Parodontitis-Behandlung: Reinigen, glätten, pflegen

Foto von Patient bei einer professionellen Zahnreinigung (PantherMedia / Robert Kneschke) Eine fortgeschrittene Parodontitis kann dazu führen, dass sich Zähne lockern und verlorengehen. Mit einer systematischen Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung meistens aufhalten. Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch eine gute Mundhygiene.

Neben einer ausreichenden Pflege von Zähnen und Zahnfleisch gibt es verschiedene zahnärztliche Möglichkeiten, Parodontitis vorzubeugen oder zu behandeln. Eine systematische Parodontitis-Behandlung besteht aus mehreren Schritten:

  • Verbesserung der Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung
  • Entfernung von Belägen und Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrands (subgingivales Scaling) und Glättung der Zahnwurzel
  • Überprüfung des Behandlungserfolgs
  • Bei Bedarf ein operativer Eingriff unter örtlicher Betäubung
  • Nachsorge

Die Kosten einer systematischen Parodontitis-Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen teilweise. Die Kostenübernahme muss jedoch vorher beantragt werden. Dazu erstellt die Zahnärztin / der Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan. Welche Leistungen dann im Einzelfall gezahlt werden, lässt sich bei der Krankenkasse erfragen.

Verbesserung der Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung

Für den Erfolg einer Parodontitis-Behandlung ist eine gute Mundhygiene entscheidend. Selbst wenn schon Zähne verlorengegangen sind, können die regelmäßige gründliche Pflege von Zähnen und Zahnfleisch sowie der Verzicht aufs Rauchen helfen, die restlichen Zähne zu erhalten. Dies ist auch wichtig, damit benötigter Zahnersatz auf Zähne mit möglichst gesundem Zahnhalteapparat gesetzt werden kann.

Zu Beginn der Behandlung wird erst einmal der richtige Einsatz von Zahnbürste, Zahnseide und Zahnzwischenraum-Bürstchen, Zahnhölzern oder -sticks besprochen. Dazu kann die Ärztin, der Arzt oder eine speziell weitergebildete Assistenzkraft den vorhandenen Zahnbelag anfärben, um ihn sichtbar machen und die Pflege besser erklären zu können.

Bei einer professionellen Zahnreinigung werden mithilfe spezieller Instrumente und / oder Ultraschallgeräte in der Regel auch Ablagerungen entfernt, die sich durch Zähneputzen nicht entfernen lassen (Zahnstein und verhärtete Ablagerungen in den Zahnfleischtaschen). Zudem können die Zähne poliert werden, um restliche Beläge, Flecken oder Ablagerungen zu entfernen und die Zahnoberfläche zu glätten. Normalerweise werden die gereinigten Zähne auch noch mit einem fluoridhaltigen Gel oder Lack behandelt.

Eine professionelle Zahnreinigung hat das Ziel, alle Zahnbeläge am Rand des Zahnfleischs zu entfernen, die ohne örtliche Betäubung entfernt werden können. Die Politur der Zahnoberflächen soll das Risiko senken, dass neue Beläge anhaften.

Subgingivales Scaling und Wurzelglättung

Manchmal bilden sich bakterielle Beläge und feste Ablagerungen (Konkremente) auch unterhalb des Zahnfleischrands, an den Oberflächen der Zahnhälse und Zahnwurzeln. Sie werden unter örtlicher Betäubung mit speziell geformten Instrumenten entfernt. Diesen Vorgang nennt man auch „subgingivales Scaling“ oder „deep Scaling“. In der Regel werden die erreichbaren Oberflächen dabei auch geglättet, um die erneute Ablagerung von Bakterien und Konkrementen zu erschweren.

Drei bis sechs Monate nach dieser sogenannten geschlossenen Behandlungsphase werden Zähne und Zahnfleisch erneut untersucht, um den Erfolg der Behandlung zu prüfen. Wenn sich die Taschentiefe nicht ausreichend verringert hat oder das Zahnfleisch weiter blutet, kann sich eine „offene“ Behandlung anschließen.

Offene chirurgische Behandlung

Bei einer offenen Behandlung wird das Zahnfleisch an den entzündeten Stellen mit kleinen Einschnitten versehen und zurückgeklappt. Dadurch ist die Wurzeloberfläche besser erreichbar und kann gründlich gereinigt und geglättet werden. Falls die Parodontitis auch den Knochen angegriffen hat, wird er ebenfalls geglättet. Anschließend wird das Zahnfleisch so vernäht, dass es wieder eng am Zahn anliegt. Für den Eingriff ist eine örtliche Betäubung nötig.

In der Regel dauert es ungefähr eine Woche, bis die Wunde verheilt ist und die Fäden gezogen werden können. Das Zahnfleisch kann sich nach der Operation zurückbilden, sodass die Zähne etwas „länger“ wirken.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diesen Eingriff unter Umständen bei einer schweren Parodontitis, wenn geschlossene Behandlung und verbesserte Zahnpflege keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben.

Bei der offenen chirurgischen Behandlung kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt zusätzlich eine biologisch abbaubare, netzartige Folie zwischen Zahnfleisch und Zahn legen. Dies soll den Aufbau von Knochenmasse unterstützen. Die Folie soll zudem verhindern, dass das schnell wachsende Zahnfleisch den Raum um den Zahn füllt, bevor sich der Zahnhalteapparat erholen konnte. Dieses Verfahren wird auch „Guided Tissue Regeneration“ (GTR) genannt. Diese Behandlung muss selbst gezahlt werden.

Eine weitere selbst zu zahlende Behandlung, die die Erholung des Zahnhalteapparats fördern soll, sind Schmelz-Matrix-Proteine, die während der Operation auf die gereinigte Wurzeloberfläche aufgetragen werden.

Wenn die Parodontitis einen Teil des Knochens um die Zahnwurzel zerstört hat, wird manchmal eine Knochentransplantation vorgeschlagen. Dabei werden während der offenen chirurgischen Behandlung kleine Teile eines anderen, eigenen Knochens oder künstlicher Knochenersatz eingepflanzt. Das Material soll dem Zahn wieder besseren Halt geben und den Aufbau von Knochenmasse unterstützen.

Nachsorge

Ein wichtiger Teil der Parodontitis-Behandlung ist die Nachsorge. Sie soll verhindern, dass die Erkrankung erneut auftritt. Bei einem Nachsorgetermin werden Zähne, Zahnfleisch und Zahnhalteapparat untersucht und man wird beraten, wie man seine Zahnpflege weiter verbessern kann. Denn einer erneuten Parodontitis lässt sich nur vorbeugen, wenn die Zähne auch zu Hause gut gepflegt werden. Das bedeutet: Mehrmals täglich die Zähne putzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraum-Bürstchen reinigen.

Die persönliche Mundhygiene kann durch eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung unterstützt werden. Die Frage, wie oft sie sinnvoll ist, kann die bisherige Forschung nicht beantworten. Je nachdem, wie gut man seine Zähne pflegt und wie schwer die Parodontitis war, werden bis zu 4 Sitzungen pro Jahr empfohlen. Zu den möglichen Nebenwirkungen einer professionellen Zahnreinigung zählen leichte Verletzungen von Zahn oder Zahnfleisch und kurzfristig empfindlichere Zähne. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass dabei auch Flecken auf den Zähnen entfernt werden können.

Im Rahmen der sogenannten unterstützenden Parodontitis-Therapie (UPT) kann über die professionelle Reinigung hinaus regelmäßig gemessen werden, wie tief die Zahnfleischtaschen sind. Je nach Untersuchungsergebnis und vorhandenen Risikofaktoren kann anschließend besprochen werden, wie sich am besten vorbeugen lässt und wann die nächste Kontrolluntersuchung ansteht.

Ist eine Desinfektion der Mundhöhle sinnvoll?

Die mechanische Reinigung kann durch eine Spülung der Mundhöhle mit Chlorhexidin ergänzt werden. Chlorhexidin ist ein antibakterieller Wirkstoff, der auch in manchen Mundspüllösungen enthalten ist. Durch diese ergänzende Behandlung soll verhindert werden, dass sich direkt nach der professionellen Zahnreinigung Keime in den Zahnfleischtaschen ansiedeln und das behandelte Zahnfleisch sofort wieder angreifen.

Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Taschentiefe etwas verringert, wenn das subgingivale Scaling durch eine anschließende Munddesinfektion ergänzt wird. Allerdings ist der Erfolg der Behandlung nicht exakt vorhersehbar, und sie hat Nachteile: Chlorhexidin ist ein stark desinfizierendes Mittel, dessen Anwendung auf Dauer zu Flecken auf den Zähnen führen kann.

Eine Senkung der Keimzahl in der Mundhöhle durch eine antibakterielle Spülung kann auch unabhängig von der professionellen Zahnreinigung Teil der Mundhygiene sein.

Was hilft anderen Menschen im Umgang mit Parodontitis?

Manche Menschen mit Zahnfleischproblemen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht genug auf ihre Zahnpflege achten oder weil sie weiter rauchen, obwohl sie wissen, dass dies auch für die Mundhygiene schädlich ist. Bei einer Parodontitis kommen Ängste hinzu, Zähne zu verlieren. Verständnisvolle Zahnärztinnen oder Zahnärzte können dabei unterstützen und ermuntern, gute Vorsätze zur Mundhygiene auch umzusetzen. Gut informiert zu sein und mit der Ärztin oder dem Arzt regelmäßig über den Verlauf der Erkrankung zu sprechen, ist vermutlich ebenfalls hilfreich. Dazu gehört auch, gemeinsam zu besprechen, was gut funktioniert und wo sich die Zahnpflege vielleicht noch verbessern lässt.

Eine gute Mundhygiene ist die wichtigste Voraussetzung, um eine Parodontitis in den Griff zu bekommen und den Zahnhalteapparat möglichst lange gesund zu halten. Regelmäßig die Zähne zu putzen, immer an die richtige Putztechnik zu denken und Zahnseide oder Zahnzwischenraum-Bürstchen nicht zu vergessen, kann lästig sein und manchmal schwierig durchzuhalten. Oft hilft es, bei der Zahnpflege tägliche Routinen einzuführen  und an ihnen festzuhalten. Vielen Menschen fällt die Zahnpflege mit der Zeit leichter, wenn sie merken, dass sich ihre Zahngesundheit dadurch verbessert.

Schlagwörter: Gingivitis, K05, Parodontitis, Parodontose, Z51, Zähne und Zahnfleisch, Zahnfleischentzündung