Probleme beim Wasserlassen auftreten, etwa Harndrang oder kurze Phasen, in denen sich die Blase nicht richtig kontrollieren lässt. Die Organe brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich auf die Veränderungen im operierten Bereich eingestellt haben und wieder normal funktionieren. Während dieser Zeit braucht es etwas Geduld.

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