Einleitung

Foto von Frau mit Nackenschmerzen (PantherMedia / Martin Novak)

Akute Nackenschmerzen sind weit verbreitet und normalerweise kein Grund zur Sorge. Oft sind Muskelverspannungen der Auslöser, zum Beispiel nach langer Computerarbeit, wenn man Zugluft ausgesetzt war oder im Schlaf ungünstig gelegen hat. Häufig ist aber keine eindeutige Ursache erkennbar. Akute Nackenschmerzen klingen in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Bei manchen Menschen kehren sie nach bestimmten Belastungen wieder, etwa nach der Arbeit oder intensivem Sport.

Wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten, spricht man von chronischen Nackenschmerzen. Oft sind psychische Belastungen und Stress im Spiel, wenn Nackenschmerzen chronisch werden.

Manche Menschen mit Nackenschmerzen befürchten, dass ihre Beschwerden zunehmen oder sie sich verletzen könnten, wenn sie körperlich aktiv bleiben. Solange es keine Warnzeichen für ernsthafte Probleme gibt, besteht aber kein Anlass zur Sorge. Es ist sogar wichtig, trotz Schmerzen in Bewegung zu bleiben und wie gewohnt dem Alltag nachzugehen. Den Nacken gezielt zu trainieren, kann Nackenschmerzen vorbeugen.

Symptome

Man unterscheidet grob zwei Formen von Nackenschmerzen:

  • Axiale Schmerzen treten vor allem im Bereich der Halswirbelsäule auf; manchmal reichen sie auch bis zu den Schultern.
  • Radikuläre Schmerzen strahlen entlang von Nervenbahnen aus, zum Beispiel in den Hinterkopf oder bis in einen Arm. Diese Schmerzen werden meist durch gereizte Nerven ausgelöst – zum Beispiel, weil eine veränderte Bandscheibe der Halswirbelsäule auf einen Nerv drückt. Das kann dann auch die Reflexe und die Muskelkraft im Arm beeinträchtigen oder zu Kribbeln führen.

Nur sehr selten weisen Nackenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung oder einen Notfall hin. Bei folgenden Situationen und Anzeichen ist aber rasche ärztliche Hilfe wichtig:

  • vorangegangener Unfall
  • Genickstarre
  • Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • Kopfschmerzen mit gleichzeitiger Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Lichtempfindlichkeit
  • gleichbleibend starke Schmerzen in Ruhe wie bei Bewegung
  • unerklärlicher Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost
  • Nervenstörungen und Lähmungserscheinungen wie zum Beispiel Ameisenlaufen oder Probleme, den Arm oder die Finger zu bewegen

Auch dauerndes Kribbeln, häufig eingeschlafene Hände oder Beine, Schwäche in den Beinen und Probleme mit der Balance beim Gehen sind Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Ursachen

Nackenschmerzen können viele Ursachen haben. Dazu gehören:

  • Eine schwache Halsmuskulatur und Überlastung: Zum Beispiel kann langes Sitzen am Schreibtisch – oft in ungünstiger Haltung und mit dauernd leicht angespannten Muskeln – zu Schmerzen und Steifheit im Nacken- oder Schulterbereich führen, manchmal auch zu Kopfschmerzen. Auch Arbeiten, bei denen der Kopf in den Nacken gelegt wird wie etwa beim Decken streichen, oder bestimmte Sportarten wie Rennradfahren oder Brustschwimmen mit erhobenem Kopf können Muskelprobleme auslösen.
  • Verschleiß der Halswirbelsäule: Im Laufe des Lebens treten an der Wirbelsäule verschiedene, normale Verschleißerscheinungen auf: Die Bandscheiben werden dünner und es können sich kleine Zacken an den Rändern der Wirbelkörper bilden. Dies nennt sich Osteochondrose. Eine Arthrose an den Wirbelgelenken bezeichnet man als Spondylarthrose. Durch diese Veränderungen kann die Beweglichkeit der Halswirbelsäule abnehmen, sie lösen aber allein eher selten Nackenschmerzen aus.
  • Schleudertrauma: Diese Verletzung kann bei Auffahrunfällen im Auto entstehen. Durch einen heftigen Aufprall wird der Kopf rasch vor und zurück geschleudert. Die Folge sind meist kleine Verletzungen im Muskel- und Bindegewebe, schmerzhafte Verspannungen und eingeschränkte Beweglichkeit für einige Tage. Meist bilden sich die Symptome bald wieder vollständig zurück.
  • Verengung des Wirbelkanals oder Bandscheibenvorfall: Wenn der Wirbelkanal verengt ist oder vorgewölbtes oder ausgetretenes Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel drückt, kann es zu Nackenschmerzen kommen, die in die Schulter oder den Arm ausstrahlen. Ein Bandscheibenvorfall kann, muss aber nicht zu Beschwerden führen.

Nackenschmerzen können zudem als Begleiterscheinung bei entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule, Problemen im Kiefergelenk oder starken Kopfschmerzen auftreten.

Oft ist es nicht möglich, eine eindeutige Ursache für Nackenschmerzen auszumachen: Die Knochen, Bänder und Nerven der Halswirbelsäule liegen so eng beieinander, dass sich meist nur schwer beurteilen lässt, was letztlich die Beschwerden auslöst.

Wenn sich kein bestimmter Grund finden lässt, spricht man von „unspezifischen Nackenschmerzen“. Gerade bei chronischen Nackenschmerzen ist die Ursache oft unklar.

 

Grafik: Aufbau der Halswirbelsäule: Knochen, Bandscheiben und NervenAufbau der Halswirbelsäule: Knochen, Bandscheiben und Nerven

Häufigkeit und Verlauf

Nackenschmerzen sind sehr häufig: Nach Schätzungen hat etwa jeder Dritte einmal im Jahr damit zu tun, Frauen öfter als Männer. Meist sind die Beschwerden harmlos und verschwinden nach einer Weile von selbst wieder. Sie können aber auch immer wieder auftreten.

Grundsätzlich steigt mit dem Alter das Risiko, dass die Nackenschmerzen zu einem längerfristigen Problem werden. Auch bei Menschen, die bereits mit Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall zu tun hatten, sind Nackenschmerzen oft hartnäckiger.

Wie lange Nackenschmerzen nach einem Schleudertrauma anhalten, hängt unter anderem von der Stärke des Aufpralls ab. Menschen, die der Unfall psychisch sehr belastet oder die sich große Sorgen über die Folgen machen, haben oft längere und stärkere Beschwerden.

Diagnose

In der Arztpraxis werden zunächst einige Fragen gestellt – etwa, ob man zuvor einen Unfall hatte, wo genau es schmerzt und ob besondere körperliche Belastungen oder starker Stress eine Rolle spielen könnten.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung geht es erst einmal darum, ernsthafte Ursachen auszuschließen. Dazu tastet die Ärztin oder der Arzt den Hals und Nacken ab, untersucht die Beweglichkeit des Kopfes, die Reflexe und die Muskelkraft in Armen und Schultern.

Eine Röntgenuntersuchung, Computer- oder Kernspintomografie ist normalerweise nur nötig, wenn es Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung gibt oder ein Verdacht auf eine spezifische Ursache besteht. Fehlen solche Hinweise, helfen Röntgenaufnahmen normalerweise nicht weiter, weil sich aus den Bildern keine verlässlichen Schlüsse ableiten lassen: Einerseits haben viele Menschen sichtbare Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule, aber keinerlei Beschwerden. Andererseits sind bei Menschen mit Nackenschmerzen oft keine oder nur leichte Veränderungen zu sehen. Bei unspezifischen Nackenschmerzen sind Röntgen- und andere bildgebende Untersuchungen daher nicht aussagekräftig.

Behandlung

Die Wirksamkeit der meisten Behandlungen bei unspezifischen Nackenschmerzen ist nicht ausreichend untersucht. Wärmeanwendungen, zum Beispiel mit Wärmflaschen oder Kissen sind eine einfache Möglichkeit, die man ausprobieren kann, um die Schmerzen zu lindern. Weitere Möglichkeiten sind Dehn- und Kräftigungsübungen, Massagen oder Schmerzmittel.

Eine Operation kommt nur infrage, wenn eine eindeutige Ursache festgestellt wurde, die sich durch einen Eingriff möglicherweise beheben lässt. Eine Operation kann zum Beispiel infrage kommen, wenn Bandscheibengewebe auf einen Nerv drückt. Bandscheibenvorfälle bilden sich aber oft von allein zurück, weshalb eine Operation meist keinen großen Vorteil hat. Hinzu kommt, dass Eingriffe im Bereich der Halswirbelsäule auch Risiken haben. Deshalb ist es wichtig, die Vor- und Nachteile einer Operation sorgfältig abzuwägen.

Bei starken chronischen Schmerzen kann eine Schmerzbehandlung sinnvoll sein. Sie wird von Ärztinnen, Ärzten oder psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten angeboten, die sich auf die Betreuung von Menschen mit langanhaltenden oder starken Schmerzen spezialisiert haben. Eine Schmerzbewältigungstherapie kann dabei helfen, so mit den Beschwerden umzugehen, dass sie nicht mehr den Alltag bestimmen.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.