Einleitung

Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus) ist seit Februar 2018 für Erwachsene mit Multipler Sklerose zugelassen.

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung, bei der das eigene Immunsystem Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark schädigt. Dies kann zu Gefühlsstörungen, Müdigkeit, Schmerzen in Armen und Beinen, Lähmungserscheinungen, Schwindel und Zittern führen.

Eine MS kann in verschiedenen Formen auftreten:

  • Schubförmig-remittierend (Relapsing-Remitting MS, RRMS): Diese Form verläuft schubweise mit akuten Krankheitsphasen und beschwerdefreien Intervallen. Remittierend bedeutet, dass sich die Beschwerden nach einem Schub vollständig oder zumindest teilweise wieder zurückbilden. Wenn viele Schübe in kurzer Zeit auftreten, sprechen Fachleute von einem hochaktiven Verlauf. Eine schubförmige MS kann in eine Phase übergehen, in der die Symptome allmählich oder in Schüben zunehmen, sich dann aber nicht mehr zurückbilden. Diese wird dann sekundär fortschreitende MS (Secondary Progressive MS, SPMS) genannt.
  • Primär fortschreitend (Primary Progressive MS, PPMS): Bei dieser seltenen Form der MS werden die Beschwerden ständig stärker, in der Regel ohne abgrenzbare Schübe. Auch bei dieser Form gehen die Symptome nicht zurück.

Ocrelizumab ist für Patientinnen und Patienten mit schubförmiger und primär fortschreitender MS in einem frühen Stadium zugelassen. Ocrelizumab beeinflusst das Immunsystem, um die Schädigung der Nerven zu verlangsamen.

Anwendung

Vor der Behandlung mit Ocrelizumab erhalten Patientinnen und Patienten ein Glucokortikoid und ein Antihistaminikum, manchmal auch Paracetamol. Diese Medikamente sollen mögliche Nebenwirkungen lindern. Ocrelizumab wird dann in einer Dosierung von 300 mg als Tropf (Infusion) in eine Vene verabreicht. Nach zwei Wochen wird die Behandlung wiederholt. Etwa sechs Monate später erfolgt die nächste Gabe in einer Dosierung von 600 mg. Danach wird Ocrelizumab alle sechs Monate verabreicht. Die Infusion dauert 2,5 bis 3,5 Stunden. Während der Gabe und eine Stunde danach sollte die Patientin oder der Patient beobachtet werden, um bei Nebenwirkungen schnell reagieren zu können.

Andere Behandlungen

Für Personen mit RMS stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Dazu gehören vor allem Beta-Interferon und Glatirameracetat. Für Personen mit hochaktiver RMS, bei denen es trotz Behandlung vermehrt zu Schüben kommt, können zudem die Wirkstoffe Alemtuzumab, Fingolimod oder Natalizumab eingesetzt werden.

Für Erwachsene mit PPMS in einem frühen Stadium kommt eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC) infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden der Erkrankung lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, welche Vor- und Nachteile Ocrelizumab im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien für Personen mit RMS, hochaktiver RMS oder PPMS in frühem Stadium hat.

Der Hersteller legte dem IQWiG zu folgenden Gruppen verwertbare Daten vor:

  • Nicht vorbehandelte und bereits behandelte Personen mit schubförmiger MS, bei denen die Erkrankung aktiv bleibt.
  • Personen mit primär fortschreitender MS in frühem Stadium.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ocrelizumab (Ocrevus).