Ribociclib (Kisqali) als Teil der antihormonellen Ersttherapie bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach den Wechseljahren

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2020 geprüft, welche Vor- und Nachteile Ribociclib (Kisqali) als Teil einer antihormonellen Ersttherapie für Frauen nach den Wechseljahren mit fortgeschrittenem Hormon-Rezeptor-positivem und HER2-negativem Brustkrebs im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Zum einen wurde Ribociclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer bewertet, zum anderen in Kombination mit dem Antiöstrogen Fulvestrant.

Ribociclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer

Zu dieser Fragestellung legte der Hersteller eine Studie vor, in der die Kombination Ribociclib plus Aromatasehemmer Letrozol mit einer alleinigen Behandlung mit der Standardtherapie Letrozol verglichen wurde.

In dieser Ende 2013 begonnenen Studie werden 668 Frauen behandelt. Die eine Hälfte mit Ribociclib und Letrozol und die andere Hälfte mit Letrozol und einem Scheinmedikament (Placebo). Bisher zeigen sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Ribociclib?

Lebenserwartung: Die Studie weist hier auf einen Vorteil von Ribociclib und Letrozol im Vergleich zu Letrozol allein hin. Patientinnen, die mit Ribociclib und Letrozol behandelt wurden, lebten länger als die Patientinnen, die nur Letrozol erhielten. Im bisherigen Studienverlauf starben etwa 41 von 100 Frauen die mit der Kombination Ribociclib und Letrozol behandelt wurden. Mit Letrozol alleine starben bisher 50 von 100 Frauen.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität (Zukunftsperspektive): In der Studie wurden die Patientinnen gefragt, ob sie besorgt sind über ihren zukünftigen Gesundheitszustand. Hier deuten erste Schätzungen darauf hin, dass Patientinnen mit Ribociclib und Letrozol ihre Zukunft positiver einschätzen als Patientinnen mit Letrozol allein.

Welche Nachteile hat Ribociclib?

Kurzatmigkeit und Atemnot: Die Studie deutet darauf hin, dass es bei Patientinnen über 65 Jahre während der Behandlung mit Ribociclib und Letrozol häufiger zu Kurzatmigkeit oder Atemnot kam, als während der Behandlung mit Letrozol allein. Mit Ribociclib und Letrozol hatten etwa 10 von 100 Personen Kurzatmigkeit oder Atemnot, in der Vergleichsgruppe waren es etwa 2 von 100 Personen.

Schwere Nebenwirkungen: Hier weist die Studie auf einen Nachteil von Ribociclib hin. Bei der zusätzlichen Gabe von Ribociclib traten im Mittel (Median) bereits nach etwa einem Monat schwere Nebenwirkungen auf. Bei den nur mit Letrozol behandelten Frauen war dies im Mittel (Median) nach etwa 28 Monaten der Fall. Insgesamt kam es bei zusätzlicher Gabe von Ribociclib bei etwa 88 von 100 Personen zu schweren Nebenwirkungen. In der Gruppe, die nur mit Letrozol behandelt wurde, war dies bei etwa 42 von 100 Personen der Fall.

Zu den schweren Nebenwirkungen zählen auch:

  • Schwere Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems: Dabei traten vor allem schwere Neutropenien auf. Bei einer Neutropenie hat der Körper zu wenig Abwehrzellen. Etwa 56 von 100 der zusätzlich mit Ribociclib behandelten Frauen hatten eine schwere Erkrankung des Blutes oder Lymphsystems, bei den mit Letrozol behandelten Frauen war das bei etwa 3 von 100 der Fall.
  • Schwere Infektionen: Etwa 9 von 100 Frauen, die zusätzlich Ribociclib erhielten hatten diese schwere Nebenwirkung, bei den nur mit Letrozol behandelten Frauen war das bei etwa 4 von 100 der Fall.

Es deuten sich ebenfalls Nachteile für Ribociclib bei weiteren zum Teil schweren Nebenwirkungen an wie  

  • Augenerkrankungen
  • Erkrankungen der Haut
  • Schwere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts

Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch hier deutet die Studie auf einen Nachteil hin: Bei den Frauen, die mit Ribociclib behandelt wurden, brachen etwa 20 von 100 die Therapie ab. Bei den Frauen, die nur Letrozol erhielten, waren es ungefähr 5 von 100. Meist waren schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise schwere Magen-Darm-Erkrankungen der Grund.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Bei den mit Ribociclib behandelten Frauen zeigten sich für weitere Unterpunkte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, außer der Zukunftsperspektive, keine Unterschiede im Vergleich zur Standardtherapie.Auch bei weiteren Krankheitsbeschwerden wie beispielsweise Erschöpfung oder Schmerzen zeigte sich kein Unterschied.

Welche Fragen sind noch offen?

Der Hersteller legte keine verwertbaren Daten zum Gesundheitszustand der Patientinnen vor.

Ribociclib in Kombination mit Fulvestrant

Zu dieser Fragestellung legte der Hersteller Daten aus einer Studie vor, in der 374 Frauen Ribociclib in Kombination mit Fulvestrant erhielten und 198 Frauen eine Standardtherapie aus Fulvestrant in Kombination mit einem Scheinmedikament (Placebo). Für diese Frauen zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Ribociclib?

Lebenserwartung: Die Studie weist auf einen Vorteil von Ribociclib gegenüber der Standardtherapie hin. Im bisherigen Studienverlauf starben etwa 33 von 100 Frauen die mit der Kombination Ribociclib und Fulvestrant behandelt wurden. Mit Fulvestrant alleine starben bisher etwa 45 von 100 Frauen.

Welche Nachteile hat Ribociclib?

Schwere Nebenwirkungen: Hier weist die Studie insgesamt auf einen Nachteil von Ribociclib hin. In der Gruppe, die zusätzlich mit Ribociclib behandelt wurde, traten bei etwa 82 von 100 Frauen schwere Nebenwirkungen auf. In der Gruppe, die nur Fulvestrant erhielt, war das bei etwa 36 von 100 Frauen der Fall.

Zu den schweren Nebenwirkungen zählen die Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems: Dabei traten vor allem schwere Neutropenien auf. Bei einer Neutropenie hat der Körper zu wenig Abwehrzellen. Etwa 48 von 100, die zusätzlich mit Ribociclib behandelt wurde hatten eine schwere Erkrankung des Blutes oder Lymphsystems, von den Frauen, die nur Fulvestrant erhielten, hatten etwa 3 von 100 Frauen diese schwere Nebenwirkung.

Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Ribociclib hin. In der Gruppe, die zusätzlich Ribociclib erhielt, brachen etwa 16 von 100 Frauen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab. In der anderen Gruppe waren es etwa 7 von 100 Frauen.

Erkrankungen der Augen und der Haut: Auch hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Ribociclib hin. In der Gruppe, die zusätzlich Ribociclib erhielt, bekamen etwa doppelt so viele Frauen eine Augen- oder Hauterkrankung als in der anderen Gruppe, die nur Fulvestrant erhielt.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Krankheitsbeschwerden: Bei den Krankheitsbeschwerden wie beispielsweise Erschöpfung oder Schlaflosigkeit zeigte sich kein Unterschied.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Auch hier zeigte sich kein Unterschied.

Welche Fragen sind noch offen?

Die Studie lieferte keine geeigneten Daten zum Einfluss von Ribociclib auf den Gesundheitszustand und auf Schmerzen.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ribociclib (Kisqali).