Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung bei Schizophrenie

Foto von Mann (PantherMedia / vasilisa_k) Psychotherapie und psychosoziale Unterstützungsangebote sind für Menschen mit einer Schizophrenie sehr wichtig. Sie können die Beschwerden mildern und das Risiko für Rückfälle verringern. Einige Angebote beziehen auch Familienmitglieder mit ein.

Eine Schizophrenie wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus, deshalb benötigen Betroffene und ihre Angehörigen eine umfassende Unterstützung. Medikamente können zwar wichtig sein, reichen aber in der Regel nicht aus. Neben psychosozialen Unterstützungsangeboten kann auch eine Psychotherapie helfen, besser mit den Folgen der Erkrankung zurechtzukommen.

Oft sind Betroffenen und Angehörigen die verschiedenen Angebote gar nicht bekannt. Sich darüber zu informieren und beraten zu lassen, ist in Arztpraxen, Kliniken, sozialpsychiatrischen Zentren und bei den Krankenkassen möglich.

Die meisten Angebote können ambulant oder im Rahmen eines Klinikaufenthalts wahrgenommen werden.

Menschen mit einer Schizophrenie haben oft noch weitere Probleme, wie Suchterkrankungen oder körperliche Erkrankungen. Die Unterstützung beschränkt sich deshalb nicht nur auf die unmittelbaren Folgen der Psychosen.

Was ist eine Psychoedukation?

Sogenannte psychoedukative Angebote (edukativ = erzieherisch) vermitteln zunächst einmal Wissen über die Erkrankung. Ein besseres Verständnis der Schizophrenie soll helfen, die Behandlung selbst mitzugestalten. Zudem sollen negative Selbstbilder und Ängste abgebaut werden. Es werden außerdem Möglichkeiten vermittelt, mit den Beschwerden zurechtzukommen.

Eine Psychoedukation kann in Einzel- oder Gruppengesprächen stattfinden, unter Umständen zusammen mit Familienangehörigen. Gruppengespräche ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen.

Die Krankheit zu verstehen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, sie zu bewältigen. Studien zeigen, dass die Psychoedukation dazu beitragen kann, dass Beschwerden und Beeinträchtigungen im Alltag nachlassen. Auch das Risiko für einen Rückfall sinkt, wenn jemand an solchen Angeboten teilnimmt. Dies kann beispielsweise daran liegen, dass die Betroffenen dann frühzeitiger Hilfe aufsuchen, weil sie Anzeichen einer akuten Psychose besser erkennen – oder lernen, bestimmte Stresssituationen zu vermeiden.

Was bewirkt eine Psychotherapie?

Eine Psychotherapie kann dabei helfen, besser mit einer Schizophrenie und ihren Folgen umzugehen. Ein Ziel ist, die Erkrankung zu verstehen und Selbsthilfestrategien zu entwickeln. Dazu gehört, ein positiveres Selbstbild und das Gefühl zu entwickeln, die Krankheit bewältigen zu können. Für viele Menschen ist es wichtig, in der Therapie offen über ihre Situation zu sprechen und ihre teils extremen Erfahrungen einordnen zu können. Eine Psychotherapie kann auch schon während einer akuten Psychose begonnen werden.

Im Rahmen der Therapie ist es möglich, herauszufinden, was einen besonders belastet und in welchen Situationen es zu Problemen kommt. Nicht zuletzt geht es darum, Wege zu finden, wie sich Krisensituationen bewältigen lassen.

Betroffene können lernen, Warnzeichen für eine akute Psychose zu erkennen, frühzeitig zu reagieren und gegenzusteuern. Zusammen mit der Therapeutin oder dem Therapeuten erarbeiten sie bei Bedarf verschiedene Strategien, mit denen sie auf Wahrnehmungsveränderungen und wahnhafte Ideen reagieren können – zum Beispiel mit Ablenkungs- und Entspannungstechniken. Zudem kann eine Psychotherapie dabei helfen, im Beruf und Privatleben besser zurechtzukommen.

Eine Psychotherapie kann in Einzel- oder Gruppengesprächen stattfinden, auch Familienangehörige können mit einbezogen werden. Wirksam ist die kognitive Verhaltenstherapie. Auch eine psychodynamische Therapie ist möglich. Allerdings gibt es bislang nicht ausreichend gute Studien, die den Nutzen dieser Therapieform bei Menschen mit einer Schizophrenie untersucht haben.

Studien zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Beschwerden lindern kann und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert. Für den Erfolg einer Psychotherapie ist ein gutes Vertrauensverhältnis zur Therapeutin oder zum Therapeuten entscheidend.

Wie kann ein Training sozialer Fertigkeiten helfen?

Programme zum Training sozialer Fertigkeiten konzentrieren sich auf zwei Bereiche: Zum einen stärken sie die Fähigkeit, den Alltag möglichst unabhängig zu bewältigen – vor allem in den Bereichen Wohnen, Freizeit, Beruf und Familie. Dabei werden zum Beispiel bestimmte Strategien vermittelt, um praktische Lösungen für Alltagsprobleme zu finden.

Zum anderen gibt es Programme, die auf die Kommunikation mit anderen Menschen und das soziale Miteinander abzielen. Sie sollen dabei helfen, Mitmenschen besser wahrzunehmen und angemessen mit ihnen umzugehen. Es geht auch darum, realistische Ansprüche an andere zu formulieren und Wege zu finden, sich daran zu halten. Solche Ziele können zum Beispiel in Rollenspielen trainiert werden.

Die Programme werden meist als Gruppentherapie angeboten. Studien zeigen, dass soziale Trainingsprogramme helfen können, mit Anforderungen im Alltag besser umzugehen. Auch die Krankheitsbeschwerden können abnehmen.

Was bewirkt ein kognitives Training?

Viele Menschen mit Schizophrenie haben Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Dies führt unter anderem zu Schwierigkeiten beim Lernen und beim Lösen komplexer Aufgaben. Solche Probleme lassen sich durch ein kognitives Training jedoch bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Es ist aber nicht das Ziel eines Wahrnehmungs- und Gedächtnistrainings, alle vorhandenen Defizite auszugleichen. Es geht eher darum, die geistigen Fähigkeiten zu stärken, die im Alltag besonders wichtig sind – beispielsweise, um einen Beruf ausüben zu können.

Studien weisen darauf hin, dass vor allem eine spezielle Trainingsmethode wirksam ist: die sogenannte kognitive Remediationstherapie. Dabei werden beispielsweise am Computer Gedächtnis- und Problemlösungsaufgaben geübt. Die Therapie kann Beschwerden wie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Antriebslosigkeit mindern und die Fähigkeit verbessern, alltägliche Anforderungen zu bewältigen.

Wie wirkt eine Familientherapie?

Die Familie kann wichtige Unterstützung bieten. Unter bestimmten Umständen kann das Familienklima den Krankheitsverlauf aber auch ungünstig beeinflussen. Zu Problemen kann es kommen, wenn Familienmitglieder durch die Erkrankung überfordert sind und es zu Schuldzuweisungen oder Konflikten kommt. Dies kann für den Verlauf einer Psychose eine wichtige Rolle spielen: So weiß man, dass das Risiko für einen Rückfall erhöht ist, wenn das Familienleben durch häufige Kritik, Abwertung oder Überfürsorglichkeit geprägt ist. Dabei tragen beide Seiten – Betroffene und Angehörige – zum Familienklima bei.

Eine Familientherapie soll dem vorbeugen und allen Angehörigen helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen. Während der Therapie wird Wissen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten vermittelt. Schuld- und Schamgefühle sowie Ängste sollen abgebaut werden. Zudem werden konkrete Lösungen für familiäre Probleme erarbeitet und es wird nach Möglichkeiten gesucht, wie sich die Familienmitglieder besser unterstützen können.

Studien zeigen, dass das Risiko für eine erneute akute Psychose in den ersten Jahren nach einer Familientherapie verringert ist. Auch Krankheitsbeschwerden können sich bessern.

Was bietet eine gemeindepsychiatrische Versorgung?

Gemeindepsychiatrie bedeutet, dass psychisch kranke Menschen zu Hause leben können und in ihrem direkten Lebensumfeld Unterstützung erhalten. Eine gemeindepsychiatrische Versorgung von Menschen mit Schizophrenie soll zum Beispiel dazu beitragen, Klinikaufenthalte möglichst zu vermeiden. Zu den Angeboten gehören:

  • ambulante gemeindepsychiatrische Teams, die Hausbesuche machen
  • teilstationäre Einrichtungen, die tagsüber Beratung und Therapie anbieten
  • Wohngruppen
  • Tagesstätten
  • Beratungsstellen
  • berufliche Rehabilitationseinrichtungen

In der gemeindepsychiatrischen Versorgung arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen, zum Beispiel Fachkräfte aus Psychiatrie, Psychotherapie, Sozialarbeit, Sozio- und Ergotherapie. In manchen Städten gibt es auch ambulante Kriseninterventionsteams, die in akuten Notsituationen zu Hause helfen.

Die Versorgung im häuslichen Umfeld kann die Eigenständigkeit und die soziale Integration nachweislich stärken. Voraussetzung ist jedoch, dass vor Ort gute Angebote zur Verfügung stehen. Studien zeigen, dass umfangreiche Unterstützungsprogramme dazu beitragen, dass an Schizophrenie erkrankte Menschen unabhängiger leben können und seltener arbeitslos werden.

Hilft die Früherkennung von Psychosen?

Eine psychotische Phase kündigt sich oft schon Jahre vorher an. Die typischen Anzeichen werden jedoch oft nicht erkannt. Spezialisierte Früherkennungs- und Therapiezentren sind erste Anlaufstellen für Menschen, die Anzeichen für eine Psychose bemerken. Hier wird nach einer gründlichen Untersuchung geprüft, welche Hilfen nötig sind. Früherkennungszentren gibt es bislang jedoch nur in wenigen größeren Städten. Ansonsten kann man sich auch an jede Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie wenden.

Frühzeitige Unterstützungsangebote sollen die Folgen einer Psychose mildern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Zudem vermitteln sie weitere Hilfen (zum Beispiel eine psychiatrische Behandlung) und beraten zum Umgang mit der Erkrankung sowie zu Alltagsproblemen. Die Angebote beinhalten oft Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie und der Psychoedukation.

Die erste akute Psychose fällt oft mit dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts zusammen – etwa nach Auszug aus dem Elternhaus, zu Berufs- oder Studienbeginn, einer Trennung oder neuen Partnerschaft. Solche Umbruchphasen werden oft als große Herausforderung erlebt und erfordern dann eine intensive Unterstützung. Vor allem die erste akute Psychose hinterlässt Spuren; meist wird sie als dramatisch und beängstigend erlebt. Kommt es zu einer Zwangseinweisung, kann dies zu einem traumatischen Erlebnis werden.

Studien zeigen, dass frühe Unterstützungsprogramme die Lebensqualität und den Umgang mit den Beschwerden verbessern können. Nicht zuletzt können sie das Risiko für Rückfälle senken.

Schlagwörter: F20, Kopf und Nerven, Psyche und Gemüt, Psychose, Schizophrenie