Einleitung

Foto von Mann (Thinkstock Images / Photos.com) Jeder kennt solche Phasen: Nachts halten Lärm, Sorgen oder Stress vom Schlafen ab, und am nächsten Tag lähmt die Müdigkeit. Was jedoch, wenn man eigentlich ausreichend lange schläft und sich am nächsten Tag dennoch wie gerädert fühlt? So geht es vielen Menschen, die eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) haben: Sie bekommen – meist ohne es zu merken – beim Schlafen schlecht Luft, haben Atemaussetzer und sind tagsüber sehr schläfrig. Dies erhöht auf Dauer das Risiko für andere Erkrankungen und kann die Lebensqualität enorm beeinträchtigen.

Symptome

Menschen mit einer obstruktiven Schlafapnoe schnarchen meist sehr laut und haben während des Schlafs regelmäßig eine flache Atmung (Hypopnoe) und Atemaussetzer (Apnoen), die länger als zehn Sekunden dauern. Schnarchen an sich ist harmlos. Erst wenn Atemaussetzer hinzukommen, spricht man von einer Schlafapnoe.

Weitere Symptome, die auf eine Schlafapnoe hinweisen können, sind

  • nächtliches Schwitzen und häufiges Wasserlassen,
  • plötzliches Erwachen, manchmal mit Herzrasen und Luftnot,
  • trockener Mund beim Aufwachen,
  • Kopfschmerzen am Morgen,
  • starke Müdigkeit während des Tages und
  • Konzentrationsstörungen.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Schlafapnoe entsteht, wenn die Muskulatur in den oberen Atemwegen erschlafft. Dadurch verengt sich der Atemweg im Rachenbereich oder blockiert sogar ganz, wodurch beim Ein- und Ausatmen laute Schnarchgeräusche entstehen.

Durch diese Atmungsstörung wird der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Zusätzlich sinken der Puls und der Blutdruck. Das Atemzentrum im Gehirn schlägt Alarm und löst einen Weckreiz aus: Man wacht kurz auf, meist ohne es zu merken. Dadurch wird der Schlafrhythmus unterbrochen, das Herz beginnt schneller zu schlagen und der Blutdruck steigt. Diese kurze Aufweckreaktion wird auch „Arousal“ genannt. Wenn sie in einer Nacht wiederholt auftritt, kann sie verhindern, in den Tiefschlaf zu fallen, der die Nachtruhe erst erholsam macht.

 

Grafik: Normale Atmung

 

Grafik: Obstruktive Schlafapnoe - wie im Text beschrieben

 

Neben starkem Übergewicht spielen auch Besonderheiten im Mund- und Rachenraum häufig eine Rolle. Dazu gehören vergrößerte Mandeln, ein zu kleiner Unterkiefer, die Lage der Zunge und ein kleines Gaumensegel. Manchmal ist auch die Nasenatmung gestört. Die Rückenlage im Schlaf kann Schnarchen und Atmungsstörungen begünstigen, ist aber selten die alleinige Ursache.

Auch ein übermäßiger Alkoholkonsum sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel lassen die Atemmuskulatur erschlaffen und können eine Schlafapnoe verstärken. Die Wahrscheinlichkeit, an einer obstruktiven Schlafapnoe zu erkranken, nimmt etwa ab dem 45. Lebensjahr stetig zu.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge haben 4 von 100 Männern und 2 von 100 Frauen im mittleren Alter eine obstruktive Schlafapnoe, die zu Beschwerden führen.

Folgen

Eine ausgeprägte Schlafapnoe führt dazu, dass man sich ständig schlapp und müde fühlt. Ein wenig erholsamer Schlaf schlägt zudem nicht nur kurzfristig auf die Stimmung. Wer sich insgesamt nicht so wohl fühlt wie Menschen, die meistens gut schlafen, entwickelt möglicherweise auch eher eine Depression.

Menschen mit einer obstruktiven Schlafapnoe haben häufiger Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie haben daher ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen zu bekommen.

Atemaussetzer führen nicht in jedem Fall zu Beschwerden oder gesundheitlichen Risiken. Kommen sie nur hin und wieder vor, dauern nur kurz an und verursachen keine Tagesmüdigkeit, sind sie in der Regel kein Anlass zur Beunruhigung. Es kann aber sinnvoll sein, die Atmungsstörungen zu beobachten und sich untersuchen zu lassen, wenn anhaltende Beschwerden auftreten.

Diagnose

Beim Verdacht auf eine OSA fragen Ärztinnen und Ärzte zunächst nach dem Ausmaß der Beschwerden und nach den Lebensgewohnheiten. Meist schließt sich eine allgemeine körperliche Untersuchung an. Es kann sein, dass man in der Arztpraxis ein tragbares Messgerät erhält. Das Gerät misst nachts während des Schlafs beispielsweise die Atmung, die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung im Blut, das Schnarchen und die Körperlage. Zeigen sich dabei Auffälligkeiten, kann eine weitere Untersuchung in einem Schlaflabor sinnvoll sein.

Schlaflabore verfügen über Patientenzimmer, die für eine oder mehrere Nächte genutzt werden können. Hier wird der Schlaf mit Aufzeichnungsgeräten und einer Videokamera überwacht. Neben Atmung, Puls, Blutdruck und Sauerstoff im Blut werden auch die Augen- und Beinbewegungen im Schlaf und die Hirnströme erfasst. Anhand der Messergebnisse lassen sich die verschiedenen Schlafstadien beurteilen: wie lange und wie gut jemand geschlafen hat und ob es genügend Tief- und Traumschlafphasen gab. Bei Menschen mit einer Schlafapnoe kann man aufzeichnen, wie häufig die Atemaussetzer sind, wie lange sie dauern, in welchen Schlafstadien und welcher Körperlage sie auftreten. Außerdem wird geprüft, wie sie sich auf das Herz-Kreislauf-System und den Sauerstoffgehalt im Blut auswirken.

Behandlung

Bei starkem Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Schlafapnoe lindern. Daneben werden viele verschiedene Behandlungen angeboten, die eine Schlafapnoe lindern sollen. Dazu zählen Apparate zur nächtlichen Atmungsunterstützung, Operationen und spezielle Hilfsmittel wie Unterkieferschienen. Für einige Behandlungen gibt es wissenschaftliche Belege, dass sie bei einer Schlafapnoe helfen können. Medikamente spielen bei der Behandlung der Schlafapnoe derzeit keine Rolle. Der Nutzen der bisher verfügbaren Mittel ist nicht belegt.

Die wirksamste Behandlung einer schweren Schlafapnoe ist die sogenannte CPAP-Therapie. CPAP steht für „continuous positive airway pressure“ (kontinuierlicher Atemwegsüberdruck). Bei dieser Behandlung wird nachts mit einem leichten Überdruck Raumluft in die Atemwege gepumpt. Die Betroffenen tragen während des Schlafs eine Atemmaske, die an ein Atemgerät angeschlossen ist. Der leichte Überdruck hält die oberen Atemwege offen. Wer das Gerät nutzt, hat keine oder nur noch wenige Atemaussetzer. Dies kann spürbar die Beschwerden senken, etwa die Tagesmüdigkeit verringern. Häufige Nebenwirkungen der Behandlung sind ein trockener Hals und eine gereizte, manchmal verstopfte Nase.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Eine obstruktive Schlafapnoe kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Wer schlecht schläft, fühlt sich tagsüber oft müde und „wie gerädert“. Manche Menschen fallen dann auch am Tage unfreiwillig in einen sogenannten Sekundenschlaf. Das passiert vor allem bei sitzenden Tätigkeiten und in ruhigen, eher passiven Situationen, zum Beispiel während eines Konzertbesuchs, beim Lesen oder vor dem Fernseher. Gefährlich wird es, wenn man am Steuer eines Autos einnickt. Zu wenig Schlaf kann zudem zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen.

Eine Schlafapnoe kann die Partnerschaft belasten, wenn das laute Schnarchen den Schlaf des Partners stört und auch sie oder er tagsüber müde und gereizt ist. Zudem können die Atemaussetzer Angst um den Partner auslösen.

Die CPAP-Therapie, die die Beschwerden am besten lindern kann, ist gewöhnungsbedürftig: Nicht jeder mag sich damit abfinden, jede Nacht eine Atemmaske zu tragen. Ein Schulungsprogramm kann helfen, mit der CPAP-Therapie zurechtzukommen. Vielleicht hilft es auch, sich im Rahmen einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen. Selbsthilfegruppen für Menschen mit Schlafapnoe gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten. Wichtig ist vor allem, etwas Geduld zu haben und sich bei Problemen Unterstützung zu holen. Wenn es gelingt, die Atemtherapie zu einem Teil der Alltagsroutine zu machen, kann sie die Lebensqualität deutlich erhöhen.

Weitere Informationen

Informationen über regionale Beratungs- und Hilfsangebote erhalten Sie von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD).

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