Ocrelizumab (Ocrevus) für Personen mit schubförmiger Multipler Sklerose

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, welche Vor- und Nachteile Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus) für Personen mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RMS) im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Zu dieser Fragestellung legte der Hersteller zwei Studien vor, aus denen die Daten von insgesamt 1377 Personen ausgewertet werden konnten. Von diesen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde die eine Hälfte mit Beta-Interferon behandelt, während die andere Hälfte Ocrelizumab erhielt. Die untersuchten Personen hatten im Schnitt in den letzten zwei Jahren vor Studienbeginn etwa 2 Krankheitsschübe gehabt. Nach etwa drei Jahren und acht Monaten zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Ocrelizumab?

  • Krankheitsschübe: Die Studien belegen, dass Ocrelizumab Vorteile hat. Bei Personen unter 40 Jahren traten über die Hälfte weniger Schübe auf als bei mit Beta-Interferon behandelten Personen. Bei älteren Teilnehmenden war der Vorteil kleiner.
  • Schwere Nebenwirkungen: Auch hier belegen die Studien einen Vorteil für die unter 40-jährigen Personen: Traten schwere Nebenwirkungen mit Ocrelizumab bei etwa 4 von 100 Personen auf, war dies mit Beta-Interferon bei etwa 7 von 100 Personen der Fall. Bei den Personen ab 40 Jahren zeigte sich kein Unterschied.
  • Auch bei Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen gibt es einen Vorteil. Mit Ocrelizumab brachen etwa 4 von 100 Personen die Behandlung ab, mit Beta-Interferon waren es etwa 7 von 100 Personen.
  • Grippeähnliche Erkrankungen und Hautreaktionen an der Einstichstelle: Beta-Interferon wird von Patientinnen und Patienten in kürzeren Abständen selbst gespritzt. Dadurch kommt es häufiger zu diesen Beschwerden als bei der Infusions-Behandlung mit Ocrelizumab.

Welche Nachteile hat Ocrelizumab?

  • Nebenwirkungen: Hier belegen die Studien einen Nachteil für Ocrelizumab. Während der Infusion traten mit Ocrelizumab bei etwa 33 von 100 Personen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit oder Atemnot infolge der Infusion auf. Bei Behandlung mit Beta-Interferon war dies bei etwa 9 von 100 Personen der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Die Lebenserwartung unterschied sich nicht. Während der Studienzeit verstarb eine Person.
  • Bei den folgenden Aspekten zeigte sich kein Unterschied zwischen den Therapien:
    • Erschöpfung
    • Gesundheitszustand
    • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • Depression

Welche Fragen sind noch offen?

  • Krankheitsfolgen und Lebensqualität: Beim Einfluss auf krankheitsbedingte körperliche Einschränkungen gab es einen Vorteil für Ocrelizumab im Vergleich zu Beta-Interferon. Dieser Unterschied war jedoch so gering, dass es offen bleibt, ob die Verbesserungen für Patientinnen und Patienten spürbar sind.