Was hilft beim Absetzen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln?

Foto von Frau bei der Tabletteneinnahme (PantherMedia / Ralph Glaser) Um von Schlaf- und Beruhigungsmitteln loszukommen, ist es am besten, die Dosis mit ärztlicher Hilfe schrittweise zu verringern. Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung kann dabei helfen.

Es gibt Situationen, in denen man das Gefühl hat, dass alles aus dem Ruder läuft: Eine zerbrochene Beziehung oder eine schwere Krankheit etwa können zu Lebenskrisen führen und extrem belastend sein. Starke Unruhe, Schlaflosigkeit, Angst oder Erschöpfung sind mögliche Folgen.

Viele Menschen finden Mittel und Wege, mit derartigen Belastungen umzugehen. Bei anderen wollen Beschwerden wie Schlaflosigkeit einfach nicht verschwinden. Manche Menschen nehmen in solchen Phasen Benzodiazepine oder Medikamente mit den Wirkstoffen Zolpidem oder Zopiclon (sogenannte „Z-Drugs“). Diese Medikamente gehören zu den am häufigsten von Ärztinnen und Ärzten verschriebenen Schlaf- und Beruhigungsmitteln.

Benzodiazepine können beruhigend, angstlösend, muskelentspannend und entkrampfend wirken. Sie werden auch eingesetzt, um besser ein- und durchzuschlafen. Z-Drugs sollen vor allem bei Einschlafstörungen helfen.

Schlaf- und Beruhigungsmittel können starke Nebenwirkungen haben – unter anderem Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Benommenheit, Muskelschwäche, Verhaltensauffälligkeiten und Schlafstörungen. Außerdem können sie die Fahrtüchtigkeit einschränken und besonders bei älteren und kranken Menschen die Sturzgefahr erhöhen.

Abhängigkeit von Schlafmitteln

Benzodiazepine und Z-Drugs können abhängig machen, wenn sie zu lange oder in zu hoher Dosis eingenommen werden. Daher ist es wichtig, diese Medikamente so kurz wie möglich und in möglichst niedriger Dosis einzunehmen. Eine Grenze, ab wann die Einnahme problematisch ist, lässt sich nicht eindeutig ziehen – das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Abhängigkeit kann aber schon nach wenigen Wochen eintreten. Viele Menschen nehmen die Mittel jedoch über mehrere Monate oder sogar dauerhaft ein.

Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sind in Deutschland bis zu 1,5 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinen. Frauen, vor allem ältere, scheinen besonders häufig zu diesen Medikamenten zu greifen.

Absetzen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln

Viele Menschen spüren während der Einnahme keine Symptome der Abhängigkeit. Daher ist es ein erster wichtiger Schritt, zu erkennen, dass man sich an die Medikamente gewöhnt hat oder vielleicht schon abhängig ist. Von einer Medikamentenabhängigkeit dann loszukommen, kann körperlich und psychisch sehr belastend sein. Es erfordert Geduld und Kraft, auch schwierige Phasen ohne Medikamente durchzustehen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Queensland und Bond in Australien haben untersucht, wie gut die verschiedenen Ansätze Menschen helfen, von Benzodiazepinen loszukommen. Sie werteten dazu 33 Studien mit über 16.000 Teilnehmenden aus, in denen der Nutzen folgender Maßnahmen geprüft wurde:

  • schrittweise Dosisverringerung („Ausschleichen“) – mit und ohne Ersatzmedikamente
  • kurze motivierende Kontakte der Ärztinnen und Ärzte – etwa ein Gespräch oder ein Brief
  • psychotherapeutische Unterstützung, zum Beispiel eine Verhaltenstherapie

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden ambulant betreut und hatten zu Beginn der Studien bereits länger als drei Monate regelmäßig Benzodiazepine eingenommen.

Ausschleichen vermeidet Entzugssymptome und Rückfälle

Werden Schlaf- und Beruhigungsmittel plötzlich abgesetzt, treten Entzugssymptome auf. Je nach Wirkstoff kann es bereits nach einigen Stunden zu Beschwerden kommen – sie können aber auch verzögert eintreten, manchmal noch Wochen nach dem Absetzen. Typische Entzugsbeschwerden sind Schlafstörungen, Unruhe, Angst, Zittern, Schwindel oder Kreislaufstörungen. Sie ähneln also den Beschwerden, die man mithilfe der Beruhigungsmittel ursprünglich loswerden wollte. Das kann einen „Teufelskreis“ in Gang setzen: Um sich wieder besser zu fühlen, greifen viele erneut zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Um solche Rückfälle zu vermeiden, ist es wichtig, dass beim Absetzen der Medikamente möglichst wenig Entzugssymptome auftreten. Es ist deshalb üblich, die Medikamenten-Dosis schrittweise zu verringern, bis das Mittel schließlich ganz abgesetzt werden kann. Zur optimalen Dauer eines ambulanten Entzugs gibt es keine aussagekräftigen Untersuchungen. Fachleute empfehlen einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten.

Es ließ sich bislang nicht zeigen, dass man leichter von Benzodiazepinen loskommt, wenn man während der Dosisreduzierung ein Ersatzmedikament einnimmt. Um beurteilen zu können, ob einzelne Präparate – zum Beispiel Antidepressiva oder Antiepileptika – für bestimmte Menschen vielleicht doch hilfreich sind, müssten sie als Ersatzmedikamente besser in Studien geprüft werden.

Ansätze, die den Verzicht auf Schlafmittel zusätzlich erleichtern könnten

Drei Studien zeigten, dass schon einfache Mittel etwas bewirken können: So hörten mehr Menschen auf, Benzodiazepine einzunehmen, wenn sie von ihren Ärztinnen oder Ärzten schriftlich dazu angehalten wurden. In einigen Studien wurden den Briefen auch Broschüren mit Informationen zu Selbsthilfestrategien beigelegt. Neuere Studien deuten außerdem darauf hin, dass die Briefe besonders hilfreich sind, wenn die Empfänger und Empfängerinnen darin persönlich angesprochen werden.

Die Studien sprechen außerdem dafür, dass mehr Menschen die Einnahme von Beruhigungsmitteln beenden, wenn sie psychologische Unterstützung bekommen. Am erfolgreichsten scheint dabei die kognitive Verhaltenstherapie.

Generell ist es sinnvoll, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen oder eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, wenn man das Gefühl hat, die Medikamenteneinnahme nicht mehr im Griff zu haben. Mit ärztlicher, psychologischer oder psychotherapeutischer Unterstützung lässt sich nach Wegen suchen, wie man am besten wieder von den Benzodiazepinen loskommt.

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