Operationen und Eingriffe zur COPD-Behandlung

Foto von Frau (PantherMedia / Brock Jones) Ein Eingriff an der Lunge kommt nur bei sehr fortgeschrittener Erkrankung infrage. Mit verschiedenen Verfahren kann das Volumen der Lunge verringert werden, um das Atmen zu erleichtern. Bei einer besonders schweren COPD ist unter Umständen eine Lungentransplantation möglich.

Bei einer fortschreitenden chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kann es zu einem Lungenemphysem kommen. Dabei werden die Wände der Lungenbläschen zerstört, wodurch sich größere Blasen bilden, die auch platzen können. Durch die Überblähung nimmt das Lungenvolumen zu. Dagegen verkleinert sich der gesunde Teil der Lunge, und es gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Zudem wird die Atemmuskulatur stärker beansprucht. Betroffene werden dann schneller kurzatmig, sind körperlich weniger belastbar und haben häufiger Husten mit Auswurf.

Wenn sich die Beschwerden nicht mehr anders lindern lassen, ist unter bestimmten Bedingungen eine Operation oder ein kleinerer Eingriff an der Lunge möglich. Bislang werden die verschiedenen Verfahren eher selten eingesetzt.

Lungenvolumenreduktion (LVR)

Bei diesem Eingriff werden überblähte Teile der Lunge entfernt oder verkleinert. Dadurch verringert sich das Lungenvolumen zunächst. Die gesunden Lungenabschnitte bekommen jedoch mehr Platz und können das Blut dann wieder leichter mit Sauerstoff versorgen. Die LVR soll die Atemmuskulatur entlasten, die Atmung verbessern und Atemnot lindern.

Es gibt zwei LVR-Verfahren:

  • Chirurgische Lungenvolumenreduktion: Bei dieser Methode wird über einen großen Schnitt im Bereich des Brustkorbs oder über kleine Schnitte (Schlüssellochtechnik) operiert. Dabei werden überblähte Lungenteile entfernt, die das Atmen erschweren.
  • Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion: Bei diesem Verfahren wird ein Endoskop über die Luftröhre bis in die Verästelungen der Bronchien vorgeschoben. Dazu ist keine Vollnarkose nötig; meist reicht ein starkes Beruhigungsmittel, das in einen kurzen Tiefschlaf versetzt. Um das Lungenvolumen zu verringern, können dann beispielsweise Ventile oder Spiralen (Coils) eingesetzt werden. Bei anderen Techniken wird der überblähte Teil der Lunge mit Schaum oder mit heißem Wasserdampf behandelt, damit er kleiner wird. Auch das Einsetzen von Stents (Röhrchen) ist möglich, wird in Deutschland aber kaum durchgeführt.

Diese Eingriffe eignen sich nur für Menschen mit einer schweren COPD, die

  • seit mehreren Monaten nicht mehr rauchen,
  • keine schweren Begleiterkrankungen haben,
  • nicht stark untergewichtig sind und
  • alle anderen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft haben.

Welcher Eingriff infrage kommt, hängt unter anderem von der Art des Lungenemphysems ab.

Wie gut hilft die Lungenvolumenreduktion?

Die Lungenvolumenreduktion kann Menschen mit einer COPD helfen, hat jedoch gewisse Risiken. Die Vor- und Nachteile hängen vom jeweiligen Verfahren ab. Die bronchoskopische LVR wird mittlerweile häufiger eingesetzt als die chirurgische, ist aber noch nicht so gut untersucht.

Chirurgische Lungenvolumenreduktion

Die Operation kann die Chance erhöhen, länger zu leben. In der größten Studie zu diesem Verfahren zeigte sich fünf Jahre danach:

  • Ohne Operation waren 49 von 100 Menschen gestorben.
  • Mit Operation waren 42 von 100 Menschen gestorben.

Zudem waren die operierten Patientinnen und Patienten körperlich belastbarer, hatten eine bessere Lebensqualität und seltener Atemnot. Sie kamen auch seltener wegen einer akuten Verschlechterung der Atmung (Exazerbation) in ein Krankenhaus.

Es gab aber auch Nachteile: So starben im ersten Jahr nach dem Eingriff mehr Menschen an den Folgen der Operation. Es bestehen allgemeine Operationsrisiken, wie Entzündungen oder Wundheilungsstörungen. Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien aber nicht ausreichend untersucht.

Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion

Eine bronchoskopische LVR mit Ventilen oder Spiralen (Coils) kann die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität verbessern. Nach dem Einsetzen von Spiralen kam es zudem seltener zu Atemnot. Ob der Eingriff das Leben verlängern kann, ist jedoch unklar. Die bisherigen Studien dauerten maximal ein Jahr, das ist zu kurz, um diese Frage zu beantworten.

Ein Nachteil dieses Verfahrens ist, dass es nach dem Eingriff manchmal zu einer akuten Verschlechterung der Atmung kommt. Sie kann durch das Einführen des Endoskops in die Bronchien ausgelöst werden. Zudem kann ein Lungenflügel zusammenfallen (Pneumothorax). Nach dem Eingriff kommt es oft zu leichtem Bluthusten, zudem bestehen die allgemeinen Operationsrisiken. Werden Spiralen eingesetzt, ist das Risiko für eine Lungenentzündung erhöht.

Die Vor- und Nachteile der Behandlung mit Wasserdampf, Polymerschaum und Stents sind unklarer, da zu diesen Techniken nur wenige Studien vorliegen.

Bullektomie

Dieser Eingriff ähnelt der Lungenvolumenreduktion. Im Gegensatz zur LVR werden dabei aber nur einzelne große Blasen (Bulla – lateinisch Blase) entfernt. Eine Bullektomie kommt infrage, wenn einzelne Blasen mehr als ein Drittel eines Lungenflügels ausfüllen und auf das benachbarte Gewebe drücken. Auch bei diesem Eingriff wird in der Regel minimal invasiv, das heißt über kleine Schnitte im Brustkorb operiert (Schlüssellochtechnik).

Transplantation

Eine Lungentransplantation kommt nur bei einem fortgeschrittenen Lungenemphysem infrage, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Möglichkeit zur Transplantation ist begrenzt, weil es nur selten Spenderlungen gibt. Mit einer neuen Lunge können Empfänger meist wieder deutlich besser atmen und haben eine höhere Lebensqualität.

Eine Transplantation ist mit besonderen Risiken verbunden, da die Operation sehr aufwendig ist und der Körper das neue Organ annehmen muss. Um Abstoßungsreaktionen vorzubeugen, müssen nach dem Eingriff dauerhaft Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems eingenommen werden. Sie haben zum Teil ernsthafte Nebenwirkungen.

Für eine Transplantation gibt es bestimmte Voraussetzungen: So muss das Risiko deutlich erhöht sein, in den kommenden Jahren an der COPD zu sterben – zugleich dürfen aber keine schweren Begleiterkrankungen bestehen. Man muss bereits längere Zeit nicht mehr rauchen und bereit sein, aktiv an Reha- und Trainingsmaßnahmen teilzunehmen. Da schwere Begleiterkrankungen bei Menschen über 65 Jahren stärker zunehmen, sind die meisten Patientinnen und Patienten bei einer Transplantation jünger.