Pembrolizumab als Ersttherapie für Erwachsene mit fortgeschrittenem Lungenkrebs

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2017 geprüft, welche Vor- und Nachteile Pembrolizumab (Handelsname Keytruda) als Erstbehandlung für Erwachsene mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, deren Tumor vermehrt das Eiweiß PD-L1 bildet, hat. Für die Bewertung legte der Hersteller dem IQWiG eine relevante Studie vor, die auf eine Reihe von Fragen zumindest vorläufige Antworten gibt.

Für die vorliegende Fragestellung waren dabei die Daten von 216 Patientinnen und Patienten relevant. Die eine Hälfte erhielt eine Therapie mit Pembrolizumab, die andere Hälfte eine platinbasierte Chemotherapie. Es wurden nur Personen untersucht, die trotz fortgeschrittener Krebserkrankung noch in einem relativ guten Allgemeinzustand waren.

Für die Personen mit schlechterem Allgemeinzustand, die nicht mehr arbeitsfähig waren, legte der Hersteller keine Daten vor.

Welche Vorteile hat Pembrolizumab?

Lebenserwartung: Die Studie gibt einen Hinweis auf einen Vorteil für Pembrolizumab. In der Gruppe mit einer platinbasierten Chemotherapie war die Hälfte der behandelten Personen nach etwa 13 Monaten verstorben. Die mit Pembrolizumab behandelten Patientinnen und Patienten lebten im Durchschnitt mindestens 6 Monate länger.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Die Studie deutet auf einen Vorteil für Pembrolizumab bei einigen Aspekten der Lebensqualität hin wie der:

  • körperlichen Funktion: Mit Pembrolizumab behandelte Patientinnen und Patienten konnten Aktivitäten des Alltags wie beispielsweise Einkaufen, Essen oder Waschen länger bewältigen als die Personen mit der Chemotherapie.
  • Rollenfunktion: Es dauerte länger, bis sich Patientinnen und Patienten durch ihre Krankheit in ihrem Alltag, ihrer Freizeit oder Arbeit eingeschränkt fühlten.
  • sozialen Funktion: Die mit Pembrolizumab behandelten Patientinnen und Patienten fühlten sich in ihrem Familienleben, bei Unternehmungen mit Freunden und anderen sozialen Aktivitäten weniger beeinträchtigt als die Personen mit einer Chemotherapie.

Bei anderen Aspekten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wie beispielsweise Konzentration, Erinnerungsvermögen oder Niedergeschlagenheit konnte kein Unterschied zwischen den Therapien nachgewiesen werden.

Schwere Nebenwirkungen: In der Studie traten schwere Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Pembrolizumab später auf: Hier dauerte es nach einer ersten Abschätzung ungefähr 8 Monate, bis bei der Hälfte der Personen schwere Nebenwirkungen aufgetreten waren. Das war mit einer Chemotherapie bereits nach etwa einem Monat der Fall.

Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung: Bei diesen Krankheitsbeschwerden gibt es in der Studie einen Vorteil von Pembrolizumab. Sie traten bei der Behandlung mit Pembrolizumab später auf: Hier dauerte es knapp 16 Monate, bis bei der Hälfte der Personen Beschwerden wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen aufgetreten waren. Das war mit einer Chemotherapie schon nach knapp 5 Monaten der Fall.

Einen Vorteil von Pembrolizumab gab es auch bei den folgenden Beschwerden:

  • Schluckstörung
  • Mundschmerzen
  • Atemnot
  • Haarausfall

Welche Nachteile hat Pembrolizumab?

Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen: Die Auswertung der Daten deutet auf einen Nachteil des neuen Wirkstoffs gegenüber der Standardtherapie hin. Bei den mit Pembrolizumab behandelten Personen traten deutlich mehr schwere immunvermittelte Nebenwirkungen auf als bei den Personen, die eine Chemotherapie erhielten. Als immunvermittelte Nebenwirkungen bezeichnet man Erkrankungen, bei denen das Immunsystem gegen eigene Körperzellen aktiv wird. Dadurch können beispielsweise entzündliche Veränderungen an Organen auftreten.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Schmerzen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Durchfall und Husten: Bei diesen Krankheitsbeschwerden konnte kein Unterschied zwischen den Therapien nachgewiesen werden.

Gesundheitszustand: Auch beim Gesundheitszustand ließ sich kein Unterschied in der Studie nachweisen.

Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Es ließ sich kein Unterschied zwischen den Therapien erkennen.