Olaparib (Lynparza) bei fortgeschrittenem Brustkrebs

Einleitung

Olaparib (Handelsname Lynparza) ist seit April 2019 für Erwachsene mit HER2-negativem Brustkrebs zugelassen, der gebildet hat oder lokal fortgeschritten ist. Der Wirkstoff kommt für Personen mit einem veränderten BRCA-Gen infrage. Außerdem sollten die Betroffenen bereits mit einem Anthrazyklin und einem Taxan behandelt worden sein, sofern sie dies vertragen. Bei Hormon-Rezeptor-positivem Tumor sollte eine vorherige unwirksam gewesen oder nicht infrage gekommen sein.

Der Tumor in der Brust wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist er dafür jedoch schon zu groß oder hat Absiedlungen in anderen Körperregionen () gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Brustkrebs.

Brustkrebs wird durch Veränderungen im Erbgut der Zellen (Mutationen) verursacht. Sie betreffen bei einigen Frauen die Gene BRCA-1 oder BRCA-2. Die Abkürzung „“ steht für „Breast Cancer Gene“ (englisch für „Brustkrebsgen“).

Wie sich Brustkrebs-Zellen vermehren, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehört ein bestimmter Eiweißbaustein auf der Oberfläche der Krebszellen, der HER2-Rezeptor (humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor). HER2-Rezeptoren reagieren auf Wachstumssignale und regen so das Wachstum des Tumors an. Wenn diese auf den Zellen eines Brusttumors weniger häufig vorkommen, spricht man von HER2-negativem Brustkrebs. Ein HER2-negativer Brustkrebs wächst vergleichsweise langsam. Olaparib ist nur für Frauen mit einem HER2-negativen Brustkrebs zugelassen.

Olaparib hemmt verschiedene Eiweißstoffe, die das Krebswachstum beeinflussen.

Anwendung

Olaparib gibt es als Tablette in zwei Dosierungen (100 und 150 mg).

Es werden 2-mal täglich 2 Tabletten mit 150 mg Olaparib eingenommen. Die Tagesdosis entspricht 600 mg Olaparib.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommen Capecitabin, Vinorelbin, Eribulin oder eine mit einem Anthrazyklin oder einem Taxan infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Olaparib für Personen mit fortgeschrittenem HER2-negativem Brustkrebs mit einem veränderten BRCA-Gen Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte eine Studie vor, aus denen die Daten von 302 Patientinnen und Patienten ausgewertet werden konnten. In der Studie erhielten 205 Personen Olaparib und 97 Personen eine mit Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin.

Welche Vorteile hat Olaparib?

Lebenserwartung: Die Studie deutet darauf hin, dass Olaparib das Leben von Patientinnen und Patienten verlängern kann, wenn diese zuvor noch keine für den metastasierenden Brustkrebs erhalten haben: Die Personen, die Olaparib einnahmen, verstarben im Mittel () nach etwa 23 Monaten. Die Personen, die die Standardtherapie erhielten, starben im Mittel () nach ungefähr 15 Monaten.

Bei Betroffenen, die vor der Studie bereits eine erhalten hatten, zeigte sich dagegen kein Unterschied in der Lebenserwartung. Sie verstarben im Mittel () nach etwa 18 Monaten – unabhängig davon, welche Behandlung sie erhielten.

Schwere Nebenwirkungen und Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Erste Schätzungen deuten hier auf einen Vorteil von Olaparib hin. Mit Olaparib traten bei etwa 38 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf. Etwa 5 von 100 der Teilnehmenden brachen die wegen Nebenwirkungen ab. Mit der Standardtherapie hatten hingegen etwa 50 von 100 Personen mit schweren Nebenwirkungen zu tun und etwa 8 von 100 brachen die Behandlung ab. Zu den schweren Nebenwirkungen gehören zum Beispiel schwere Gefäßerkrankungen und schwere Neutropenien, bei denen der Körper zu wenig Abwehrzellen hat.

Als Nebenwirkung der Behandlung können außerdem auftreten

  • Hand-Fuß-Syndrom: Als Hand-Fuß-Syndrom bezeichnet man eine schmerzhafte Schwellung und Rötung der Hand- und Fußsohle. Die Studie deutet hier auf einen Vorteil von Olaparib hin: Von den Personen, die Olaparib erhielten, bekam etwa eine von 100 ein Hand-Fuß-Syndrom. Demgegenüber waren es in der anderen Behandlungsgruppe etwa 21 von 100 Personen.
  • Haarausfall: Erste Schätzungen weisen auf einen Vorteil von Olaparib hin: Von den Personen, die Olaparib erhielten, bekamen etwa 3 von 100 Haarausfall (Alopezie). Demgegenüber waren es in der anderen Behandlungsgruppe etwa 13 von 100 Teilnehmenden.
  • Allgemeine Beschwerden: Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass allgemeine Beschwerden wie zum Beispiel Fieber und Erschöpfung () mit Olaparib später auftraten als mit der Standardtherapie.

Welche Nachteile hat Olaparib?

Schwere : Erste Schätzungen weisen bei dieser schweren Nebenwirkung auf einen Nachteil hin: In der Gruppe, die mit Olaparib behandelt wurde, hatten etwa 16 von 100 Personen eine schwere (). In der Gruppe, die die Standardtherapie erhielt, war das bei etwa 4 von 100 Personen der Fall.

Übelkeit war nach ersten Schätzungen häufiger bei den Teilnehmenden, die Olaparib einnahmen. Hier traten diese Beschwerden im Mittel () nach knapp 2 Monaten auf. In der anderen Gruppe war dies im Mittel () nach 15 Monaten der Fall.

Welche Fragen sind noch offen?

Die Studie liefert keine geeigneten Daten zum Einfluss von Olaparib auf:

  • Krankheitsbeschwerden
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Olaparib (Lynparza).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Olaparib (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V . Dossierbewertung; Auftrag A19-57. 11.10.2019. (IQWiG-Berichte; Band 825).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Olaparib (Mammakarzinom) – Addendum zum Auftrag A19-57; Auftrag A19-97. 12.12.2019. (IQWiG-Berichte; Band 852).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Aktualisiert am 16. Januar 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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