Prävention: Lohnt sich ein regelmäßiger Gesundheits-Check-up?

Foto von Wartezimmer (PantherMedia / Cathy Yeulet) Regelmäßige allgemeine Kontrolluntersuchungen gehören für viele Menschen dazu, wenn sie etwas für die eigene Gesundheit tun möchten. Doch man sollte sie nicht überschätzen: Studien haben bislang nicht gezeigt, dass regelmäßige Gesundheits-Check-ups gesunde Menschen vor Erkrankungen schützen oder die Lebenserwartung verlängern.

Alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland haben ab einem Alter von 35 Jahren Anspruch auf eine regelmäßige Gesundheitsuntersuchung alle drei Jahre. Versicherte zwischen 18 und 35 Jahre können die Untersuchung einmal in Anspruch nehmen. Der Gesundheits-Check-up beinhaltet:

  • Krankheitsgeschichte (Anamnese): Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wird die Krankheitsgeschichte erfasst, zum Beispiel um familiäre und andere Risikofaktoren festzustellen.
  • körperliche Untersuchung: Hierbei werden verschiedene Bereiche des Körpers angeschaut, abgetastet oder abgehört. Unter anderem werden Herz und Lunge abgehört, die Reflexe getestet und die Beweglichkeit geprüft.
  • Blutuntersuchung: Dabei werden der Gesamtcholesterinwert und der Blutzuckerspiegel bestimmt.
  • Urin-Schnelltest: Der Test ermittelt verschiedene Werte, die auf bakterielle Infektionen, Nierenerkrankungen und Diabetes mellitus hinweisen können.
  • Prüfung des Impfstatus: Der vorhandene Impfschutz wird geprüft.
  • gesundheitliche Beratung

Mit Gesundheits-Check-ups sollen Risikofaktoren und Erkrankungen möglichst früh entdeckt werden – noch bevor sie zu Problemen führen. Ziel dieser Früherkennungsuntersuchungen ist es, Erkrankungen und ihrem Fortschreiten vorzubeugen.

Warum es wichtig ist, Früherkennungsuntersuchungen in Studien zu prüfen

Untersuchungen wie der Gesundheits-Check-up haben nur dann einen medizinischen Wert, wenn sie helfen, die Gesundheit der untersuchten Menschen tatsächlich zu verbessern – etwa, wenn sie dazu führen, dass Erkrankungen und ihren Folgen besser vorgebeugt werden kann. Das ist allerdings oft schwieriger, als es auf den ersten Blick aussieht: So reicht es nicht aus, nur Risikofaktoren festzustellen. Vorbeugende Maßnahmen wie eine dauerhafte Änderung der Lebensgewohnheiten oder eine langfristige Einnahme zum Beispiel von Blutdrucksenkern müssen dann auch umgesetzt werden. Nicht zuletzt müssen diese Maßnahmen wirksam sein. Weil all dies nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden kann, ist es wichtig, den Nutzen von Gesundheitsuntersuchungen in Studien zu prüfen.

Zudem hat jede Früherkennungsuntersuchung Nachteile. Zum Beispiel können Menschen ab und zu eine falsche Diagnose erhalten. Problematisch sind vor allem auch sogenannte Überdiagnosen. Von einer Überdiagnose spricht man, wenn eine Auffälligkeit entdeckt wird, die gesundheitlich keine Bedeutung hat, aber dennoch ärztlich beobachtet oder behandelt wird.

Beispielsweise liegt der Cholesterinspiegel bei vielen Menschen leicht über dem als normal festgelegten Wert. Das muss nicht bedeuten, dass ihr Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung überdurchschnittlich hoch ist. Wird aber ein von der Norm abweichender Wert festgestellt, kann das dazu führen, dass man sich unnötige Sorgen macht. Unter Umständen nimmt man auch die Nachteile einer Behandlung inkauf – etwa die Nebenwirkungen eines Medikaments, ohne dass seine Einnahme einen gesundheitlichen Nutzen hätte. Auch um festzustellen, ob solche Nachteile auftreten, benötigt man Studien.

Ergebnisse aus Studien mit über 180.000 Teilnehmenden

Dänische Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben die Vor- und Nachteile von allgemeinen Gesundheitsuntersuchungen geprüft. Sie wollten unter anderem wissen, ob sie die Lebenserwartung erhöhen und ob sie davor schützen, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.

Die Wissenschaftlergruppe wertete die Ergebnisse von 16 randomisierten kontrollierten Studien mit über 180.000 Teilnehmenden aus. Solche Studien liefern die aussagekräftigsten Ergebnisse zum Nutzen und Schaden von medizinischen Maßnahmen.

Bei den Check-ups wurden die Teilnehmenden unter anderem regelmäßig auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Welche Untersuchungen gemacht wurden, unterschied sich von Studie zu Studie etwas. Im Allgemeinen gehörten mehrere der folgenden Untersuchungen dazu:

  • Erfassung der familiären Krankheitsgeschichte
  • allgemeine körperliche Untersuchung
  • Ermittlung der Körpergröße und des Gewichts
  • Blutuntersuchung (Blutzucker- und Cholesterinwert)
  • Urintest
  • Blutdruckmessung
  • Messung der Herzstromkurve (Elektrokardiografie, abgekürzt EKG)

Teilweise wurden auch noch andere Untersuchungen gemacht, zum Beispiel ein Lungenfunktionstest. Der Umfang der Untersuchungen entsprach also in vielen Punkten dem Check-up, der zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland gehört. Das Alter der Teilnehmenden lag überwiegend zwischen 30 und 60 Jahren. Die Untersuchungen fanden – je nach Studie – jährlich oder alle zwei bis vier Jahre statt. Sie wurden aber nicht immer über den gesamten Studienzeitraum durchgeführt.

In den Studien wurde über einen Zeitraum von bis zu 22 Jahren nachverfolgt, was aus den Teilnehmenden geworden war – also zum Beispiel, ob sie noch lebten oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben waren.

Kein Einfluss auf Lebenserwartung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Studien zeigten, dass die Check-up-Untersuchungen nicht die Ergebnisse erbrachten, die man sich von ihnen erwartet hatte. In einigen Studien erhielten Menschen, die zum Gesundheits-Check-up eingeladen wurden, etwas häufiger eine Diagnose. So wurden öfter erhöhte Blutdruckwerte oder ein erhöhter Cholesterinspiegel festgestellt.

Die Studien zeigten trotzdem keinen Nutzen der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung: Die Menschen, die zu Gesundheits-Check-ups eingeladen wurden, lebten nicht länger. Sie starben auch nicht seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Menschen, die nicht dazu eingeladen wurden.

Dieses ernüchternde Ergebnis könnte verschiedene Gründe haben. Einer ist, dass Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patienten ohnehin gut kennen, sie regelmäßig untersuchen und Behandlungen vorschlagen, wenn es dazu Anlass gibt, etwa weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Es könnte auch sein, dass wirklich bedeutsame Probleme auch bei anderen Gelegenheiten früh genug auffallen, so dass die Routine-Untersuchung kaum einen Vorteil bringt. Bei Check-Ups werden zudem oft nur leicht erhöhte Blutdruck- oder Cholesterinwerte gefunden, die nicht immer gesundheitliche Folgen haben und direkt behandelt werden müssen.

Die meisten der ausgewerteten Studien fanden in den 1960er bis 1980er Jahren statt. Seitdem sind wirksame neue Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf den Markt gekommen. Auch die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich verändert. Um den Nutzen von Check-Up-Untersuchungen in der heutigen Zeit zuverlässig beurteilen zu können, sind daher neue Studien nötig.

Schlagwörter: Blutfette, Cholesterin, E78, Herz und Kreislauf, Hypercholesterinämie, Statine