Untersuchungen bei metastasiertem Brustkrebs

Foto von Patientin bei der Mammografie (John Foxx / Stockbyte / Thinkstock) Es gibt verschiedene Untersuchungsverfahren, um einen Tumor in der Brust (Brustkrebs) und Metastasen anderswo im Körper zu erkennen. Diese werden für eine möglichst genaue Diagnose oft miteinander kombiniert. Anschließend kann über die Behandlung entschieden werden.

Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner beim Verdacht auf eine Brustkrebs-Erkrankung, ein Fortschreiten oder eine Rückkehr (Rezidiv) des Krebses. Das kann die Hausärztin, der Frauenarzt oder eine auf die ambulante Krebsbehandlung spezialisierte Fachärztin sein. Je nachdem, welche Beschwerden bestehen, können verschiedene Untersuchungen nötig sein. Die Ärztin oder der Arzt wird selbst untersuchen oder dafür eine Überweisung beispielsweise an ein Krankenhaus oder ein zertifiziertes Brustzentrum ausstellen.

Ein Brust- oder Tumorzentrum ist eine spezialisierte Klinikabteilung oder ein Verbund mehrerer Fachabteilungen. In zertifizierten Zentren werden an Krebs erkrankte Menschen nach festgelegten Qualitätskriterien untersucht, behandelt und versorgt. In einem Brustzentrum (Brustkrebszentrum) arbeiten in der Regel Fachkräfte aus Gynäkologie, Psychoonkologie, Pflege und weiteren medizinischen Bereichen zusammen.

Am Anfang der Untersuchung steht immer ein ausführliches Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden, dem Allgemeinbefinden und der Krankenvorgeschichte fragt.

Es ist wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt für jede Untersuchung in Ruhe erklärt,

  • weshalb sie notwendig ist,
  • wie sie abläuft und was man damit herausfinden kann,
  • ob sie Risiken und Nebenwirkungen hat (zum Beispiel eine Strahlenbelastung oder eine Wunde nach einem kleinen Eingriff),
  • welche anderen Untersuchungsmöglichkeiten es gibt,
  • was die Alternativen sind, wenn man auf die Untersuchungen verzichtet,
  • wann das Ergebnis vorliegt und miteinander besprochen wird.

Jede Patientin und jeder Patient hat immer das Recht, eine Untersuchung abzulehnen.

Die hier aufgelisteten Untersuchungen und Klassifizierungen werden von der aktuellen Brustkrebs-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aufgeführt. Leitlinien sind eine Entscheidungshilfe für Ärztinnen, Ärzte, Patientinnen und Patienten. Sie sollen helfen, eine möglichst gute und qualitätsgesicherte Behandlung zu gewährleisten. Eine evidenzbasierte Leitlinie stützt sich idealerweise auf die Ergebnisse hochwertiger, aussagekräftiger Studien.

Untersuchungen bei Verdacht auf Brustkrebs

Es gibt verschiedene Untersuchungsverfahren, um Brustkrebs oder einen wiedergekehrten Tumor in der Brust (Rezidiv) festzustellen. Diese werden für eine möglichst genaue Diagnose oft miteinander kombiniert. Am häufigsten kommen folgende Verfahren zum Einsatz:

  • Tastuntersuchung der Brust, der Operationsnarbe und der Achselhöhlen
  • Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie)

Bei all diesen Untersuchungen wird auch die zweite Brust mituntersucht. Bei einem verdächtigen Knoten wird in der Regel eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht (Biopsie), ob es sich um Krebs handelt. Wenn in der Gewebeprobe Krebszellen gefunden werden, spricht man auch von einem „positiven Befund“.

Untersuchungen bei Verdacht auf Metastasen

Wenn allgemeine Beschwerden auftreten oder wenn (erneut) Brustkrebs festgestellt wurde, prüft die Ärztin oder der Arzt, ob sich der Tumor auch anderswo im Körper ausgebreitet hat. Dies kann unter anderem mithilfe der folgenden bildgebenden Untersuchungsverfahren geschehen:

Zeigen sich bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, wird die jeweilige Körperregion genauer untersucht. Dazu können unter anderem weitere Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder in besonderen Situationen eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) eingesetzt werden. Es gibt auch Geräte, die die Positronen-Emissions-Tomografie mit einer Computertomografie kombinieren (PET-CT). Wenn möglich, wird eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie).

Nicht immer sind alle theoretisch möglichen Untersuchungen auch notwendig. Welche im persönlichen Fall sinnvoll und am besten geeignet sind, lässt sich im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt klären.

Klassifizierung des Tumors

Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, kann die Ärztin oder der Arzt einschätzen, wie weit der Krebs fortgeschritten ist.

Lage, Größe und Ausbreitung des Tumors

Zur Beschreibung des Tumors ist die sogenannte TNM-Klassifikation Standard:

Merkmal Abkürzung Bedeutung
Größe des Tumors (T = Tumor) T0 Es wurde kein Tumor entdeckt
  T1 Der Tumor ist maximal 2 cm groß
  T2 Der Tumor ist zwischen 2 und 5 cm groß
  T3 Der Tumor hat einen Durchmesser von mehr als 5 cm
  T4 Der Tumor ist – unabhängig von seiner Größe – auch in die tieferliegende Brustwand oder Haut eingewachsen
Lymphknoten (N von englisch „node“: Knoten) N0 Die Lymphknoten sind tumorfrei
  N1 bis N3 Die Zahlen 1 bis 3 bezeichnen Lage und Zahl der befallenen regionären Lymphknoten. Finden sich Absiedlungen in Lymphknoten, die nicht zum Abflussgebiet des betroffenen Organs gehören, gelten sie als Fernmetastasen
(Fern-) Metastasen (M = Metastasen) M0 Es wurden keine Absiedlungen entdeckt
  M1 Es sind (Fern-) Metastasen vorhanden
Beurteilbarkeit  X Ein bestimmtes Merkmal ist nicht beurteilbar. Dies kann daran liegen, dass es nicht untersucht wurde oder das Ergebnis nicht eindeutig ist (zum Beispiel: NX = Ausbreitung in die Lymphknoten kann nicht beurteilt werden)

 Ergänzend zur TNM-Klassifikation können folgende Angaben gemacht werden:

  • c (von englisch „clinical“: klinisch) zeigt an, dass die Diagnose auf eine körperliche Untersuchung oder Symptome zurückgeht.
  • p (von englisch „pathological“: pathologisch) bedeutet, dass Gewebe im Labor untersucht und die Diagnose aufgrund dieser Untersuchung gestellt wurde.
  • r (Rezidiv) steht dafür, dass ein Tumor erneut aufgetreten ist.
  • y zeigt an, dass der Tumor bereits medikamentös behandelt wurde.

Anhand dieser Angaben zur Lage, Größe und Ausdehnung sowie weiterer Untersuchungsergebnisse wird ermittelt, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Für diese Einteilung in Stadien wird oft der englische Begriff „staging“ verwendet. Tumore werden in die Stadien 0 bis IV eingeteilt: von 0 für Gewebeveränderungen, die als Krebsvorstufe gelten, bis IV für einen Tumor, der Metastasen gebildet hat.

Wachstum des Tumors

Beim sogenannten Grading werden die Tumorzellen im entnommenen Gewebe unter dem Mikroskop untersucht und es wird geprüft, wie sehr sie sich von gesunden Zellen unterscheiden. Oft gilt: Je stärker sie verändert sind, desto schneller wachsen sie und dringen in das umliegende Gewebe ein. Man unterscheidet die Grade G1 bis G3. Je höher der Grad, desto bösartiger ist der Tumor und desto schneller wächst er in der Regel.

Beeinflussung durch Hormone

Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen regen das Wachstum des gesunden Brustgewebes an. Sie können auch das Wachstum von Krebszellen fördern, die ja ursprünglich vom gesunden Gewebe abstammen. Damit die Hormone wirken können, benötigen die Krebszellen Andockstellen (Rezeptoren), die sich durch Laboruntersuchungen nachweisen lassen. Der Hormonrezeptor-Status gibt an, ob die Krebszellen solche Rezeptoren haben oder nicht. Sind Hormonrezeptoren in den Krebszellen enthalten, ist der Hormonrezeptor-Status „positiv“. Dann kann das Wachstum der Tumore in der Regel durch eine Hormonentzugs- oder Antihormontherapie gebremst werden.

Beeinflussung durch Wachstumsfaktoren

Humane epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptoren (HER) sind Eiweißbausteine außen auf einer Zelle. Sie leiten Wachstumssignale an das Zellinnere weiter. Wenn auf einer Zelle viele HER vorhanden sind, vermehrt sich die Zelle häufiger. Finden sich bei Brustkrebs viele HER vom Typ 2 (HER2-Rezeptoren), ist der HER2-Status (manchmal auch HER2/neu-Status genannt) „positiv“. Dann kann der Krebs mit Therapien behandelt werden, die auf eine Beeinflussung der Wachstumsfaktoren abzielen, um so das Wachstum der Krebszellen zu bremsen.

Weitere Einflussfaktoren

Für die Ärztin oder den Arzt sind außerdem folgende Informationen wichtig:

  • Bei einer früheren Brustkrebs-Erkrankung: Wie wurde der Tumor klassifiziert, wie wurde er behandelt? Welche Behandlung hat wie angeschlagen? Wie lange liegt die Ersterkrankung zurück?
  • Wie alt ist die Patientin, und hat sie die Wechseljahre schon hinter sich?
  • Wie ist ihr sonstiger Gesundheitszustand?
  • Liegen weitere Erkrankungen vor?
  • Nimmt sie regelmäßig Medikamente ein?

Die Diagnose besprechen – die Therapie planen

Es ist fast unmöglich, alle wichtigen Informationen zu verarbeiten, wenn die Nachricht einer so belastenden Diagnose noch ganz frisch ist. Wohl jeder Mensch ist in dieser Situation ängstlich, verwirrt und braucht erst einmal Zeit, um sich darüber klar zu werden, was die Diagnose konkret bedeutet. Dann kann es hilfreich sein, mit der Ärztin oder dem Arzt einen Termin auszumachen, um offene Fragen zu klären. Sich vor solchen Terminen Fragen aufzuschreiben, kann helfen, nichts Wichtiges zu vergessen. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich von Partner oder Partnerin, Freundin oder Angehörigen begleiten zu lassen. Unterstützen kann es auch, Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen, um sich mit anderen betroffenen Frauen auszutauschen.

Es ist jederzeit möglich, sich eine Zweitmeinung von einer anderen Ärztin oder einem anderen Arzt einzuholen. Dies ist ein ganz normaler Vorgang, den man mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen kann, aber nicht muss. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für das Einholen einer Zweitmeinung. Um sicher zu gehen, kann man sich jedoch vorher mit der Krankenkasse in Verbindung setzen.

Wenn die Diagnose feststeht, gibt es häufig verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Brustkrebs ist normalerweise kein Notfall – es gibt also Zeit, um abzuwägen. Bei metastasiertem Brustkrebs wird in der Regel von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten ein Behandlungsplan erstellt, beispielsweise an einem zertifizierten Brustzentrum. Es ist eine persönliche Entscheidung, ob man sich schließlich allein für eine Behandlung entscheidet, dies zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt tut oder das weitere Vorgehen der Ärztin oder dem Arzt überlässt. Auch der teilweise oder vollständige Verzicht auf eine Behandlung der Krebserkrankung kann eine Möglichkeit sein. Manchen Frauen ist der möglichst lange Erhalt einer guten Lebensqualität wichtiger als die gezielte Behandlung der Krebserkrankung. In jedem Fall sollte man sich nicht scheuen, bei Ärztinnen und Ärzten nachzufragen, wenn noch Informationen fehlen.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie können vielleicht folgende Fragen helfen:

  • Inwiefern kann die Behandlung den Gesundheitszustand verbessern?
  • Welche Nebenwirkungen kann die Behandlung haben?
  • Wie würde die Therapie die Lebensqualität beeinflussen? Wie würde sie sich auf das Alltags-, Berufs- und Familienleben auswirken?
  • Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Welche Vor- und Nachteile haben sie im Vergleich?
  • Welche Auswirkungen hätte es, zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Behandlung der Krebserkrankung zu verzichten? Wie wäre dann der vermutliche Krankheitsverlauf?
  • Gibt es Studien für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, in denen neue Medikamente geprüft werden, die  infrage kommen?

Vertrauen ist wichtig

Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten, mit der Familie, mit Freundinnen und Freunden können dabei helfen, solche Fragen zu klären. Darüber hinaus ist es möglich, sich psychoonkologisch oder psychologisch beraten zu lassen oder Frauen, die selbst in einer ähnlichen Situation waren, nach ihren Erfahrungen zu befragen, etwa in einer Selbsthilfegruppe.

Ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Ärztinnen und Ärzten ist eine wichtige Grundlage für die Behandlung. Viele Frauen möchten die weiteren Schritte mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, die oder der sie bisher schon begleitet hat. Manche haben aber auch das Gefühl, dass die Ärztin oder der Arzt sich zu wenig Zeit für ihre Fragen und Ängste nimmt – oder anders behandeln möchte, als das für sie zurzeit vorstellbar ist.

Auch wenn das merkwürdig klingen mag: Für manche Ärztinnen und Ärzte kann ein metastasierter Brustkrebs und das Wissen, ihre Patientin wahrscheinlich nicht mehr vollständig heilen zu können, nur sehr schwer auszuhalten sein, sodass sie zum Beispiel in Aktivismus (zu viele Behandlungen und Untersuchungen) flüchten oder ausführliche Gespräche vermeiden. Wer den Eindruck hat, dass dies der Fall ist und sich nicht gut betreut fühlt, kann das durchaus ansprechen oder den Arzt wechseln.