Wann wird eine Geburtseinleitung nötig?

Foto von Paar im Gespräch mit einer Ärztin (PantherMedia / Tyler Olson) Wenn der errechnete Geburtstermin ein paar Tage überschritten ist, sich aber sonst keine Probleme zeigen, besteht kaum Gefahr für das ungeborene Kind. Wird der Termin jedoch um mehr als eine Woche überschritten, senkt eine Geburtseinleitung das Risiko für Komplikationen.

Die meisten Babys werden um den errechneten Geburtstermin herum geboren, in der Regel innerhalb von zwei Wochen davor oder danach. Eine Schwangerschaft, die länger dauert als 40 Wochen (280 Tage), wird in Deutschland zunächst als Terminüberschreitung, ab Ende der 42. Woche als „übertragene“ Schwangerschaft bezeichnet. Geht es der Schwangeren und dem Ungeborenen gut, besteht für beide in der ersten Woche nach dem errechneten Geburtstermin kein besonderes Risiko.

Danach erhöht sich jedoch langsam die Wahrscheinlichkeit, dass bei der werdenden Mutter oder dem Kind gesundheitliche Probleme auftreten können. Dann kann die Geburt schnell eingeleitet oder das Baby per Kaiserschnitt entbunden werden. Normalerweise ist dies aber nicht nötig, da die Wehen auch nach dem errechneten Termin bei den meisten Frauen immer noch rechtzeitig von selbst einsetzen.

Vor- und Nachteile einer Geburtseinleitung

Eine Übertragung kann vor allem für das Kind Nachteile haben. Das Hauptrisiko ist, dass der Mutterkuchen (Plazenta) es nicht mehr richtig versorgen kann. Es kann zudem etwas häufiger zu einer Infektion in der Gebärmutter oder zu unerwarteten Komplikationen während der Geburt kommen. Für die Schwangere bestehen weniger Risiken. Wird das Kind zu groß, kann jedoch die Geburt erschwert sein.

Wenn die Wehen aber lange nach dem errechneten Termin nicht von selbst einsetzen oder eingeleitet werden, kann sich die Gesundheit des Ungeborenen oder der Schwangeren irgendwann so schnell verschlechtern, dass ein sofortiger Kaiserschnitt nötig wird.

Bei einer einzelnen Frau lässt sich nur sehr schwer sagen, ob ihre Schwangerschaft zu lange dauert. Bei den meisten Kindern sind auch einige Tage nach dem errechneten Geburtstermin bei den ärztlichen Untersuchungen keine Auffälligkeiten zu sehen. Um Komplikationen vorzubeugen, wird aber meist ein Zeitpunkt festgelegt, ab dem eine Geburtseinleitung grundsätzlich sinnvoll ist, auch wenn es der werdenden Mutter und dem Ungeborenen dann immer noch gut geht.

Eine Geburtseinleitung ist dann sinnvoll, wenn ihre Vorteile für Mutter und Kind größer sind als die Nachteile, die sie mit sich bringt.

Nach der 41. Woche überwiegen die Vorteile einer Geburtseinleitung

Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat untersucht, ab welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft eine Geburtseinleitung sinnvoll ist. Sie haben dazu nach Studien gesucht, in denen Schwangere eingewilligt hatten, dass die Geburt entweder zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet wird oder nur dann, wenn Probleme auftreten. Die Frauen wurden anschließend per Zufall einer der beiden Gruppen zugeteilt. An den Studien nahmen nur Frauen teil, die kein besonderes Risiko für Geburtskomplikationen hatten. Frauen mit bereits bekannten Gesundheitsproblemen durften nicht teilnehmen.

Die Frauen, bei denen die Geburt nicht eingeleitet wurde, wurden regelmäßig untersucht, meist zweimal pro Woche. So konnten die Ärztinnen und Ärzte feststellen, ob Probleme auftreten, die doch eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt nötig gemacht hätten. Bei den Untersuchungen wurde unter anderem das Herz des Ungeborenen elektronisch überwacht und die Fruchtwassermenge gemessen.

Insgesamt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 22 Studien mit etwa 9400 Teilnehmerinnen. Die Ergebnisse zeigten: Wenn der Geburtstermin um mehr als eine Woche überschritten ist, kann eine Einleitung das Risiko senken, dass ein Baby stirbt.

Die Studienergebnisse

Zehn Studien mit rund 6000 Frauen haben untersucht, ob eine Einleitung der Geburt eine Woche nach Termin das Risiko für den Tod eines Babys senken kann. Das wichtigste Ergebnis war:

  • Ohne Einleitung: Bei 1000 Geburten, die nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt eingeleitet wurden, starben etwa 3 Kinder.
  • Mit Einleitung: Bei 1000 Geburten, die nach Ende der 41. Woche eingeleitet wurden, starb weniger als 1 Kind.

In den Studien konnte die Geburtseinleitung nach der 41. Woche also schätzungsweise 2 von 1000 Babys davor bewahren, bei oder kurz nach der Geburt zu sterben.

Durch die Geburtseinleitung nach der 41. Woche kam es zudem seltener zu anderen Problemen, wie zum Beispiel dem Einatmen von Kindspech (Mekonium), der sogenannten Mekoniumaspiration. Kindspech ist die Bezeichnung für Darminhalt, den das Baby während der Geburt ins Fruchtwasser ausscheidet. Wenn das Kind während der Geburt sehr unter Stress ist, kann es sein, dass es Kindspech einatmet und dieser in die Lunge gelangt. Eine Mekoniumaspiration kann dann schwere Atemprobleme auslösen. Die Studien zeigten dazu folgende Ergebnisse:

  • Ohne Einleitung: Etwa 11 von 1000 Babys, deren Geburt nicht zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet worden war, hatten eine Mekoniumaspiration.
  • Mit Einleitung: Im Vergleich dazu hatten etwa 7 von 1000 der per Geburtseinleitung zur Welt gekommenen Babys eine Mekoniumaspiration.

Bei einer Übertragung wird häufig ein Kaiserschnitt erforderlich. Dieser Eingriff kann auch mit Risiken wie Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen verbunden sein. Die Studien zur Geburtseinleitung zeigen, dass das Risiko für einen Kaiserschnitt etwas sinkt, wenn die Geburt nach der 41. Woche eingeleitet wird:

  • Ohne Einleitung: Bei etwa 180 von 1000 Frauen wurde per Kaiserschnitt entbunden.
  • Mit Einleitung: Bei etwa 160 von 1000 Frauen wurde per Kaiserschnitt entbunden.

Ob und wenn ja, wann eine Geburt eingeleitet wird, ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Sie hängt vor allem davon ab, ob das Risiko für Komplikationen bei der Geburt erhöht ist. Das Risiko wird unter anderem davon beeinflusst, wie weit der Termin überschritten ist, wie alt eine Frau ist und wie groß das Kind ist.

 

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