Typ-2-Diabetes: Hat die Zucker-Selbstmessung Vorteile für Menschen, die kein Insulin spritzen?

Foto von Mann beim Kochen (PantherMedia / Robert Kneschke) Manche Menschen mit Typ-2-Diabetes messen regelmäßig ihre Zuckerwerte, auch wenn sie kein Insulin anwenden. Ob die Selbstmessung ihnen tatsächlich helfen kann, diabetesbedingten Erkrankungen vorzubeugen, weiß man nicht.

Es gibt zwei bewährte Verfahren, mit denen man eigenständig seine Zuckerwerte bestimmen kann: die Messung des Blutzuckers und die des Urinzuckers. Beide Messverfahren zeigen an, wie hoch der Blutzucker zum Zeitpunkt der Messung ist. Der Zuckerspiegel kann jedoch im Tagesverlauf schwanken. Er hängt beispielsweise davon ab, was man isst, wie viel man sich bewegt und welche Medikamente man einnimmt.

Um zu prüfen, ob der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt zu hoch ist, wird der HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war. Der HbA1c-Wert wird in der Regel durch eine Ärztin oder einen Arzt festgestellt und nicht durch eine Selbstmessung. Die Bestimmung dieses Wertes ist auch für Menschen mit Diabetes sinnvoll, die kein Insulin spritzen.

Welchen Nutzen hat die Selbstmessung des Blutzuckers?

Für Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzen, ist die Selbstmessung des Blutzuckers ein wichtiger Teil der Behandlung: Anhand der Messwerte wird die Insulindosis angepasst. Ob die Selbstmessung allerdings auch Menschen mit Typ-2-Diabetes hilft, die kein Insulin anwenden, ist umstritten. Folgende Fragen stellen sich:

  • Lässt sich der Blutzuckerspiegel nach einer Selbstmessung unmittelbar beeinflussen, etwa durch Ernährung oder Tabletten? Wenn ja, in welchem Umfang?
  • Können durch eine Selbstmessung Behandlungsziele erreicht oder Folgeerkrankungen verhindert werden?
  • Kann die Selbstmessung helfen, Unterzuckerungen zu vermeiden?
  • Kann die Selbstmessung eine aktive Mitarbeit bei der Behandlung fördern und so zu ihrem Erfolg beitragen? Oder wird sie als belastend empfunden?

Diese Fragen wurden in mehreren Studien untersucht. In diesen wurden Menschen, die ihren Blutzucker mehrmals pro Woche selbst messen, mit solchen verglichen, die dies nicht tun.

In den verschiedenen Studien maßen sie unterschiedlich häufig ihren Blutzucker, meistens an einigen Tagen pro Woche zu den Mahlzeiten. In allen Studien wurde die Selbstmessung im Rahmen eines Schulungs- und Behandlungsprogramms untersucht. Die Behandlung bestand aus unterschiedlichen blutzuckersenkenden Tabletten und Diäten.

Die Studien liefen über sechs bis zwölf Monate. Dies ist jedoch zu kurz, um mögliche Diabetes-Langzeitfolgen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle untersuchen zu können.

Kein bedeutsamer Unterschied bei der Blutzucker-Einstellung

Alle Studien haben untersucht, wie sich die regelmäßige Blutzucker-Selbstmessung auf die Einstellung des Blutzuckers auswirkt. Dies wurde anhand des HbA1c-Werts geprüft. Die Auswertung zeigte, dass die Selbstmessung wenig bewirkte: Zwar waren die Werte in der Gruppe mit Selbstmessung durchschnittlich etwas niedriger als in der Gruppe ohne Selbstmessung. Der sehr geringe Unterschied ließ aber keine gesundheitlichen Vorteile erwarten.

Zudem reicht der HbA1c-Wert allein nicht aus, um den Nutzen der Selbstmessung zu bewerten. Denn je stärker der Blutzucker und damit der HbA1c-Wert gesenkt wird, desto eher kann es zu Unterzuckerungen kommen. Unterzuckerungen können unangenehm sein und im Einzelfall zu schweren Komplikationen führen. Deshalb sollten Veränderungen des HbA1c-Wertes immer im Zusammenhang mit möglichen Unterzuckerungen gesehen und bewertet werden. Die ausgewerteten Studien waren dafür jedoch ungeeignet. Sie ließen keine Aussage darüber zu, ob Unterzuckerungen bei einer regelmäßigen Selbstmessung seltener oder häufiger auftreten.

Auf das Körpergewicht hat die Zucker-Selbstmessung offenbar keinen Einfluss: Im Studienzeitraum verloren die Teilnehmenden beider Gruppen im Durchschnitt ähnlich viel Gewicht. Einige Studien erfassten zudem, wie zufrieden die Teilnehmenden mit ihrer Behandlung und ihrer Lebensqualität waren. Die Ergebnisse waren widersprüchlich und die Daten nicht sehr aussagekräftig. Von daher lässt sich nicht sagen, ob die Selbstmessung die Behandlungs-Zufriedenheit und die Lebensqualität beeinflusst.

Daten zu langfristigen Folgen der Zucker-Selbstmessung fehlen

Zur Frage, ob die Selbstmessung dabei helfen kann, Folgeerkrankungen zu vermeiden, fanden sich keine aussagekräftigen Studien. Daher bleibt offen, ob eine regelmäßige Selbstmessung zum Beispiel Herzinfarkten, Schlaganfällen, Sehverlusten oder Nierenerkrankungen vorbeugen kann. Es gibt auch kaum Daten zu möglichen Nebenwirkungen der Selbstmessung und zum langfristigen Einfluss auf die Lebensqualität.

Es sind mehr Studien nötig, um die offenen Fragen beantworten und den Einfluss auf Lebensqualität und Behandlungs-Zufriedenheit besser beurteilen zu können. Zur Urinzucker-Selbstmessung fehlen generell aussagekräftige Studien. Deshalb lässt sich nicht sagen, wie sinnvoll diese überhaupt ist – auch im Vergleich zur Blutzucker-Selbstmessung.

Schlagwörter: Diabetes Typ 2, Drüsen und Hormone, E11, E14, G62, G63, H54, N08, N28, R35, R73, Typ-2-Diabetes, Verdauung und Stoffwechsel