Wenn die Blutung vorbei ist, ist es, als wenn ein Schalter umgelegt wird

Foto von Mutter und Tochter (PantherMedia / Martin Novak) Gabriele, 44 Jahre

„Schon ein paar Tage bevor die Regelblutung einsetzt, bin ich reizbarer, habe schmerzende und empfindliche Brüste und bin manchmal auch niedergeschlagen.“

Meine Tage habe ich das erste Mal mit 13 Jahren bekommen. Ich kann mich nicht mehr ganz so gut an diese Zeit erinnern. Ich weiß aber noch, dass ich immer starke Bauchschmerzen und teilweise auch starke Blutungen hatte.

Mit zunehmendem Alter haben die Beschwerden zugenommen. Schon ein paar Tage bevor die Regelblutung einsetzt, bin ich reizbarer, habe schmerzende und empfindliche Brüste und bin manchmal auch niedergeschlagen. Ich bin müde und kaputt, meine Verdauung ist träge und ich habe auch Blähungen. Was mich aber besonders belastet: Ein paar Tage vor Einsetzen der Blutung habe ich sehr unreine Haut, besonders um die Mundpartie.

Es gibt immer wieder Monate, in denen es schlechter ist. Aber im Allgemeinen habe ich die Beschwerden mit der Zeit gut in den Griff bekommen. Nur die Hautunreinheiten, da kann man nichts machen, das sagt auch der Arzt. Das ist einfach hormonell bedingt. Mir hilft dann nichts, weder der Verzicht auf Süßes noch irgendetwas anderes. Die Hautunreinheiten kommen immer. Ich bekomme meine Periode immer unregelmäßig. Wenn ich Pickel um den Mund herum bekomme, weiß ich aber, dass sie wieder ansteht.

Die Beschwerden beginnen etwa zwei Tage, bevor die Regelblutung einsetzt. Wenn die Blutung beginnt, wird es etwas besser, aber an dem Tag mit der stärksten Blutung sind die Beschwerden auch etwas stärker.

Wenn die Blutung vorbei ist, dann geht es mir viel besser. Ich bin dann auch nicht mehr so reizbar. Das ist schon ein wenig komisch: als wenn ein Schalter umgelegt wird.

Bewegung ist für mich krampflösend

Ich nehme keine Medikamente ein und versuche, die Beschwerden mit Bewegung und Ernährung zu lindern. Bewegung ist für mich krampflösend. Ich bin gern draußen, walke und jogge viel. Und mit dem Hund muss ich täglich hinaus. Ich versuche, mich vollwertig zu ernähren: Ich esse beispielsweise vorwiegend Vollkornmehl und meide Weißmehl. Ich habe das Gefühl, das hat mir schon geholfen. Mir helfen auch eine Wärmflasche und ab und zu ein Tee.

Eine kurze Zeit habe ich auch die Pille eingenommen, da waren die Beschwerden nicht ganz so heftig und die Blutungen waren auch leichter. Aber ich wollte die Pille irgendwann nicht mehr nehmen. Ich greife nur ungern zu Medikamenten. Ich weiß ja, dass es nach ein bis zwei Tagen wieder vorbei ist.

Obwohl ich das ja jetzt schon viele Jahre habe, ärgere ich mich immer noch darüber, weil ich dadurch einfach eingeschränkt bin.

Ich habe drei Töchter. Eine von den Dreien leidet auch sehr unter ihren Tagen. Sie hat ziemliche Bauchschmerzen. Die älteste nimmt jetzt die Pille, hatte aber davor auch Beschwerden. Sie hatte auch Schmerzmittel eingenommen, vor allem in der Schulzeit.

Wenn eine sagt, sie hat Bauchschmerzen, dann ist das klar: Sie bekommt wieder ihre Periode. Aber es ist kein großes Thema bei uns zu Hause. Mein Mann hat sich auch an die Stimmungsschwankungen gewöhnt. Wir sind ja nun schon 25 Jahre verheiratet. Für die Kinder ist es auch klar, nach dem Motto: Es ist wieder so weit. Man arrangiert sich und stellt sich darauf ein.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Schlagwörter: Fortpflanzung und Geburt, N94.3, PMS, Prämenstruelles Syndrom