Vor einer Frühgeburt: Was bewirkt Kortison?

Foto von Ärztin im Operationssaal (PantherMedia / Dmitry Kalinovsky) Wenn eine Frühgeburt bevorsteht, kann eine vorgeburtliche Behandlung der Mutter mit Kortison die Lungenreifung des ungeborenen Kindes beschleunigen. Dies verringert die Gefahr, dass schwerwiegende Komplikationen auftreten oder das Neugeborene stirbt.

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Bei sehr früh Geborenen können Atemprobleme auftreten, weil ihre Lungen noch nicht ausgereift sind. Deshalb ist vor der Geburt eine Behandlung mit Kortison wichtig: Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

Der Nutzen und die möglichen Nebenwirkungen der vorgeburtlichen Kortison-Behandlung wurden in vielen Studien untersucht. Schon ein einziger Behandlungstag kann für die Chancen des Kindes auf eine gesunde Entwicklung entscheidend sein.

Wie kann Kortison dem Baby helfen?

Kortison (Fachbegriff: Kortikosteroide) besteht aus künstlich hergestellten Abkömmlingen natürlicher menschlicher Hormone. Wenn einer Schwangeren diese Medikamente gespritzt werden, gelangen sie über das Blut der Mutter auch in den Körper und in die Lungen des ungeborenen Kindes. Ein „Zyklus“ dieser vorgeburtlichen (pränatalen) Steroid-Behandlung besteht normalerweise aus zwei Spritzen in einem Abstand von 24 Stunden.

Zwischen der 26. und 33. Schwangerschaftswoche kann Kortison eine sehr rasche Lungenreifung des Kindes bewirken. Dadurch haben viele Frühgeborene eine bessere Überlebenschance. 30 Studien mit insgesamt etwa 7800 Frauen haben den Nutzen dieser Behandlung untersucht. Zu den nachgewiesenen Vorteilen dieser Behandlung für das Kind gehören:

Eine verbesserte Überlebenschance: 

  • Ohne Kortison: Etwa 10 von 100 Frühgeborenen, die vor der Geburt nicht mit Kortison behandelt werden, sterben in den Wochen nach der Geburt.
  • Mit Kortison: Ungefähr 7 von 100 Frühgeborenen, die vor der Geburt mit Kortison behandelt werden, sterben in den Wochen nach der Geburt.

Das bedeutet, dass die Kortisonbehandlung etwa 3 von 100 Frühgeborenen vor einem Tod in den Wochen nach der Geburt bewahren kann.

Ein geringeres Risiko für schwerwiegende Atemfunktionsstörungen:

  • Ohne Kortison: Etwa 18 von 100 Frühgeborenen, die nicht behandelt werden, haben schwere Atemstörungen.
  • Mit Kortison: Ungefähr 12 von 100 Frühgeborenen, die vor der Geburt mit Kortison behandelt werden, haben schwere Atemstörungen.

Das bedeutet, dass die Behandlung zusätzlich etwa 6 von 100 Kindern ernsthafte Atemprobleme nach der Geburt ersparen kann.

Ein deutlich geringeres Risiko für Hirnblutungen:

  • Ohne Kortison kommt es dazu bei etwa 12 von 100 Kindern.
  • Mit Kortison sind es im Vergleich schätzungsweise 6 von 100 Frühgeborenen.

Die Behandlung bewahrt also ungefähr 6 von 100 Kindern vor einer Hirnblutung.

Es tritt seltener eine schwerwiegende Darmerkrankung auf, die sogenannte nekrotisierende Enterokolitis (NEC):

  • Ohne Kortison sind etwa 6 von 100 Kindern betroffen.
  • Mit Kortison haben etwa 3 von 100 Kindern diese Darmerkrankung.

Die Behandlung erspart es also ungefähr 3 von 100 Frühgeborenen, an einer NEC zu erkranken.

Bereits ein einziger Behandlungszyklus kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Lungen des Kindes nach der Geburt besser funktionieren.

Ein zweiter Zyklus kommt infrage, wenn sich die Geburt nach dem ersten Zyklus doch noch mehr als sieben Tage verzögern lässt. 10 Studien mit etwa 4700 Frauen haben den Nutzen einer erneuten Gabe untersucht. Diese Studien zeigen, dass auch ein zweiter Zyklus noch Vorteile haben kann: Dieser senkt das Risiko für Atemprobleme und andere schwerwiegende Folgen noch weiter.

Welche Nebenwirkungen hat die Kortison-Behandlung?

Bei der Gabe von nur einem Kortison-Zyklus wurden keine unerwünschten Wirkungen bei Neugeborenen beobachtet. Studien, in denen die vor der Geburt behandelten Säuglinge bis ins Kindes- oder Erwachsenenalter nachbeobachtet wurden, konnten im Wachstum oder in der Entwicklung dieser Kinder keine eindeutigen Unterschiede feststellen.

Bei mehr als einem Kortison-Zyklus kann es eher zu Nebenwirkungen kommen. Die so behandelten Kinder sind kurz nach der Geburt im Durchschnitt etwas kleiner als Kinder, die nur einen Zyklus bekommen haben. Nach einigen Monaten gleicht sich dieser Unterschied aber an. Hinweise auf langfristige negative Folgen geben die bisherigen Studien nicht.

Für Schwangere sind auch keine erheblichen Nebenwirkungen der Kortison-Behandlung nachgewiesen. Etwa eine von 100 Frauen hat als Folge einer zweiten Kortison-Behandlung vorübergehende Schlafstörungen kurz nach der Geburt. Schlafprobleme nach einer Schwangerschaft und zu frühen Geburt haben aber auch viele Frauen, die kein Kortison erhalten.