Vorbeugung und Behandlung von Pilzinfektionen der Mundhöhle

Foto von Zahnärztin und Patient (AdamGregor / iStockphoto / Thinkstock) Für Menschen mit erhöhtem Risiko für eine orale Candidose ist eine gezielte Vorbeugung sinnvoll. Außer verschiedenen Formen der Mundhygiene besteht die Möglichkeit, mit Antipilzmitteln vorzubeugen. Diese Medikamente eignen sich auch zur Behandlung.

Eine orale Candidose, auch Mundsoor genannt, ist eine Pilzinfektion im Mund- und Rachenraum. Sie wird durch Hefepilze – die sogenannten Candida-Hefen – hervorgerufen, die auf den Schleimhäuten der Mundhöhle siedeln. Viele Menschen haben diesen Hefepilz in geringer Zahl auf den Schleimhäuten, ohne dass dies zu Problemen führt. Unter bestimmten Bedingungen können sich die Pilze allerdings stark vermehren. Die Infektion zeigt sich durch einen weißen Belag und rote entzündete Stellen im Mund- und Rachenraum. Sie kann manchmal schmerzhaft sein und den Geschmackssinn, das Sprechen und Essen beeinträchtigen.

Wenn das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel durch eine chronische Erkrankung oder belastende Behandlung wie eine Krebstherapie, ist das Risiko für eine orale Candidose erhöht. Auch Menschen mit HIV/AIDS bekommen häufig eine Pilzinfektion. Das ist für viele sehr belastend. Manche Betroffene essen wegen der Schmerzen im Mundbereich sehr wenig, was den Körper noch weiter schwächen kann.

Welche Möglichkeiten der Mundpflege gibt es?

Für Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine Pilzinfektion der Mundhöhle gibt es eine Reihe von Empfehlungen zur Vorbeugung. Allerdings sind sie bislang nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht. Deshalb ist es unklar, ob zum Beispiel eine besondere Form der Mundpflege einer Pilzinfektion vorbeugen kann. Allgemein ist es aber wichtig, die Zähne, das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut zu pflegen und vor Verletzungen zu schützen.

Eine Chemotherapie oder Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich kann die Mundschleimhaut schädigen und anfälliger machen. Zahnbeläge und Essensreste können dann Entzündungen und einen Pilzbefall begünstigen. All dies sind Gründe, während einer Tumorbehandlung bei der Mundpflege gründlich, aber auch besonders vorsichtig zu sein und zum Beispiel eine weiche Zahnbürste zu benutzen. Bei der Reinigung der Zahnzwischenräume, etwa mit Zahnseide, ist es wichtig, Verletzungen der Schleimhaut zu vermeiden. Viele Betroffene spülen den Mund während einer Chemo- oder Strahlentherapie auch mit antiseptischen Lösungen.

Vor einer Tumorbehandlung im Kopf-Hals-Bereich ist ein Zahnarztbesuch sinnvoll, damit gesundheitliche Probleme wie etwa Zahnfleischentzündungen erkannt und behandelt werden können. Auch während und nach einer Tumorbehandlung kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt helfen, die Mundgesundheit zu erhalten und Pilzinfektionen vorzubeugen.

Beim Tragen einer Zahnprothese können beispielsweise ein schlechter Sitz der Prothese, eine raue Oberfläche, Speisereste und vor allem Beläge das Entstehen von Pilzinfektionen begünstigen. Daher sollte die Prothese regelmäßig gereinigt werden, beispielsweise mit einer Zahnbürste und speziellen Reinigungslösung.

Bei pflegebedürftigen Menschen, die wenig essen oder trinken, ist es wichtig, die Mundschleimhaut feucht zu halten und regelmäßig Getränke anzubieten. Den Mund mehrmals täglich zu reinigen und Beläge zu entfernen, soll unter anderem verhindern, dass Entzündungen entstehen und Pilze sich vermehren.

Wie lässt sich einer Pilzinfektion bei Krebs vorbeugen?

Während einer Krebsbehandlung kann es helfen, vorbeugend sogenannte Antimykotika einzunehmen. Das sind Mittel zur Behandlung von Pilzinfektionen. Sie hemmen das Wachstum von Pilzen oder töten vorhandene Pilze ab. Dadurch sollen sie der Entstehung, aber auch einer Ausbreitung von Pilzinfektionen auf den gesamten Körper vorbeugen. Wie Antimykotika vom Körper aufgenommen werden, hängt von der Darreichungsform und ihrer Wirkungsweise ab. Man unterscheidet zwischen

  • Medikamenten mit örtlicher (lokaler) Wirkung,
  • Medikamenten, die im ganzen Körper (systemisch) wirken und
  • Mischformen.

Antimykotika sind in unterschiedlicher Form erhältlich: Beispielsweise als Mundspülungen, Salben, Lutschpastillen, Säfte, Tabletten oder Infusionen. Studien zeigen, dass bestimmte, im ganzen Körper wirkende Medikamente das Risiko für Pilzinfektionen verringern können. Solche Medikamente können beispielsweise als Kapseln eingenommen oder mit einer Infusion zugeführt werden. Medikamente, die sowohl systemisch als auch lokal wirken, werden zum Beispiel als Lutschtabletten angeboten. Für Antimykotika, die nur örtlich in der Mundhöhle wirken, ist kein Nutzen nachgewiesen. Sie werden beispielsweise als Salben und Mundspülungen angewendet.

Was Studien sagen

Wie lässt sich einer Pilzinfektion bei HIV/AIDS vorbeugen?

Für viele Menschen mit HIV/AIDS sind Candidosen ein wiederkehrendes Problem. Daher ist für sie die Frage nach der Vorbeugung besonders wichtig. Das Antimykotikum Fluconazol ist der einzige Wirkstoff, für den bei HIV/AIDS eine vorbeugende Wirkung nachgewiesen ist: Fluconazol-Tabletten können das Risiko verringern, dass eine Candidose auftritt. In älteren Studien kam es ohne Vorbeugung bei etwa der Hälfte der Personen mit HIV/AIDS zu einer Pilzinfektion. Die dauerhafte Einnahme von Fluconazol senkte die Rate auf etwa ein Drittel.

Allerdings hat die dauerhafte Vorbeugung auch Nachteile. Fluconazol kann beispielsweise Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Übelkeit verursachen. Eine monatelange Einnahme kann zudem dazu führen, dass die Krankheitserreger unempfindlich (resistent) gegen die Mittel werden. Dies kann dazu führen, dass sie nicht mehr so gut wirken, wenn eine Behandlung nötig ist. Daher wird die vorbeugende Einnahme von Fluconazol nur bei häufig wiederkehrenden Infektionen empfohlen.

Wie wird eine Candidose behandelt?

Wenn jemand während einer Krebstherapie eine Candidose bekommt, kann diese mit Antipilzmitteln behandelt werden. Dafür kommen sowohl lokal als auch systemisch wirksame Medikamente infrage. Medikamente, die geschluckt oder getrunken werden, sind wahrscheinlich wirksamer als Substanzen, die nur lokal aufgetragen werden. Ob bestimmte Wirkstoffe während einer Krebstherapie wirksamer sind als andere, ist bisher nicht ausreichend erforscht und lässt sich deshalb nicht beurteilen.

Auch Menschen mit HIV/AIDS können eine Pilzinfektion mit verschiedenen Antimykotika behandeln. Dazu zählen Fluconazol, Ketoconazol, Itraconazol und Clotrimazol. Die Präparate Fluconazol und Ketoconazol werden über den Verdauungstrakt aufgenommen und haben sich in Studien als effektiver erwiesen als Nystatin, das örtlich angewendet wird.

Die häufigsten Nebenwirkungen der systemischen Antimykotika sind vorübergehende Probleme wie Kopfschmerzen, Hautausschläge, Übelkeit, Blähungen und Durchfall. Welches Mittel geeignet ist, hängt vom allgemeinen Gesundheitszustand und der Stärke der Pilzinfektion ab. Die Medikamente werden in der Regel über etwa ein bis zwei Wochen angewendet.

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