Pembrolizumab (Keytruda) in Kombination mit Chemotherapie für fortgeschrittenen, nicht heilbaren Krebs im Kopf-Hals-Bereich

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2020 geprüft, welche Vor- oder Nachteile Pembrolizumab in Kombination mit einer platinhaltigen Chemotherapie im Vergleich zur Standardtherapie hat – und zwar für Erwachsene mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich, die einen Rückfall haben, der nicht operiert werden kann, oder bei denen der Krebs Absiedlungen (Metastasen) gebildet hat. Die Krebszellen müssen außerdem das Protein PD-L1 aufweisen.

Für diese Fragestellung konnten die Daten einer Studie ausgewertet werden, an der knapp 500 Patientinnen und Patienten teilgenommen hatten: Die Hälfte von ihnen erhielt Pembrolizumab und die andere Hälfte erhielt Cetuximab. Sowohl Pemprolizumab als auch Cetuximab wurden mit einer platinhaltigen Chemotherapie kombiniert.

Es zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Pembrolizumab?

Lebenserwartung: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass Pembrolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie das Leben verlängern kann: Personen, die Pembrolizumab erhielten, verstarben im Mittel (Median) innerhalb von knapp 14 Monaten, während dies mit Cetuximab innerhalb von etwa 10 Monaten der Fall war.

Bei den schweren Nebenwirkungen schwere Erkrankungen der Haut und schwere immunvermittelte Nebenwirkungen deuten erste Schätzungen auf einen Vorteil von Pembrolizumab im Vergleich zu Cetuximab hin. Als immunvermittelte Nebenwirkungen bezeichnet man Erkrankungen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift.

Auch beim Auftreten einer Entzündung der Haut entlang des Nagels (Paronychie) deutet die Studie auf einen Vorteil von Pembrolizumab hin: Es erkrankten nur Personen an dieser Nebenwirkung, die Cetuximab erhielten (etwa 12 von 100).

Welche Nachteile hat Pembrolizumab?

Schmerzen: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass Pembrolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie bei Personen, deren Krebs Metastasen gebildet hat, Nachteile gegenüber Cetuximab hat: In der Studie hatten mit Pembrolizumab etwa 31 von 100 Personen für die Erkrankung typische Schmerzen, während dies mit Cetuximab bei etwa 18 von 100 Personen der Fall war. Bei Personen mit einem Rückfall zeigte sich dagegen kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

Erschöpfung: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass Pembrolizumab bei Frauen hier Nachteile hat: Von den Frauen, die Pembrolizumab erhielten, hatten etwa 46 von 100 Frauen mit Erschöpfung zu tun, während dies mit Cetuximab bei nur etwa 27 von 100 Frauen der Fall war.

Krankheitsgefühl: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass Pembrolizumab bei Frauen auch hier Nachteile hat: Von den Frauen, die Pembrolizumab erhielten, fühlen sich etwa 33 von 100 Frauen krank, während dies mit Cetuximab bei nur etwa 10 von 100 Frauen der Fall war.

Bei einzelnen schweren Nebenwirkungen deuten erste Schätzungen auf einen Nachteil von Pembrolizumab hin:

  • Schwere Blutarmut (Anämie): Mit Pembrolizumab hatten etwa 24 von 100 Personen diese schwere Nebenwirkung, während es mit Cetuximab etwa 15 von 100 waren.
  • Schwere Entzündung der Schleimhäute: Mit Pembrolizumab hatten etwa 11 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen im Bereich der Schleimhäute, während es mit der Standardtherapie etwa 5 von 100 waren. Eine schwere Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis) trat mit Pembrolizumab bei etwa 8 von 100 Personen auf und mit Cetuximab bei etwa 4 von 100 Personen.
  • Schwere Erkrankung der Atemwege: In der Studie hatten mit Pembrolizumab etwa 15 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen im Bereich der Atemwege, während es mit Cetuximab etwa 7 von 100 waren.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität:

  • Kognitive Funktion: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass Frauen, die mit Pembrolizumab und einer Chemotherapie behandelt werden, sich schlechter konzentrieren und erinnern konnten: Mit Pembrolizumab traf dies in der Studie auf etwa 40 von 100 Frauen zu, während es Cetuximab bei nur etwa 17 von 100 der Fall war. Bei Männern zeigte sich dagegen kein Unterschied.
  • Körperliche Funktion: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass mit Pembrolizumab und einer Chemotherapie behandelte Personen unter 65 Jahre auch körperliche Aktivitäten ihres Alltags wie beispielsweise Einkaufen, Essen oder Waschen schlechter bewältigen konnten. Mit Pembrolizumab traf dies auf etwa 34 von 100 Personen unter 65 Jahre zu, während es mit Cetuximab bei nur etwa 22 von 100 Personen im gleichen Alter der Fall war. Bei älteren Personen zeigte sich dagegen kein Unterschied.
  • Essen in der Öffentlichkeit: Außerdem haben nach ersten Schätzungen mit Pembrolizumab und einer Chemotherapie behandelte Personen unter 65 Jahre mehr Probleme, in der Öffentlichkeit zu essen als Personen, die Cetuximab erhielten. Mit Pembrolizumab traf dies in der Studie auf etwa 26 von 100 Personen unter 65 Jahre zu, während es mit der Standardtherapie bei nur etwa 16 von 100 Personen im gleichen Alter der Fall war. Bei älteren Personen zeigte sich dagegen kein solcher Nachteil.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Gesundheitszustand: In der Studie wurden die Patientinnen und Patienten gefragt, wie sie ihren Gesundheitszustand einschätzen. Es zeigte sich kein Unterschied.

Krankheitsbeschwerden: Bei verschiedenen Krankheitsbeschwerden gab es ebenfalls keinen (relevanten) Unterschied, zum Beispiel:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Atemnot (Dyspnoe)
  • Appetitverlust
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Durchfall (Diarrhö)
  • Schluckbeschwerden
  • Mundtrockenheit
  • Schlaflosigkeit

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Es zeigte sich kein Unterschied zwischen den Behandlungen zum Beispiel im Hinblick auf das Zusammensein mit anderen Menschen (soziale Kontakte), die Sexualität sowie darin, wie Patientinnen und Patienten ihre Gesundheit und Lebensqualität insgesamt einschätzen.

Schwere Nebenwirkungen insgesamt und Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Hier zeiget sich jeweils kein Unterschied zwischen den Behandlungen. Es hatten insgesamt etwa 85 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen, unabhängig von ihrer Behandlung. Etwa 30 von 100 Personen brachen ihre Therapie wegen Nebenwirkungen ab.