Spritzen, Zäpfchen und weitere Darreichungsformen

Foto von Mann beim Inhalieren (PantherMedia / Alexander Raths) Damit Medikamente ihren Bestimmungsort im Körper erreichen, wird bei der Herstellung eine passende Darreichungsform gewählt. Neben Tabletten, Salben & Co. gibt es noch viele andere Formen.

Die Darreichungsform richtet sich unter anderem danach, welche physikalischen und chemischen Eigenschaften das Arzneimittel hat und wo es wirken soll. Ein Mittel, das in der Lunge wirken soll, kann zum Beispiel eingeatmet werden. Ein Arzneimittel zur Behandlung einer Scheideninfektion kann mit einem Vaginalzäpfchen eingeführt werden. Wirkstoffe, die meist über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen werden, können auch in Kaugummis enthalten sein. Ein bekanntes Beispiel sind Nikotinkaugummis zur Rauchentwöhnung.

Spritzen

Bei Spritzen (Injektionen) sind Wirkstoffe in einer Flüssigkeit gelöst, die gespritzt wird. Wenn ein Medikament möglichst schnell wirken soll, etwa in einer Notfallsituation, wird es oft in eine Vene gespritzt (intravenös verabreicht). So umgeht man die langsamere Aufnahme im Magen-Darm-Trakt. Wenn eine Injektion langsamer wirken oder der Wirkstoff nicht direkt in die Blutbahn gelangen soll, kann man auch in einen Muskel (intramuskulär) oder unter die Haut ins Fettgewebe (subkutan) spritzen.

Manche Medikamente muss man spritzen, da sie im Magen oder Darm zerstört würden. Dazu gehört beispielsweise Insulin. Auch die meisten Impfstoffe müssen aus diesem Grund gespritzt werden. Viele Injektionslösungen sind ohne Kühlung und nach dem Anbrechen nur kurz haltbar.

Beim Umgang mit Injektionslösungen, Spritzen und Nadeln ist Hygiene besonders wichtig. Sie müssen keimfrei (steril) sein, da sonst Krankheitserreger sehr leicht in den Körper gelangen. Nach der Benutzung müssen sie sicher entsorgt werden.

Infusionen

Bei einer Infusion wird für eine gewisse Zeit meist ein Zugang in eine Vene gelegt (Venenkatheter), über den dann eine Flüssigkeit in die Blutbahn fließen kann. Infusionen werden eingesetzt, wenn man nur so erreichen kann, dass dem Körper ein Wirkstoff über eine bestimmte Zeit gleichmäßig zugeführt wird – zum Beispiel, wenn dem Körper viel Flüssigkeit fehlt. Ein venöser Zugang kann auch wichtig sein, wenn es ein Notfall erforderlich macht, dass Medikamente sehr schnell wirken. Deshalb wird bei vielen Operationen zur Sicherheit ein Venenkatheter gelegt. Auch bei Infusionen ist – wie bei den Spritzen – die Hygiene sehr wichtig.

Wenn Infusionen über einen langen Zeitraum immer wieder gegeben werden, können auch sogenannte Port-Systeme eingesetzt werden. Sie bestehen aus einem flachen Behälter mit einem dünnen Schlauch, der in einer kleinen Operation unter der Haut einpflanzt wird, zum Beispiel im Bereich des Schlüsselbeins. Dieser Behälter kann dann mit einer Spritze durch die Haut immer wieder neu mit Medikamenten gefüllt werden. Diese gibt er dann über den Schlauch langsam in eine Vene ab. Port-Systeme können mehrere Wochen unter der Haut bleiben und sind dort vor Infektionen geschützt. Sie werden zum Beispiel bei Chemotherapien gegen Krebs angewendet.

Zur Schmerzlinderung oder auch zur Betäubung einer Körperregion können Betäubungsmittel über einen Katheter in den sogenannten Periduralraum gespritzt werden. Das ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Raum, der das Rückenmark der Wirbelsäule umgibt. Dafür wird zunächst ein Periduralkatheter gelegt, in den wiederholt ein Betäubungsmittel gespritzt werden kann, ohne jedes Mal eine Spritze zu setzen. Auch schmerzlindernde Infusionen können auf diesem Weg gegeben werden, zum Beispiel um den Wehenschmerz während einer Geburt zu dämpfen.

Depots: Implantate und Spritzen

Depot-Implantate bestehen aus körperfremden Materialien, die in den Körper eingesetzt werden, dort längere Zeit verbleiben und kontinuierlich ein Medikament abgeben. Wenn die Wirkung nachlässt, wird das Implantat wieder entfernt oder löst sich von selbst auf. So erreicht man, dass ein Arzneimittel über mehrere Monate gleichmäßig wirken kann. Ein Beispiel sind Hormonimplantate zur Verhütung.

Bei einer Depot-Spritze wird ein Medikament unter die Haut oder in den Muskel gespritzt, dessen Wirkstoff nur nach und nach freigesetzt wird. Das lässt sich etwa durch Mischung mit Ölen oder bestimmten Salzen erreichen, die der Körper nur langsam abbaut. Beispiele sind über längere Zeit wirkende Insuline, Kortison-Depotspritzen und die Dreimonatsspritze zur Verhütung.

Zäpfchen

Einige Medikamente können als Zäpfchen über den After (rektal) eingeführt werden. Sie können Wirkstoffe enthalten, die vor Ort wirken sollen. Es ist aber auch möglich, Medikamente rektal anzuwenden, die in anderen Körperbereichen wirken sollen. Denn die Wirkstoffe werden von der Darmschleimhaut aufgenommen, gelangen in die Blutbahn und wirken dann am Zielort. Häufig werden Zäpfchen gewählt, wenn die Einnahme von Arzneimitteln schwierig ist, etwa bei Erbrechen oder wenn Kinder Fieber haben und keine Tabletten nehmen wollen oder können.

Vaginalzäpfchen werden in die Scheide der Frau (vaginal) eingeführt, um dort zum Beispiel Entzündungen oder Pilzinfektionen zu behandeln. Sie lösen sich in der Scheide auf und geben dort ihre Wirkstoffe frei. Es gibt auch Vaginaltabletten und -salben zur lokalen Anwendung. Sie werden meist mit einer Einführhilfe aus Plastik (Applikator) geliefert.

Tropfen, Salben und Sprays für Augen, Ohren und Nase

Zur Behandlung zum Beispiel von Entzündungen in Augen und Ohren gibt es Medikamente in Tropfenform, die direkt in Auge oder Ohr eingeträufelt werden. Ohrentropfen dürfen nicht zu kalt sein, da die Anwendung sonst zu Schmerzen oder Schwindel führen kann. Außerdem gibt es Augensalben und -gele, die man in den Bindehautsack des Unterlids gibt. Insbesondere bei Augenmedikamenten ist es wichtig, dass sie keimfrei sind.

Medikamente in Form von Nasentropfen und -sprays werden häufig zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und Allergien verwendet. Man gibt dabei mit einer Pipette eine bestimmte Anzahl von Tropfen oder eine bestimmte Menge Spray in die Nase. Wichtig dabei ist, die Pipette zusammengedrückt wieder aus der Nase zu nehmen, um das Arzneimittel nicht mit Nasensekret zu verunreinigen.

Mittel zum Inhalieren

Medikamente zum Einatmen (Inhalieren) können dann sinnvoll sein, wenn sie direkt in der Lunge wirken sollen. Viele Asthmamedikamente gibt es beispielsweise als Sprays zum Inhalieren. Da die Lunge sehr gut durchblutet ist, kann man aber auch Medikamente einatmen, die über das Blut aufgenommen werden und im ganzen Körper wirken sollen. Ein bekanntes Beispiel ist die Vollnarkose, bei der das Narkosemittel über eine Maske eingeatmet wird.

Wenn ein flüssiger oder fester Wirkstoff fein in Luft oder einem anderen Gas verteilt wird, spricht man auch von einem Aerosol. Geräte zur Anwendung von Aerosolen sind beispielsweise Dosieraerosole. In ihnen wird der Wirkstoff fein zerstäubt und mit einem Treibgas zusammengebracht. Die Technik: Man atmet aus, umschließt danach das Mundstück des Geräts mit den Lippen, löst den Sprühstoß (Hub) aus und atmet gleichzeitig tief ein. Je feiner die Flüssigkeit oder das Pulver zerstäubt sind, desto tiefer können sie in die Lunge eindringen. Wichtig ist, das verwendete Gerät regelmäßig gründlich zu reinigen, da es beim Inhalieren immer zum Kontakt mit der Mundschleimhaut und eventuellen Krankheitserregern kommt.

Mittel wie ätherische Öle können auch mit heißem Wasserdampf eingeatmet werden, zum Beispiel zur Linderung von Erkältungen. Heißes Wasser lässt die Öle schneller verdampfen und verstärkt so die Wirkung auf die Schleimhäute.

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise auf Beratungsangebote finden Sie in unserem Text "Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?"

Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Hier können Sie einen Button dauerhaft aktivieren. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.