Was kann man tun, wenn sich eine Frühgeburt ankündigt?

Foto von Paar (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Kinder, die deutlich zu früh geboren werden, sind für das Leben außerhalb des Mutterleibs noch nicht ausreichend entwickelt. Wenn eine Frühgeburt absehbar ist, gibt es aber oft noch Möglichkeiten, das Kind vor Risiken zu schützen.

Manche Kinder werden unerwartet und sehr plötzlich zu früh geboren. Meist kündigt sich eine Frühgeburt jedoch durch bestimmte Warnzeichen an. Dann ist es oft möglich, die Geburt noch etwas hinauszuzögern. In dieser Zeitspanne kann man einiges tun, damit das Baby nach der Geburt bessere Chancen hat, zu überleben und sich gesund zu entwickeln. Wichtig ist vor allem die Behandlung der Mutter mit Kortison. Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

Was ist eine Frühgeburt?

Normalerweise setzen die Wehen nach neun Schwangerschaftsmonaten ein. Dann spricht man von einer Terminschwangerschaft. Eine Termingeburt bedeutet, dass das Kind in der Zeit um die 40. Schwangerschaftswoche herum geboren wird. Manchmal setzen die Wehen aber um Wochen früher ein oder es kommt zu Schwangerschaftskomplikationen, die eine frühere Geburt des Kindes nötig machen. Wird eine Schwangerschaft durch eine Operation (Kaiserschnitt) oder die Einleitung der Wehen vorzeitig beendet, wird dies als „elektive Frühgeburt“ bezeichnet. Setzen die Wehen von allein ein, spricht man von einer „spontanen Frühgeburt“.

Zu den Faktoren, die eine Frühgeburt auslösen können, gehören Infektionen, eine Gebärmutterhalsschwäche oder Probleme mit der Plazenta. Auch Mehrlingsschwangerschaften sind ein Risikofaktor: Etwa die Hälfte aller Zwillings-Schwangerschaften und nahezu alle Drillings-Schwangerschaften enden mit einer Frühgeburt. Oft findet sich allerdings keine Erklärung für das vorzeitige Ende der Schwangerschaft.

Alle vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geborenen Kinder gelten als Frühgeborene. In Deutschland sind das etwa 9 von 100 Schwangerschaften. Da sich der Körper des Kindes zu dieser Zeit noch immer rasch weiterentwickelt, kann jede zusätzliche Woche im Mutterleib für seine Lebensfähigkeit und Gesundheit nach der Geburt einen großen Unterschied bedeuten.

Je nach der Dauer der Schwangerschaft werden drei Gruppen von Frühgeborenen unterschieden: extrem früh Geborene (weniger als 28 Schwangerschaftswochen), sehr früh Geborene (28 bis 31 Schwangerschaftswochen) und mäßig früh Geborene (32 bis 37 Schwangerschaftswochen).

Grafik: Drei Gruppen von Frühgeborenen - wie im Text beschriebenDrei Gruppen von Frühgeborenen

Je unreifer das Neugeborene, umso kleiner und weniger entwickelt ist es. Eine zu frühe Geburt beeinträchtigt vor allem die Atmung des Kindes: Seine Lungen entwickeln sich zwar bereits von Beginn der Schwangerschaft an, sind aber erst nach ungefähr 34 Schwangerschaftswochen soweit herangereift, dass sie eigenständig arbeiten können. Ansonsten gesunde, mäßig früh geborene Kinder haben deshalb auch ein geringeres Risiko für Atemprobleme als „sehr früh“ und „extrem früh“ Geborene.

Woran erkenne ich vorzeitige Wehen?

Frauen, die das Gefühl haben, dass bei ihnen vorzeitige Wehen einsetzen, haben mit dieser Vermutung meist Recht. Sie sollten sich rasch mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, ihrer Hebamme oder dem Krankenhaus in Verbindung setzen. Vor allem vor Vollendung der 34. Schwangerschaftswoche bedeuten vorzeitige Wehen einen Notfall. Je früher dann eine spezielle medizinische Versorgung beginnt, desto besser kann dem Kind geholfen werden.

An folgenden Hauptzeichen ist erkennbar, dass womöglich vorzeitige Wehen einsetzen:

  • Es sind regelmäßige Kontraktionen, begleitet von krampfartigen Schmerzen (Wehenschmerzen) zu spüren. 
  • Fruchtwasser geht ab: Das bedeutet, die wassergefüllte Fruchtblase, die das Baby in der Gebärmutter umgibt, ist geplatzt (Blasensprung).
  • Hellrote Blutungen: Sie bedeuten immer einen Notfall.

Die Regelmäßigkeit der Kontraktionen ist als Zeichen für vorzeitige Wehen wichtiger als begleitende Schmerzen. Dass sich die Gebärmutter in der Schwangerschaft gelegentlich zusammenzieht (kontrahiert), ist normal. Wenn diese Kontraktionen aber sehr regelmäßig auftreten und nicht wieder verschwinden, könnte es sich um Geburtswehen handeln.

Was kann man bei vorzeitigen Wehen tun?

Es gibt vier wichtige Aspekte, die eine Frau am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt bespricht, wenn sie vorzeitige Wehen hat:

  • die Entscheidung über den Entbindungsort: Es kann nötig sein, die Pläne für die Geburt zu ändern und eine Geburtsklinik zu wählen, die möglichst optimale Bedingungen für die Versorgung eines zu früh geborenen Kindes bietet; 
  • den Einsatz bestimmter Medikamente (sogenannter Tokolytika), um zu versuchen, die Wehen zu stoppen;
  • die Einnahme von Antibiotika, wenn für Mutter und / oder Kind ein Infektionsrisiko besteht; 
  • die Behandlung der Mutter mit Kortison (Fachbegriff: Kortikosteroide), um die Lungenreifung des ungeborenen Kindes zu unterstützen und zu beschleunigen (Steroidbehandlung). Die Gabe von Kortison kann schweren Erkrankungen vorbeugen und das Überlebensrisiko des Kindes erhöhen.

Manchmal können Tokolytika vorzeitige Wehen zum Stillstand bringen, meist können sie die Geburt aber nur für wenige Tage verzögern. Diese kurze Verzögerung macht es aber oft möglich, die Lungenreifung mit Kortison zu beschleunigen.

Was Studien sagen

Nach der Geburt

Nach der Geburt kann ein Wirkstoff namens Surfactant helfen, die Atmung des Kindes zu unterstützen. Unreife Lungen sind „steif“ und können sich nur schwer entfalten, was aber zum problemlosen Ein- und Ausatmen nötig wäre. Surfactant ist eine Flüssigkeit, die ein ungeborenes Kind normalerweise etwa nach der 32. Schwangerschaftswoche selbst in der Lunge produzieren würde.

Wenn ein Baby zu früh geboren wurde, wird es von einem Spezialteam betreut und sorgfältig überwacht. Unter Umständen benötigt ein Frühchen sehr viel Unterstützung, damit es richtig atmen kann, warm bleibt und ausreichend Nährstoffe erhält. Je nachdem, wie unreif das Kind noch ist, kann eine besondere intensivmedizinische Behandlung nötig sein.

Die Zeit, bis ein zu früh geborenes Baby außer Gefahr ist, bedeutet für die Eltern meist eine Zeit voller Ängste und Sorgen. Auch wenn ihr Baby durch Spezialistinnen und Spezialisten betreut werden muss, kann eine Mutter selbst etwas tun: Zum Beispiel kann sie (vielleicht mit Unterstützung) ihre Milchproduktion anregen und Milch abpumpen, damit das Baby damit ernährt werden kann, sobald es Muttermilch verträgt.

Neben aller Sorge um das Kind ist es aber auch wichtig, sich um sich selbst zu kümmern, um sich von der Geburt zu erholen und die damit zusammenhängenden Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. So gelingt es auch besser, sich möglichst umfassend an der Pflege und Betreuung des Babys zu beteiligen.

Wenn das Baby einen Monat alt ist, wird es wahrscheinlich die Größe erreicht haben, die es auch im entsprechenden Schwangerschaftsmonat gehabt hätte: Wurde das Kind beispielsweise nach sieben Schwangerschaftsmonaten geboren, ist es nach einem Monat etwa so groß wie ein ungeborenes Kind nach acht Schwangerschaftsmonaten. Eine Zeitlang wird das Baby also noch kleiner und unreifer sein als zum errechneten Termin geborene Säuglinge. Wie gut es dem Kind gehen wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wenn keine größeren Probleme auftreten, ist es jedoch wahrscheinlich, dass ein Frühchen das Krankenhaus ungefähr zu dem Zeitpunkt verlassen kann, an dem es termingerecht geboren worden wäre.

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