Reizdarmsyndrom

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Was hilft bei Reizdarm – und was nicht?

Behandlungen, die Reizdarm-Beschwerden lindern sollen, gibt es viele – es fehlt allerdings an aussagekräftiger Forschung. Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms bislang kaum geklärt sind, ist es schwierig, geeignete Behandlungen zu finden. Zumindest zu einigen Mitteln und Maßnahmen liefern Studien aber Hinweise, dass sie helfen können.

Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind die Hauptbeschwerden bei einem Reizdarmsyndrom. Die meisten Menschen haben nur leichte Beschwerden, mit denen sie ohne Therapie zurechtkommen – sie lernen mit der Zeit, die Signale ihres Körpers zu verstehen. Manche Menschen suchen aber nach einer Behandlung, weil die Beschwerden stärker sind und das tägliche Leben erheblich einschränken.

Manches hilft, manches nicht

Es gibt zwar viele Ratschläge und Empfehlungen zur Reizdarm-Behandlung – aber insgesamt nur wenige gute Studien. Zusammengefasst kann man sagen: Eine Behandlung, die die Beschwerden sicher lindert, gibt es nicht. Für manche Maßnahmen haben Studien aber gezeigt, dass sie zumindest einigen Menschen oder kurzfristig helfen. Dazu zählen:

Die Studien haben aber auch gezeigt, dass Nebenwirkungen auftreten können, vor allem bei den Medikamenten.

Studien zu Akupunktur haben gezeigt, dass sie bei einem Reizdarm nicht hilft.

Eine Vielzahl weiterer Empfehlungen ist nicht gut untersucht und ihr Nutzen deshalb fraglich. Dazu gehören Reflexzonenmassagen, Darmspülungen und verschiedene Versuche, die Beschwerden über die Ernährung zu lindern – etwa durch mehr Ballaststoffe oder bestimmte Diäten.

Was kann helfen?

Für die im folgenden beschriebenen Mittel und Medikamente geben Studien Hinweise, dass sie helfen können. In den Studien haben allerdings Personengruppen teilgenommen, die sich nicht gut vergleichen lassen. Deshalb lässt sich nicht sagen, was die besten Erfolgsaussichten bietet. Insgesamt verspürten etwa 10 bis 30 Prozent der Teilnehmenden eine zumindest kurzfristige Linderung. Allerdings unterscheiden sich die Maßnahmen in ihren Nebenwirkungen.

Pfefferminzöl

Pfefferminzöl soll die Darmmuskulatur entspannen und dadurch den Darm beruhigen. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass manche Menschen zumindest kurzfristig von Pfefferminzöl profitieren.

Das Pfefferminzöl wurde in den Studien in magensaftresistenten Kapseln eingenommen. Die Dosierung lag zwischen 500 und 800 mg pro Tag. Ob auch Pfefferminzlösungen oder -tropfen helfen, ist unklar. Bei 9 von 100 Teilnehmenden lösten die Pfefferminzkapseln leichte Nebenwirkungen wie Sodbrennen oder Aufstoßen aus.

Probiotika

Die Darmflora enthält verschiedene Bakterien, die für die Funktion des Darms eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel Milchsäurebakterien (Laktobazillen) und Bifidobakterien. Da die Darmflora bei manchen Menschen mit einem Reizdarm verändert ist, wird angenommen, dass probiotische Mittel wie zum Beispiel Joghurts und Drinks mit solchen Bakterien helfen könnten.

In einigen Studien konnten Probiotika die Beschwerden bei einigen Teilnehmenden lindern. Es ist jedoch mehr Forschung nötig, um beurteilen zu können, welche Bakterienart am nützlichsten ist und welche Dosis am besten wirkt. Im Allgemeinen sind Probiotika gut verträglich: Nur selten kommt es zu leichten Nebenwirkungen wie Blähungen.

Krampflösende Mittel

Menschen, die vor allem mit Krämpfen zu tun haben, setzen oft krampflösende Medikamente (Spasmolytika) ein. Sie sollen die Darmmuskulatur entspannen und dadurch Schmerzen lindern. Für vier krampflösende Wirkstoffe gibt es Hinweise, dass sie helfen können: Butylscopolamin, Cimetropium, Pinaverium und Otilonium. Davon ist in Deutschland nur Butylscopolamin erhältlich. Es wird rezeptfrei in der Apotheke angeboten. In einer Studie konnte dieses Mittel die Reizdarm-Beschwerden bei einigen Personen lindern.

Ob der hierzulande oft verschriebene Krampflöser Mebeverin hilft, lässt sich mangels Studienergebnissen nicht sagen.

Zu den möglichen Nebenwirkungen von Krampflösern gehören ein trockener Mund, Schwindel und eine verschwommene Sicht. In Studien berichteten etwa 5 von 100 Personen von solchen Nebenwirkungen.

Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung

Je nachdem, ob vorwiegend Verstopfung oder Durchfall auftreten, kommen auch Mittel gegen diese Beschwerden infrage. Wie gut sie bei einem Reizdarm helfen, ist bislang aber kaum untersucht. Viele Abführmittel (Laxantien) und Durchfallmedikamente (Antidiarrhoika) sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Wirken diese Mittel nicht, stehen gegen Verstopfung auch verschreibungspflichtige Mittel mit den Wirkstoffen Prucaloprid (Resolor) oder Linaclotid (Constella) zur Verfügung. In Studien konnte Linaclotid bei Reizdarmsyndrom mit Verstopfung die Beschwerden lindern. Die Mittel können zu Nebenwirkungen wie Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit, Schwindel oder blutigem Stuhl führen.

Alle Medikamente gegen Durchfall oder Verstopfung haben den Nachteil, dass sie möglicherweise nur ein Problem gegen ein anderes tauschen: So kann ein Mittel gegen Durchfall Verstopfungen auslösen, wenn es zu stark wirkt. Umgekehrt können Mittel gegen Verstopfung zu Durchfall führen. Wenn sich Durchfälle und Verstopfungen abwechseln, ist es deshalb besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Medikamente die Beschwerden nicht noch verstärken.

Antibiotika

Wenn das Reizdarmsyndrom Durchfall oder Blähungen verursacht, kommen manchmal Antibiotika als Behandlung infrage. Am besten untersucht ist das Antibiotikum Rifaximin. Dieses Medikament ist in Deutschland nur zur Behandlung von Reisedurchfall zugelassen. Trotzdem kann eine Ärztin oder ein Arzt es nach ausführlicher Aufklärung „off-label“ verordnen. „Off-Label-Use“ bedeutet, dass ein Arzneimittel gegen eine Krankheit eingesetzt wird, für die es nicht zugelassen ist. Wenn ein Medikament off-label verordnet wird, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür nur in bestimmten Fällen.

In Studien konnte Rifaximin die Beschwerden eines Reizdarms bei einigen Menschen lindern. Allerdings ist bislang unklar, ob die Wirkung auch längerfristig anhält. Nach aktuellen Empfehlungen sollen Antibiotika zurückhaltend eingesetzt werden, da sie verschiedene Nebenwirkungen haben wie allergische Reaktionen, Übelkeit und Pilzinfektionen. Zudem kann der übermäßige und unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika dazu führen, dass Bakterien Resistenzen entwickeln und die Medikamente dann in Zukunft nicht mehr so gut wirken. Nicht zuletzt beeinflussen Antibiotika selbst die Darmflora, was bei manchen Menschen die Beschwerden verstärken könnte.

Antidepressiva

Manchmal wird ein Reizdarmsyndrom mit Medikamenten behandelt, die normalerweise bei Depressionen eingesetzt werden. Dazu gehören sogenannte trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig. Auch sie sind in Deutschland nicht zur Behandlung beim Reizdarmsyndrom zugelassen und können daher nur off-label eingesetzt werden.

Es wird angenommen, dass bestimmte Antidepressiva bei einem Reizdarm eine schmerzlindernde Wirkung haben. Manche können die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts beeinflussen.

Studien zeigen, dass trizyklische Antidepressiva und SSRI bei einem Reizdarmsyndrom helfen können. Sie werden in der Regel aber nur in Erwägung gezogen, wenn andere Therapien nicht geholfen haben.

Antidepressiva können verschiedene Nebenwirkungen haben: In den Studien hatten 15 von 100 Personen mit Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und Übelkeit sowie sexueller Unlust zu tun. Manche Antidepressiva können selbst zu Verstopfung oder Durchfall führen.

Psychologische Behandlungen

Da vermutet wird, dass Stress und psychische Belastungen zu einem Reizdarmsyndrom beitragen können, werden manchmal Entspannungstechniken und Methoden zur Stressbewältigung eingesetzt. Ob diese Verfahren helfen können, ist nicht ausreichend untersucht. Einige Studien liefern jedoch Hinweise darauf, dass eine Kombination aus Entspannungstherapie, Stressbewältigung und Biofeedback helfen könnte.

Eine weitere Möglichkeit sind psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Sie kommt vor allem für Menschen mit ausgeprägten Beschwerden infrage. Ziel einer solchen Behandlung ist es, zu lernen, mit den Beschwerden besser umzugehen. Es gibt Hinweise, dass eine kognitive Verhaltenstherapie bei einem Reizdarm tatsächlich helfen kann.

Manche Menschen mit Reizdarmsyndrom probieren eine Hypnosebehandlung (Hypnotherapie) aus. Während einer Hypnosesitzung geht es darum, sich so sehr auf eine bestimmte Vorstellung zu konzentrieren, dass man nichts Anderes mehr wahrnimmt und für Gedanken empfänglich wird, die die Therapeutin oder der Therapeut vorgibt. Beim Reizdarmsyndrom kann dies zum Beispiel die Vorstellung sein, einen gesunden, normal funktionierenden Darm zu haben. Auch für die Hypnotherapie gibt es Hinweise, dass sie die Beschwerden bei manchen Menschen für einige Monate lindern kann.

Was hilft nicht?

Viele Betroffene berichten, dass sie sich nach einer Akupunktur besser fühlen. Eine Reihe von Studien zeigt jedoch, dass das nicht an einer spezifischen Wirkung der Akupunktur liegt: Gegenüber einer Scheinbehandlung zeigte die Akupunktur keine Vorteile.

Was ist nicht untersucht?

Die folgenden Methoden und Mittel sind nicht in Studien untersucht – ob sie helfen, ist also fraglich. Unter Umständen haben sie auch Nachteile und Risiken.

Ernährung umstellen

Viele Menschen mit einem Reizdarmsyndrom merken, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden begünstigen oder lindern. Leider gibt es zum Einfluss der Ernährung nur sehr wenig gute Forschung – was nicht bedeutet, dass sie keine Rolle spielt. Wie Menschen auf bestimmte Lebensmittel reagieren, ist aber sehr individuell.

Meist braucht es eine Weile, um herauszufinden, was einem guttut und was nicht. Dabei kann es helfen, über einige Wochen ein Ernährungs-Tagebuch zu führen. Darin notiert man, was man im Laufe des Tages gegessen hat, ob und welche Beschwerden aufgetreten sind und welche anderen Faktoren hinzukamen, die die Beschwerden erklären könnten (zum Beispiel Stress bei der Arbeit). Nach einer Weile lassen sich dann vielleicht bestimmte Muster erkennen, die dabei helfen, Unverträglichkeiten zu erkennen. Mithilfe des Tagebuchs lässt sich mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel sinnvoll ist.

Verzicht auf fermentierbare Kohlenhydrate (FODMAP-Diät)

In den letzten Jahren wurde das Reizdarmsyndrom öfter mit Lebensmitteln in Verbindung gebracht, die fermentierbare (vergärbare) Kohlenhydrate enthalten. Diese werden als FODMAPs bezeichnet und sind in vielen Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Fruchtzucker (Einfachzucker), Milchzucker und Stärke (Mehrfachzucker) oder Süßstoffen (Zuckeralkohole). Man vermutet, dass die Aufnahme von FODMAPs dazu führt, dass mehr Wasser in den Darm gelangt und Durchfall begünstigt. Durch die Gärung (Fermentierung) bildet sich auch mehr Luft im Darm, was zu Blähungen führen kann. Zudem wird die Zusammensetzung der Darmbakterien durch die Ernährung beeinflusst.

Bei einer FODMAP-Diät wird auf alle Lebensmittel verzichtet, in denen diese Zucker enthalten sind. Dabei besteht allerdings das Risiko einer Mangelernährung, weil es schwierig wird, genug Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen. Außerdem ist es schwer, eine so strenge Diät im Alltag einzuhalten.

Bislang gibt es keine aussagekräftigen Studien, die nachweisen, dass die FODMAP-Diät Reizdarm-Beschwerden lindern kann.

Lösliche Ballaststoffe

Eine ausgewogene Ernährung enthält bereits ausreichende Mengen von Ballaststoffen. Dass zusätzliche Ballaststoff-Präparate helfen, ist nicht nachgewiesen. Es gibt zwei verschiedene Arten dieser Mittel:

Wer Ballaststoffe ausprobieren möchte: Bei einem Reizdarmsyndrom wird dann empfohlen, eher lösliche Ballaststoffe zu sich zu nehmen und zu beobachten, ob sie helfen.

Reflexzonenmassagen und Darmspülungen

Beim Reizdarmsyndrom werden außerdem Reflexzonenmassagen und Darmspülungen (auch Colon-Hydro-Therapie genannt) eingesetzt.

Reflexzonenmassagen und Darmspülungen wurden bei Reizdarmsyndrom bislang kaum wissenschaftlich untersucht. Ob sie einen Nutzen haben, ist also unklar. Darmspülungen haben Risiken wie etwa Störungen des Elektrolythaushalts, Infektionen und Verletzungen der Darmwand.

Schlagwörter: Colon irritabile, K58, K59, Nervöser Darm, R10, Reizdarmsyndrom, Verdauung und Stoffwechsel
Aktualisiert am 25. September 2019
Erstellt am 10. September 2013
Nächste geplante Aktualisierung 2022
Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)