Statine: Wie gut beugen sie Folgeerkrankungen einer koronaren Herzkrankheit vor?

Foto von Frau beim Lesen (Michael Blaun / Photodisc / Thinkstock) Statine können das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit nachweislich senken und ihre Lebenserwartung erhöhen. Die meisten Menschen vertragen die Medikamente gut.

Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Blutadern, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, verengt. Dies ist die Folge von Arteriosklerose, im Volksmund Gefäßverkalkung genannt. Arteriosklerose entsteht, wenn sich infolge kleiner Entzündungen an den Gefäßwänden Fett- und Zellablagerungen absetzen. Eine KHK kann zu verschiedenen weiteren Erkrankungen führen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkten. Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die das Risiko für Folgeerkrankungen senken können.

Statine: Nicht nur bei erhöhtem Cholesterinspiegel

Statine sind eine Gruppe von Medikamenten, die den LDL-Cholesterinwert im Blut senken. Daher werden sie auch Cholesterinsenker oder Lipidsenker genannt. Es ist allerdings unklar, ob der Nutzen der Statine vor allem auf die Cholesterinsenkung zurückzuführen ist. Vermutlich schützen Statine zusätzlich auch die Gefäßwände. Daher werden sie bei allen Menschen mit KHK eingesetzt – unabhängig davon, ob ihre Cholesterinwerte erhöht sind oder nicht.

Aus der Gruppe der Statine sind in Deutschland mehrere Wirkstoffe zugelassen: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin. Bei einer Unverträglichkeit gegen ein Statin besteht also die Möglichkeit, auf einen anderen Wirkstoff umzusteigen. Statine können in verschiedenen Dosierungen eingesetzt werden. Für Simvastatin, das am häufigsten verschriebene Statin, liegt eine übliche Dosierung bei 40 mg pro Tag.

Forschung zu Statinen bei Menschen mit KHK

Ungünstige LDL-Cholesterinwerte sind neben Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihre Folgen. Dass Statine den Cholesterinspiegel im Blut senken können, bedeutet allerdings nicht, dass sie automatisch vor solchen Folgeerkrankungen schützen können. Daher ist es wichtig, Nutzen und Schaden von Medikamenten in aussagekräftigen Studien mit vielen Menschen und anhand von klaren Kriterien wie der Lebenserwartung oder der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Herzinfarkten zu untersuchen.

Der Nutzen und die Sicherheit von Statinen sind relativ gut untersucht. Eine umfassende Forschungsarbeit stammt von einer internationalen Wissenschaftlergruppe unter Federführung der Universitäten Oxford in England und Sydney in Australien. In dieser Arbeit wurden die Ergebnisse von 14 randomisierten kontrollierten Studien mit ungefähr 90.000 Teilnehmenden zusammenfassend ausgewertet. Randomisierte kontrollierte Studien liefern die sichersten Ergebnisse, wenn es um Fragen zum Nutzen und Schaden von Arzneimitteln geht.

Nicht an allen Studien nahmen Menschen teil, die bereits eine KHK hatten. Manche hatten noch keine Herzerkrankung, dafür jedoch andere Risikofaktoren wie zum Beispiel Diabetes. Die Ergebnisse, über die wir hier berichten, stammen von den Teilnehmenden mit KHK. Dies waren immer noch fast 50.000 Personen.

Die Studienergebnisse

In der überwiegenden Zahl der Studien nahm eine Hälfte der Teilnehmenden ein Statin ein, die andere Hälfte ein Placebo (Scheinmedikament). Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wurde dann verglichen, in welcher der beiden Gruppen mehr Folgeerkrankungen auftraten. Das Ergebnis: Statine können das Risiko für Folgeerkrankungen einer KHK nachweislich senken und die Lebenserwartung verlängern. Diese Wirkung war unabhängig davon, ob die Teilnehmenden einen erhöhten Cholesterinwert hatten oder nicht.

In Zahlen ausgedrückt, zeigten die Studien nach fünf Jahren folgende Ergebnisse:

  • Von 1000 Menschen, die ein Statin nahmen, bekamen 114 einen nicht tödlichen Herzinfarkt oder sie starben infolge ihrer KHK.
  • Von 1000 Menschen, die ein Scheinmedikament nahmen, bekamen 144 einen nicht tödlichen Herzinfarkt oder sie starben infolge ihrer KHK.

Die Medikamente haben in diesem Zeitraum also 30 von 1000 Menschen vor einem Herzinfarkt oder dem Tod bewahrt.

Die regelmäßige Einnahme von Statinen senkte auch das Risiko für Schlaganfälle: Statt bei 45 von 1000 Menschen kam es bei 36 von 1000 Menschen zu einem Schlaganfall. Hinweise auf Unterschiede in der Wirksamkeit verschiedener Statine fanden die Wissenschaftlergruppen nicht.

In den letzten Jahren sind weitere Studien und Auswertungen zum Nutzen von Statinen veröffentlicht worden. Daran nahmen Menschen mit einer bekannten KHK teil, aber auch Menschen, die nur ein erhöhtes Risiko hatten, irgendwann an einer KHK zu erkranken. Diese Arbeiten enthalten aber nicht zu allen Fragen getrennte Auswertungen für die Menschen mit KHK, sodass wir sie hier nicht detailliert darstellen. In der Gesamtschau bestätigen die neuen Studien aber die hier berichteten Ergebnisse.

Nebenwirkungen

Statine können Muskelschmerzen und -entzündungen auslösen. Die meisten Menschen vertragen die Medikamente aber gut. Als äußerst seltene, aber ernsthafte Nebenwirkung gilt die sogenannte Rhabdomyolyse. Dabei lösen sich die Muskelfasern bestimmter Muskeln langsam auf. Es treten Lähmungen auf und die frei werdenden Stoffe können die Nieren schwer schädigen. Diese Nebenwirkung trat in den Studien nur in der Teilnehmergruppe auf, die längerfristig Statine anwendeten – bei einem von 10.000 Teilnehmenden. Es ist aber nicht klar, ob dieser geringe Unterschied zwischen den Teilnehmergruppen durch die Statine verursacht wurde oder zufällig ist. Anzeichen für eine Rhabdomyolyse können Muskelschmerzen und dunkel verfärbter Urin sein. Bei diesen Symptomen ist es daher wichtig, umgehend ärztlichen Rat einzuholen.

Statine stehen zudem unter dem Verdacht, Typ-2-Diabetes auslösen zu können. Das Risiko hierfür ist jedoch niedrig: In den Studien wurde bei zusätzlich 3 von 1000 Personen, die Statine anwendeten, ein Diabetes neu festgestellt. Ob diese Fälle von Diabetes eine gesundheitliche Bedeutung haben, ist noch unklar. Ein Diabetes wird festgestellt, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Ein leicht erhöhter Blutzuckerspiegel ist aber nicht immer gesundheitsschädlich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das für die Zulassung von Arzneimitteln und Sicherheitswarnungen zuständig ist, betont, dass der Nutzen der Behandlung das geringe Diabetes-Risiko überwiegt.

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