Therapien und mögliche Folgen

Foto von Frau (Cathy Yeulet / Hemera / Thinkstock) Nach einer Brustkrebs-Diagnose wird in der Regel zunächst versucht, den Krebs vollständig zu entfernen. Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist dies aber nicht mehr möglich. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

Die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat das Ziel, das Tumorwachstum möglichst zum Stillstand zu bringen oder zu verlangsamen. Außerdem ist es möglich, die Symptome zu lindern, mögliche Nebenwirkungen der Therapie abzuschwächen und Begleiterkrankungen zu behandeln. Auftretende Schmerzen lassen sich durch eine gut abgestimmte Schmerztherapie behandeln. Mit einer sorgfältig geplanten und angepassten Therapie und bei einem guten Allgemeinzustand ist es oft auch mit Metastasen möglich, die Erkrankung über Jahre in Schach zu halten und trotz Beschwerden eine gute Lebensqualität zu erreichen.

Nebenwirkungen und psychische Folgen

Die Behandlung einer Krebserkrankung kann belastend sein. Verfahren zur Therapie eines Tumors haben oft schwere Nebenwirkungen, manchmal führen sie auch zu Folgeerkrankungen. Die unerwünschten Wirkungen unterscheiden sich je nach Art der Therapie, können jedoch ihrerseits in der Regel gut behandelt werden. Die Behandlung der Nebenwirkungen gehört zur unterstützenden Therapie (Supportivtherapie). Werden die Belastungen durch die Behandlung dennoch zu stark, kann es gute Gründe geben, sich gegen eine (erneute) Therapie zu entscheiden.

Eine häufige Nebenwirkung ist die sogenannte Fatigue (französisch für „Müdigkeit“). Der Begriff steht für eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung und Müdigkeit, die mit einer hohen Empfindlichkeit einhergehen kann. Fatigue kann während der Therapie und manchmal auch darüber hinaus andauern. Sie entsteht wahrscheinlich infolge der körperlichen und seelischen Reaktionen auf die Erkrankung sowie auf die Behandlung. Fatigue kann psychisch sehr belastend sein und depressive Verstimmungen auslösen oder verstärken. Sie kann dazu führen, dass schon Kleinigkeiten nicht mehr oder nur unter großer Anstrengung bewältigt werden können. Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen und einen persönlichen Weg zu finden, mit Fatigue umzugehen.

Eine lebensbedrohende Erkrankung, deren Therapie immer wieder körperliche Belastungen mit sich bringt, zieht unweigerlich auch die Psyche in Mitleidenschaft. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit. Halten sie über längere Zeit an, kann sich eine Depression entwickeln. Dann ist es wichtig, diese behandeln zu lassen, denn eine Depression ist selbst eine ernste Erkrankung.

Normal sind neben Trauer und Niedergeschlagenheit auch Gefühle wie Angst, Wut und Aggression. Mit ihnen umzugehen, kann eine große Herausforderung sein. Hinzu kommen Veränderungen im Alltag und im sozialen Umfeld: Vielleicht ist es nicht mehr möglich, berufstätig zu sein und soziale Aktivitäten im gewohnten Maß auszuüben. Freundschaften und Beziehungen können sich verändern.

Behandlungsmöglichkeiten

Für die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs kommen zertifizierte Brustzentren (Brustkrebszentren) oder Tumorzentren sowie onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen, die sich mit den Auswirkungen der Erkrankung und der Behandlung auf Körper und Psyche auskennen. Metastasierter Brustkrebs kann auch in Krankenhäusern oder Praxen ohne Zertifizierung behandelt werden.

Bei einem Brustkrebs mit Metastasen in anderen Körperregionen wird in der Regel der ganze Körper medikamentös behandelt (systemische Therapie), um das Tumorwachstum einzudämmen. Diese Behandlung kann eine Antihormonbehandlung oder eine Chemotherapie sein. Bestimmte Brustkrebsarten lassen sich auch mit sogenannten zielgerichteten Therapien behandeln, zum Beispiel mit einer Antikörpertherapie.

Meist werden verschiedene Behandlungen nacheinander eingesetzt. Bestimmte Behandlungen können auch miteinander kombiniert werden. Wenn Tumorzellen nach einer Weile gegen einen bestimmten Wirkstoff unempfindlich werden, kann ein anderes Medikament oder Therapieverfahren angewandt werden, um das Wachstum einzudämmen. Dieses schrittweise Vorgehen wird als Stufentherapie bezeichnet. Bestimmte Metastasen können auch bestrahlt, einzelne Absiedlungen vielleicht operiert werden.

Da Art und Verlauf einer Brustkrebserkrankung von Frau zu Frau anders sind, gibt es nicht „die“ beste Behandlung. Es kommt darauf an, eine angemessene, persönlich passende Therapie für jede Phase der Erkrankung zu finden und verschiedene Verfahren möglichst gut aufeinander abzustimmen. Dies ist nicht immer einfach und erfordert eine gute Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten sowie innerhalb des Behandlungsteams.

Oft entstehen viele Fragen – ob zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, zu den zu erwartenden Beschwerden oder auch zur Teilnahme an klinischen Studien. Bei einem Arzttermin in der Aufregung wichtige Fragen zu vergessen, passiert leicht. Es kann helfen, sich die Fragen vorher aufzuschreiben und mitzunehmen oder sich vom Partner, von Angehörigen oder Freunden begleiten und im Arztgespräch unterstützen zu lassen.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine (Folge-)Behandlung besteht in der Regel kein unmittelbarer Zeitdruck, da ein etwas verzögerter Therapiebeginn den Behandlungserfolg kaum beeinflusst. Es ist also möglich, die Vor- und Nachteile der vorgeschlagenen Möglichkeiten in Ruhe ein paar Tage oder Wochen zu überdenken und sich bei Bedarf zusätzliche Informationen oder Zweitmeinungen einzuholen. Jede Patientin und jeder Patient hat außerdem immer das Recht, eine Behandlung abzulehnen oder abzubrechen – egal, ob sie in der Arztpraxis, in der Klinik oder im Rahmen einer Studie angeboten oder begonnen wurde.

Hormontherapie / Antihormontherapie

Bei Frauen mit einem „positiven Hormonrezeptor-Status“ wird das Tumorwachstum in der Regel durch die Hormone Östrogen und Gestagen angeregt. Um das Wachstum hormonempfindlicher Tumore zu bremsen, kann die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken eingedämmt oder die Wirkung der Hormone gestört werden (Antihormontherapie). Dazu nehmen Frauen sogenannte Antiöstrogene wie Tamoxifen oder Fulvestrant, oder nach den Wechseljahren sogenannte Aromatasehemmer. Vor allem jüngere Frauen erhalten manchmal zusätzlich sogenannte GnRH-Analoga. Diese Medikamente verhindern bei regelmäßiger Einnahme, dass die Eierstöcke Geschlechtshormone bilden.

Nebenwirkungen und Folgen

Antiöstrogene können das Thromboserisiko erhöhen und Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut bewirken. Aromatasehemmer können unter anderem Muskel- und Gelenkbeschwerden verursachen sowie die Knochendichte verringern und somit das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.

Eine antihormonelle Behandlung führt bei jüngeren Frauen zum Ausbleiben der Regelblutung. Während der Therapie ist keine Schwangerschaft möglich. Eine häufige Folge der Behandlung sind Beschwerden, wie sie auch in den Wechseljahren auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Haut und Schleimhäute.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung mit Wirkstoffen, die die Zellteilung hemmen. Diese sogenannten Zytostatika gibt es in der Regel als Infusion, manchmal aber auch als Tabletten. Es stehen viele verschiedene Zytostatika zur Verfügung, die kombiniert oder als Einzelwirkstoff (Monotherapie) eingesetzt werden können. Dadurch, dass sie über den Blutkreislauf transportiert werden, wirken Zytostatika im gesamten Körper und können auch Metastasen erreichen, die vielleicht noch nicht entdeckt wurden.

Diese Behandlung soll das Tumorwachstum verlangsamen, stoppen oder dazu führen, dass sich Tumore soweit wie möglich zurückbilden. Bei metastasiertem Brustkrebs gibt es verschiedene Chemotherapien, die in der Regel nacheinander gegeben werden. Die Auswahl der Medikamente richtet sich auch danach, welche Nebenwirkungen damit verbunden sind und welche als besonders belastend empfunden werden. Andere Erkrankungen können bei der Wahl der Behandlung ebenfalls eine Rolle spielen.

Eine Chemotherapie besteht meist aus sogenannten Zyklen oder Kursen. Dies bedeutet, man nimmt die Medikamente über einige Tage und pausiert vor der nächsten Anwendung, damit sich der Körper erholen kann. Heutzutage finden die meisten Chemotherapien ambulant statt. Dennoch ist manchmal ein Krankenhausaufenthalt notwendig, etwa wenn bestimmte Körperfunktionen aufgrund der intensiven Therapie besonders überwacht werden müssen.

Nebenwirkungen und Folgen

Chemotherapien schädigen auch gesunde Körperzellen, vor allem Zellen, die sich häufig teilen. Dies sind zum Beispiel Haar- und Schleimhautzellen, aber auch Blutzellen. Dadurch kann es zu Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhaut, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden kommen. Die Schädigung der Blutzellen kann sich durch Blässe durch Blutarmut (Anämie), Infektionsanfälligkeit, Kurzatmigkeit und Erschöpfung (Fatigue) sowie erhöhte Blutungsneigung bemerkbar machen.

Das Ausmaß der Nebenwirkungen ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt auch vom Wirkstoff, von der Dosis und der Art der Anwendung ab. Da sich gesunde Zellen erneuern können, sind die meisten Nebenwirkungen einer Chemotherapie vorübergehend. Das heißt, sie treten nur während der Therapie auf oder solange ihre Wirkung anhält. Einige dieser Begleiterscheinungen lassen sich gut behandeln: So können vorbeugend (prophylaktisch) vor und während der Chemotherapie Medikamente gegen Übelkeit genommen werden. Kommt es während einer Chemotherapie zu einer Infektion, kann diese mit Antibiotika behandelt werden.

Viele Zytostatika stören die Funktion der Eierstöcke. Dann bleibt bei Frauen vor den Wechseljahren die Regelblutung aus. Der plötzliche Hormonmangel kann zu Hitzewallungen, Schlafstörungen und Hauttrockenheit führen. Ob sich der Zyklus nach einer abgeschlossenen Chemotherapie wieder normalisiert, hängt unter anderem vom Alter ab.

Sogenannte zielgerichtete Therapien

In den letzten Jahren wurden einige Wirkstoffe neu zugelassen, die gezielt gegen Krebszellen mit bestimmten Eigenschaften gerichtet sind. Wenn sich auf Krebszellen der Wachstumsrezeptor HER2 findet, können Antikörper wie Pertuzumab und Trastuzumab eingesetzt werden. Außerdem kommt der Wirkstoff Lapatinib infrage.

Diese Medikamente sollen wachstumsfördernde Signale in den Krebszellen blockieren und so das Wachstum hemmen und die Metastasen verkleinern. Die Wirkstoffe werden in der Regel mit einer Chemotherapie kombiniert. Trastuzumab kann auch in Verbindung mit dem Wirkstoff Emtansin verabreicht werden. Emtansin soll Krebszellen gezielt abtöten.

Ein weiterer Antikörper ist Bevacizumab. Er wird bei HER2-negativen Tumoren eingesetzt und soll die Versorgung der Krebszellen behindern. Auch Bevacizumab wird als Infusion und in Kombination mit einem Chemotherapeutikum angewendet. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat im November 2011 für Bevacizumab die Zulassung für das Anwendungsgebiet metastasierter Brustkrebs in den USA zurückgezogen. Der Grund: Die FDA geht davon aus, dass eine Bevacizumab-Therapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs mehr schadet als nutzt.

Nebenwirkungen und Folgen

Bei einer Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab kann unter anderem das Herz geschädigt werden. In Kombination mit Emtansin kann es unter anderem zu Störungen der Blutgerinnung, Erschöpfung (Fatigue) und Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Zu den Nebenwirkungen von Pertuzumab gehören Blutarmut, eine Verminderung der weißen Blutkörperchen, Erschöpfung und Durchfall. Bevacizumab kann Bluthochdruck und Blutungen im Magen-Darm-Trakt verursachen und dazu führen, dass über den Urin vermehrt Eiweiß ausgeschieden wird. Im Mai 2013 wies der Hersteller von Bevacizumab auf weitere mögliche Risiken hin. Demnach war es bei verschiedenen Patientinnen und Patienten zu einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Hautentzündung gekommen, nekrotisierende Fasziitis genannt.

Bei der Therapie mit Lapatinib können Durchfall, Hautausschlag und Leberschäden auftreten.

Operative Therapie

Tumore in der Brust werden möglichst operativ entfernt mit dem Ziel, ihr Wachstum und die weitere Verbreitung von Krebszellen im Körper zu verhindern. Dabei kann mitunter brusterhaltend operiert werden. Wenn die Brust entfernt wird, besteht in vielen Fällen die Möglichkeit, sie wieder aufzubauen.

Bei einem metastasierten Brustkrebs hat der Tumor bereits Absiedlungen im Körper gebildet. Um das Tumorwachstum im Körper zu kontrollieren, kommen dann vor allem nicht-operative Therapien infrage.

Nebenwirkungen und Folgen

Werden Lymphknoten im Bereich der betroffenen Brust und der Achsel entfernt, kann sich ein Lymphödem bilden. Dabei schwillt der Arm der betroffenen Seite an, weil sich Lymphflüssigkeit (Lymphe) darin staut.

Wie nach jeder Operation kann es zu Schmerzen kommen. Meist bleibt eine sichtbare Operationsnarbe zurück. Die begleitende Therapie kann die Wundheilung verzögern. Wundheilungsstörungen sind allerdings selten. Es ist möglich, dass die Empfindsamkeit der Haut und die Beweglichkeit der Schulter nach der Operation eingeschränkt sind.

Der Verlust einer oder beider Brüste ist für viele Frauen ein schwerwiegendes Ereignis. Die Brust ist ein Symbol für Weiblichkeit, sexuelle Attraktivität und Mütterlichkeit. Ihr Verlust kann Ängste hervorrufen, nicht mehr attraktiv zu sein, Sexualität nicht mehr genießen zu können oder gar den Partner zu verlieren. Weil eine Brustentfernung mit solchen Ängsten verbunden ist und vielleicht Nebenwirkungen mit sich bringt, kann es vor der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff sinnvoll sein, sich eine Zweitmeinung und weiterführende Informationen einzuholen. In der Regel ist dafür genug Zeit. Vielleicht kommt auch ein Wiederaufbau der Brust infrage. In einer solchen Situation kann es hilfreich sein, sich professionelle Unterstützung zu holen und sich zum Beispiel psychoonkologisch beraten zu lassen.

Strahlentherapie

Bei einer Strahlentherapie – auch Bestrahlung oder Radiotherapie genannt – werden energiereiche Strahlen auf das Tumorgewebe gerichtet. Ziel ist, die Krebszellen so zu schädigen, dass sie absterben. Bei einer externen Strahlentherapie wird das Gewebe von außen durch die Haut (perkutan) bestrahlt. Bei der internen Strahlentherapie werden radioaktive Strahler direkt in den Tumor oder seine unmittelbare Umgebung eingebracht.

Als Erstbehandlung wird eine Strahlentherapie in der Regel empfohlen, wenn der Tumor nicht mehr operativ entfernt oder verkleinert werden kann. Eine Strahlentherapie kann auch eingesetzt werden, um Metastasen zu behandeln.

Nach einer Operation soll die Bestrahlung möglicherweise noch vorhandene Krebszellen beseitigen und so das Risiko für eine Tumor-Neubildung verringern.

Nebenwirkungen und Folgen

Müdigkeit ist eine der häufigsten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie. Die Bestrahlung kann auch gesundes Gewebe schädigen, vor allem die Haut im bestrahlten Bereich. Beispielsweise kann die Haut empfindlich und gerötet sein. Im Gegensatz zu Tumorzellen können sich gesunde Zellen jedoch besser erholen, deshalb treten die Schäden in der Regel nur während und einige Zeit nach der Therapie auf. Werden Lymphknoten bestrahlt, erhöht sich das Risiko für ein Lymphödem.

Behandlung einzelner Metastasen

Bei metastasiertem Brustkrebs hat der Tumor Absiedlungen in anderen Körperbereichen oder Organen gebildet, etwa in den Knochen, der Haut, der Lunge, der Leber und dem Gehirn. Wie die Metastasen behandelt werden, hängt davon ab, wo sie sich bilden.

Metastasen in den Knochen

Wenn Metastasen im Skelett auftreten, stören die Krebszellen den Auf- und Abbau von Knochen. Dadurch wird die Stabilität der Knochen beeinträchtigt, so dass sie schneller brechen können.

Knochenmetastasen können mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Die Bestrahlung von Knochenmetastasen soll die Schmerzen lindern und die Stabilität der Knochen stärken, um Knochenbrüchen vorzubeugen. Zudem können Knochenmetastasen operiert werden, um Schmerzen zu lindern und die Knochen zu stabilisieren.

Außerdem können Medikamente den Knochenabbau hemmen. Sogenannte Bisphosphonate können zwar nicht ganz verhindern, dass Knochen durch Metastasen geschädigt werden. Sie bremsen den Abbau aber zumindest so weit ab, dass Brüche seltener vorkommen. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie das Absterben von Gewebe im Kieferknochen (Kiefernekrose) sind selten.

Ein weiteres Medikament, das den Knochenabbau hemmt, ist Denosumab. Denosumab kann jedoch das Risiko für die Entstehung eines anderen bösartigen Tumors erhöhen. Zudem steigert die Einnahme das Risiko für Nekrosen des Kieferknochens und Störungen des Kalziumstoffwechsels. Denosumab kann außerdem zu Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen und einem Grauen Star führen.

Metastasen in inneren Organen und der Haut

Wenn Metastasen in inneren Organen – etwa in der Lunge oder Leber – oder in der Haut auftreten, ist eine gezielte Behandlung dieser Metastasen möglich, wenn

  • der Tumor keine anderen Absiedlungen gebildet hat,
  • Metastasen nur in einem Lungenflügel oder Leberlappen auftreten (nicht in beiden),
  • der Tumor nicht wieder am selben Ort aufgetreten ist (Rezidiv),
  • sich kein zweiter Tumor entwickelt hat und
  • die erste Behandlung bei Auftreten der Metastasen mindestens ein Jahr zurückliegt.

Wenn der Tumor Absiedlungen in der Lunge gebildet hat, kommt eine Operation infrage, wenn es nur eine einzelne Metastase gibt oder die Metastasen sich nur in einem Lungenflügel finden. An eine solche Operation schließt sich in der Regel eine Behandlung mit Medikamenten an.

Auch wenn Metastasen in nur einem Leberlappen auftreten, können sie operativ entfernt werden. Eine Alternative zu einer Operation kann auch eine Radiofrequenzablation (RFA) sein. Das ist ein Verfahren, bei dem das Metastasengewebe mit einer Sonde stark erhitzt und dadurch so stark geschädigt wird, dass es nicht mehr wachsen kann. An beide Therapien schließt sich in der Regel eine medikamentöse Behandlung an.

Der Tumor kann auch Absiedlungen im Lungenfell bilden. Dadurch kann sich vermehrt Flüssigkeit in der sogenannten Pleurahöhle, dem schmalen Spalt zwischen Lunge und Rippen, ansammeln. Fachleute sprechen dann von einem Pleuraerguss. Die Flüssigkeitsansammlung kann zu Atembeschwerden und Schmerzen führen. Mithilfe einer Operation oder mit Medikamenten kann dieser Spalt geschlossen werden, so dass sich dort keine Flüssigkeit mehr ansammeln kann.

Begrenzte Hautmetastasen oder Metastasen in den Muskeln können operativ entfernt oder bestrahlt werden. Wenn die Metastasen noch relativ klein sind und an der Hautoberfläche liegen, könnte auch eine Salbe mit einem chemotherapeutischen Wirkstoff helfen.

Metastasen im Gehirn können mit starken Schmerzen einhergehen. Diese können unter anderem durch eine Schwellung verursacht werden oder dadurch, dass sich Flüssigkeit im Gehirn ansammelt. Je nachdem wo sich die Metastasen befinden, kann es auch zu Folgeerscheinungen wie Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen kommen. Einzelne Hirnmetastasen können operiert oder bestrahlt werden. Wenn sich mehrere Metastasen im Gehirn entwickelt haben, wird das ganze Gehirn bestrahlt. Gleichzeitig kann eine medikamentöse Therapie eine Möglichkeit sein, unter anderem um Schmerzen und weitere Folgen der Schwellung des Gehirns zu lindern.

Auch in anderen Körperbereichen wie der Lunge und Leber kann die Strahlentherapie eine Möglichkeit sein, Beschwerden zu lindern und das Tumorwachstum vorübergehend zu stoppen oder zu verlangsamen.

Komplementäre Therapien

Viele Menschen sehen ergänzende (komplementäre) oder „alternative“ Behandlungsverfahren wie pflanzliche Mittel, Homöopathie oder Akupunktur als Möglichkeit, ihre Selbstheilungskräfte zu stärken und ihr Wohlbefinden zu verbessern.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die meisten komplementären Verfahren nicht, da ihr Nutzen nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Wer eine komplementäre Behandlung in Erwägung zieht, erkundigt sich vorher am besten bei der Krankenkasse, ob sie die Kosten übernimmt.

Manche Menschen setzen ihre Hoffnung in alternative Verfahren, wenn die „Schulmedizin“ keine Heilung oder deutliche Verbesserung (mehr) versprechen kann. Immer neue Therapien auszuprobieren, kann jedoch zu immer neuen Enttäuschungen führen. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn ein Mittel oder eine Methode nicht als Ergänzung, sondern als Alternative zur ärztlichen Behandlung angepriesen wird, Heilung verspricht und / oder sehr teuer ist und selbst bezahlt werden müsste.

Auch komplementäre Therapien können Nebenwirkungen haben. Die Annahme „pflanzlich gleich unschädlich“ ist falsch. Zum Beispiel ist die bei Krebserkrankungen häufiger eingesetzte, jedoch umstrittene Misteltherapie nicht frei von Nebenwirkungen.

Einige komplementäre Mittel können die Wirksamkeit anderer Medikamente – zum Beispiel von Betäubungs- oder Schmerzmitteln – beeinflussen oder das Risiko von Blutungen erhöhen. Auch die Wirkung der Brustkrebstherapie kann durch komplementäre Mittel verändert werden: Sie können ihre Wirksamkeit verringern oder ihre Nebenwirkungen verstärken. Deshalb ist es wichtig, den Ärztinnen und Ärzten mitzuteilen, wenn solche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden.

Palliativmedizin: Mit der Erkrankung leben

Eine Behandlung, deren Ziel nicht die Heilung, sondern die Unterstützung im Leben mit der Erkrankung und die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen ist, wird auch „palliativ“ (vom lateinischen „pallium“, Mantel) genannt. Häufig wird eine palliative Behandlung als Betreuung und Begleitung während der letzten Wochen des Lebens verstanden. Eine palliative Behandlung kann sich jedoch über viele Monate und Jahre erstrecken. Abhängig von den Beschwerden und Wünschen der Patientinnen und Patienten kann diese bereits kurz nach der Diagnose einer metastasierten Erkrankung beginnen.

Eine palliative Behandlung, Betreuung und Begleitung kann ambulant zu Hause oder stationär in einer Einrichtung erfolgen. Die Begleitung übernimmt ein speziell ausgebildetes Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Sozialarbeiterinnen, Seelsorgern sowie ehrenamtlich tätigen Menschen. Je nach körperlichem und psychischem Zustand kann dabei die Bewältigung des Alltags oder die Begleitung am Lebensende im Mittelpunkt stehen.

Psychoonkologische Begleitung

Mit den körperlichen wie psychischen Belastungen durch die Erkrankung und ihre Behandlung umzugehen, ist eine Herausforderung, der sich niemand allein stellen muss. Den Schock der Diagnose zu verarbeiten, sich mit Zukunftsängsten und existenziellen Fragen des Lebens und Sterbens auseinanderzusetzen, ist alles andere als einfach. Hilfe anzunehmen, kann die eigenen Kräfte schonen und es erleichtern, Wege zu finden, um mit der Krankheit so gut wie möglich leben zu können.

Im Rahmen einer guten onkologischen Therapie wird heute auch eine psychoonkologische Behandlung angeboten. Psychoonkologinnen oder -onkologen sind speziell ausgebildete psychologische, medizinische und / oder sozialpädagogische Fachkräfte, die die Patientin und ihre Angehörigen bei der seelischen und sozialen Bewältigung der Erkrankung unterstützen, wenn sie dies wünschen.

Im Krankenhaus übernehmen vor allem Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte die psychoonkologische Begleitung. Dies kann in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Diensten geschehen. Psychoonkologische Angebote gibt es auch im Rahmen der Rehabilitation. Wer (wieder) zu Hause ist, kann ambulante psychoonkologische Angebote in Anspruch nehmen. Hierfür kommen folgende Fachleute und Einrichtungen infrage:

  • psychoonkologische Ambulanzen der Krankenhäuser und zertifizierten Zentren
  • onkologische Schwerpunktpraxen
  • psychosoziale Krebsberatungsstellen
  • niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

Verzicht auf eine Behandlung der Krebserkrankung

Krebstherapien, die darauf zielen, das Wachstum der Krebszellen zu hemmen oder zu stoppen, können starke unerwünschte Wirkungen haben. Manche Frauen entscheiden sich gegen eine weitere Behandlung, wenn eine Therapie bei ihnen nur wenig anschlägt, aber viele belastende Nebenwirkungen hat.

Auch wenn Frauen sich gegen eine Behandlung entscheiden, die direkt auf den Krebs zielt, können die mit der Erkrankung einhergehenden Schmerzen und Beschwerden im Rahmen einer palliativen Therapie behandelt werden. Das bedeutet: Wer sich gegen einen (erneuten) Behandlungszyklus entscheidet, wird trotzdem weiter ärztlich betreut. Es ist auch jederzeit möglich, sich nach einer Phase ohne Krebstherapie zu entscheiden, doch wieder eine Behandlung zu versuchen.

Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie

In klinischen Studien werden Arzneimittel oder nichtmedikamentöse Behandlungen geprüft und mit anderen Therapien verglichen. Teilnehmende erhalten zum Beispiel neue Medikamente, deren Wirkungen noch nicht vollständig bekannt sind oder für deren Zulassung noch Erfahrungen mit größeren Patientengruppen fehlen. Das bedeutet aber nicht, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unabsehbaren Risiken ausgesetzt würden. Klinische Studien werden sorgfältig nach strengen Qualitätsstandards geplant, von Fachgremien geprüft und von Spezialistinnen und Spezialisten durchgeführt. Die Wirkungen und Nebenwirkungen der eingesetzten Mittel werden genau beobachtet, die Teilnahme kann jederzeit beendet werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie infrage kommen. Während einer solchen Studien-Teilnahme werden die Patientinnen und Patienten besonders intensiv betreut. Die Teilnahme erfordert aber die Bereitschaft, sich stärker mit der Behandlung auseinanderzusetzen und oft mehr Untersuchungstermine wahrzunehmen als üblicherweise. Um die Vor- und Nachteile einer Teilnahme für sich abwägen zu können, ist eine gründliche Aufklärung und Beratung sowie gute Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzten notwendig.

Weitere Informationen sowie eine Suche nach klinischen Studien für Brustkrebspatientinnen bieten die Deutsche Gesellschaft für Senologie und das Deutsche Register Klinischer Studien.

Disease-Management-Programme

Disease-Management-Programme (DMP von englisch „disease“: Krankheit) sind strukturierte Behandlungsangebote für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Ziel der Programme ist, dafür zu sorgen, dass Patientinnen und Patienten eine Behandlung erhalten, die gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und auf ihre individuelle Situation abgestimmt ist. Wer chronisch krank ist, soll umfassend betreut, beraten und informiert werden. DMP werden in Deutschland seit 2002 von gesetzlichen Krankenkassen angeboten.

Zu den Programmen gehören regelmäßige Arzttermine, Beratungsgespräche und Untersuchungen. Die Teilnahme ist freiwillig und mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden. Personen, die an einem DMP teilnehmen, verpflichten sich aber zur aktiven Mitarbeit an ihrer Behandlung. Dazu gehört zum Beispiel, regelmäßig ihren Arzt oder ihre Ärztin aufzusuchen. Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Einrichtungen, die an solchen Programmen teilnehmen, verpflichten sich, bestimmte Qualitätsanforderungen einzuhalten. Die Krankenkasse informiert darüber, ob sie ein DMP für Brustkrebs anbietet.