Tivozanib (Fotivda) bei fortgeschrittenem Nierenzellkrebs

Einleitung

Tivozanib (Handelsname Fotivda) ist seit August 2017 für Erwachsene mit fortgeschrittenem Nierenzellkrebs zugelassen.

Nierenzellkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Niere. Meist bleibt der Krebs lange unentdeckt, da Beschwerden erst bei fortgeschrittenen, größeren Tumoren auftreten. Symptome können bis in den Rücken ausstrahlende Schmerzen in der Nierengegend oder Blut im Urin sein. Ein Nierenzellkrebs kann in seinem Wachstum bereits so weit fortgeschritten sein oder in anderen Organen gebildet haben, dass er durch eine Operation nicht mehr geheilt werden kann.

Manche Menschen mit fortgeschrittenem Nierenzellkrebs haben ein verändertes Eiweiß (Protein) im Tumorgewebe, das vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor (englisch: Vascular Endothelial Growth Factor, VEGF) genannt wird. Dieses veränderte Protein kann zum unkontrollierten Wachstum des Tumors beitragen. Auch das Protein mTOR (englisch: mechanistic Target Of Rapamycin) kann das Tumorwachstum fördern.

Tivozanib wird bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkrebs eingesetzt, die vorher noch nicht behandelt wurden. Es kommt auch für Patientinnen und Patienten infrage, deren Erkrankung trotz Zytokintherapie fortschreitet und die noch nicht mit Arzneimitteln behandelt wurden, die sich gegen VEGF und mTOR richten.

Tivozanib soll VEGF im Tumorgewerbe blockieren und so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Tivozanib wird einmal täglich als Hartkapsel eingenommen. Eine Kapsel enthält 1,34 µg Tivozanib.

Tivozanib wird in Behandlungszyklen von jeweils vier Wochen eingesetzt: In den ersten 21 Tagen wird Tivozanib täglich eingenommen. Danach folgt ein behandlungsfreies Intervall von sieben Tagen. Nach insgesamt 28 Tagen kann ein neuer Behandlungszyklus beginnen.

Andere Behandlungen

Für die Erstbehandlung von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkrebs kommen zum Beispiel die Wirkstoffe Pazopanib oder Sunitinib infrage.

Für Patientinnen und Patienten, bei denen die Erkrankung trotz Zytokintherapie fortschreitet und die noch nicht mit Arzneimitteln behandelt wurden, die sich gegen VEGF und mTOR richten, kommen die Wirkstoffe Axitinib oder Sorafenib infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob Tivozanib für Personen mit fortgeschrittenem Nierenzellkrebs Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor: weder für Patientinnen und Patienten, die erstmals behandelt werden, noch für Patientinnen und Patienten, bei denen die Erkrankung trotz Zytokintherapie fortschreitet und die noch nicht mit Arzneimitteln gegen VEGF und mTOR behandelt wurden.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Tivozanib (Fotivda).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tivozanib (Nierenzellkarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A17-58. 29.01.2018. (IQWiG-Berichte; Band 591).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tivozanib (Nierenzellkarzinom)  – Addendum zum Auftrag A17-58; Auftrag A18-17. 22.03.2018. (IQWiG-Berichte; Band 608).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

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Aktualisiert am 19. April 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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