Mit Beschwerden umgehen

Foto von Frau beim Yoga (PantherMedia / wernerimages) Der Alltag mit einer schweren Erkrankung bedeutet auch, mit bestimmten Beschwerden umgehen zu lernen und so gut es geht zu versuchen, sie zu lindern. Eine angepasste Ernährung und regelmäßige Bewegung können dabei helfen.

Jeden Tag auf das eigene körperliche und seelische Wohlbefinden zu achten, ist bei einer Erkrankung wie metastasiertem Brustkrebs besonders wichtig. Möglichkeiten, die Behandlung aktiv zu begleiten und sich eine gute Lebensqualität zu erhalten, sind zum Beispiel möglichst regelmäßige Bewegung und eine bekömmliche, ausgewogene Ernährung. Sie können auch helfen, Beschwerden wie Erschöpfung, Gewichtsschwankungen, Übelkeit oder Verstopfung zu lindern.

Körperliche Beschwerden führen oft dazu, dass das sexuelle Verlangen abnimmt. Dennoch bleiben körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Frauen wichtig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die dabei helfen können, das Gefühl für den eigenen Körper und seine Bedürfnisse zu bewahren.

Was kann bei Fatigue helfen?

Eine metastasierte Krebserkrankung und ihre Behandlung können zur sogenannten Fatigue führen. Einige Frauen sind kaum von dieser als zeitweise überwältigend empfundenen Erschöpfung und Müdigkeit betroffen, bei anderen ist sie stark ausgeprägt, bleibt länger bestehen oder tritt immer wieder auf.

Eine schwere Fatigue kann den Alltag und die Lebensqualität erheblich einschränken. Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressive Verstimmungen können damit verbunden sein. Die Ursachen sind nicht genau bekannt; man nimmt an, dass ein ganzes Bündel aus körperlichen und psychischen Belastungen dafür verantwortlich ist. So können die Erkrankung und deren Behandlung beispielsweise zu einem Gewichtsverlust und abnehmender Kraft führen.

Im Gegensatz zu normaler Müdigkeit lässt sich Fatigue nur sehr begrenzt durch Ruhe und Schlaf verringern. Auch wenn es paradox klingt: Angepasste körperliche Bewegung wie regelmäßiges Spazierengehen oder leichte Gymnastik lindern die Erschöpfung eher. Manchmal ist auch Kraft- oder Ausdauertraining möglich. Die folgenden Ansätze könnten außerdem helfen, mit Fatigue zurechtzukommen:

  • Den Tagesablauf planen: tageszeitliche Schwankungen der eigenen Kräfte beobachten und Aktivitäten sowie Pausen danach ausrichten.
  • Prioritäten setzen: weniger Dringendes verschieben und weniger Wichtiges an andere abgeben.
  • Eins nach dem anderen angehen: Aktivitäten in kleine Schritte aufteilen, sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren.
  • Praktische Unterstützung organisieren: sich zum Beispiel im Alltag von einer Haushaltshilfe Unterstützung holen.
  • Sich ablenken: sich mit angenehmen Dinge beschäftigen, zum Beispiel Musik hören, lesen, fernsehen.
  • Tagsüber nicht zu viel schlafen: um den Nachtschlaf nicht zu beeinträchtigen, tagsüber möglichst nur kurze Nickerchen halten und auf längere Schlafpausen verzichten.

Was ist bei körperlicher Bewegung wichtig?

Regelmäßige körperliche Bewegung kann manchen Frauen helfen, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten oder wieder zu verbessern. Ein angepasstes Bewegungsprogramm ist eine Möglichkeit, Erschöpfungszustände zu mildern und den Schlaf zu verbessern, die Stimmung aufzuhellen und den eigenen Körper wieder positiver wahrzunehmen. Gezielte Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung können nach einer Operation helfen, die Beweglichkeit und Muskelkraft wieder zu verbessern. Bewegung kann auch Beschwerden durch ein Lymphödem günstig beeinflussen.

Bei einer metastasierten Erkrankung ist es wichtig, mit dem Behandlungsteam abzustimmen, welche körperlichen Aktivitäten möglich und sinnvoll sind. Dies können beispielsweise regelmäßige Spaziergänge, Schwimmen, Wandern, Tanzen, Gymnastik oder auch gezieltes Krafttraining sein. Wichtig ist, dass Sie Spaß an der Bewegung haben, sich dabei wohl fühlen und nicht überfordern.

Im Rahmen der Krebsnachsorge gibt es auch die Möglichkeit, an speziellen Sportangeboten teilzunehmen. Die Teilnahme kann als Rehabilitationssport ärztlich verordnet und dann von den Krankenkassen bezahlt werden. Angebote in Ihrer Nähe finden Sie beispielsweise über Krebsberatungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen vor Ort.

Manchen Frauen fällt es schwer, sich zu bewegen oder finden es deprimierend, wenn sie keine Fortschritte sehen. Wenn es Ihnen auch so geht, ist eine Möglichkeit, eine Weile auszusetzen. Vielleicht verspüren Sie nach einiger Zeit wieder Lust auf mehr Bewegung und nehmen Ihre Aktivitäten wieder auf. Wichtig ist, dass Ihnen das, was Sie tun, guttut.

Kann Ernährung unterstützen?

Viele Menschen glauben, dass bestimmte Ernährungsweisen oder Diäten Krebs vorbeugen oder zur Heilung beitragen können. Untersuchungen zum Einfluss der Ernährung auf Brustkrebs konnten bisher jedoch keine Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko oder den Krankheitsverlauf finden. Das bedeutet: Es gibt keine bestimmten Nahrungsmittel oder Ernährungsweisen, die eine Krebserkrankung heilen oder abbremsen können.

Normalerweise sind keine Nahrungsergänzungsmittel nötig. Alles, was der Körper an Nährstoffen braucht, kann in der Regel über die normale Nahrung aufgenommen werden. Der Kalorienbedarf von Menschen mit einer Krebserkrankung unterscheidet sich nicht grundsätzlich vom Bedarf gesunder Menschen.

Bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung kann es allerdings anstrengend sein, regelmäßig und ausreichend zu essen und zu trinken. Durch die Erkrankung und die Behandlung fehlen manchmal der Appetit und der Durst, zudem kann sich der Geschmack verändern.

Wichtig ist, dass Sie essen, worauf Sie Lust haben und was Ihnen schmeckt. Wenn es Ihnen an manchen Tagen schwerfällt, überhaupt etwas zu essen, können Sie versuchen:

  • viel zu trinken: neben Wasser zum Beispiel auch Milch, Tee, Gemüse- oder Obstsäfte oder Brühe. Es kann helfen, sich eine große Kanne oder Karaffe mit einem Getränk zuzubereiten und sich als Ziel zu setzen, sie mindestens einmal am Tag auszutrinken.
  • statt drei Hauptmahlzeiten mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
  • leicht verdauliche Lebensmittel wie Weißbrot, klare Brühe und Joghurt zu essen – auch bei Übelkeit.
  • feste Nahrung durch Trinknahrung, pürierte oder leicht zu kauende Lebensmittel zu ersetzen (zum Beispiel Smoothies, Trinkhaferflocken, Grieß- oder Kartoffelbrei, Rührei, Pudding).
  • kleine Snacks bereitzuhalten, die Sie essen können, sobald Sie Appetit verspüren (zum Beispiel Nüsse, Müsliriegel, Trockenfrüchte, Käsestückchen).

Falls Sie mehrere Tage nichts Festes essen konnten, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen.

Was tun bei Verstopfung und Gewichtsproblemen?

Bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung kann es häufiger zu Verstopfungen kommen. Die Ursachen können unter anderem Nebenwirkungen der Medikamente sein, aber auch zu wenig Bewegung, eine ballaststoffarme Ernährung oder zu geringe Flüssigkeitsaufnahme.

Nicht täglich Stuhlgang zu haben, ist in der Regel unproblematisch. Wichtiger als die Häufigkeit sind mögliche Beschwerden wie Bauchschmerzen oder das Gefühl, sich nicht richtig oder nur mit großer Anstrengung entleeren zu können.

Bei Problemen mit Verstopfung können Sie unter anderem versuchen, viel zu trinken und wenn möglich Lebensmittel mit etwas mehr Ballaststoffen zu sich zu nehmen wie Vollkornprodukte, Gemüse, Früchte und Nüsse oder Kerne. Ob ein Abführmittel infrage kommt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Bei Beschwerden, starker Gewichtszunahme oder ungeplantem Gewichtsverlust kann eine ärztlich abgestimmte Ernährungsberatung helfen, die passende Ernährung zu finden. Krebszentren, Rehakliniken, einige Krankenhäuser, Krankenkassen und Ernährungsberatungsstellen bieten oft ernährungsmedizinische Hilfe und Unterstützung an.

Ein Ernährungstagebuch kann helfen herauszufinden, was und wie viel Sie tatsächlich essen oder trinken. Um festzustellen, wie viel Energie Sie verbrauchen, können Sie darin auch festhalten, wie viel Sie sich bewegen und ob Sie zum Beispiel spazieren gehen oder Gymnastik machen. Zusätzlich können Sie Beschwerden wie Übelkeit oder Verstopfung dokumentieren. Ein Ernährungstagebuch kann auch hilfreich sein, wenn Sie es zum Arztgespräch oder zur Ernährungsberatung mitnehmen.

Was bedeutet die Erkrankung für die Sexualität?

Als Folge der Belastungen durch die Erkrankung und ihre Behandlung ist es normal, dass das sexuelle Interesse vieler Frauen abnimmt. Schmerzen und körperliche Einschränkungen, Müdigkeit und Erschöpfung, ein verändertes Körpergefühl, seelische Belastungen – all das lässt sexuelle Bedürfnisse oft in den Hintergrund treten. Zudem treffen die Folgen der Therapie zentrale Bereiche der Weiblichkeit: Möglicherweise wurde eine Brust entfernt oder weist Narben auf. Eine Antihormon- oder Chemotherapie kann zum Verlust der Fruchtbarkeit und zu hormonellen Veränderungen bereits vor den Wechseljahren führen.

Manche Frauen ziehen sich auch deshalb sexuell zurück, weil sie befürchten, für ihren Partner oder ihre Partnerin – oder für einen neuen Partner – nicht mehr attraktiv zu sein. Meist ist die Angst vor Ablehnung aus körperlichen Gründen jedoch unbegründet.

Sexualität wiederentdecken

Mit der Zeit kann es gelingen, die Veränderungen durch die Erkrankung zu akzeptieren und die vielleicht verloren gegangene Lust wiederzuentdecken. Eine befriedigende Sexualität tut Körper und Seele gut. Sie ist mehr als Geschlechtsverkehr, der vielleicht nicht immer möglich oder zeitweise weniger lustvoll ist. Hinzu kommt: Sexuelle Vorlieben und Gewohnheiten sind von Paar zu Paar unterschiedlich und können sich auch ohne Erkrankung im Laufe der Zeit verändern. Die Sexualität kann zum Beispiel mit zunehmendem Alter sanfter werden, die Lust mehr Zeit brauchen.

Möglichkeiten, das Körpergefühl zu verbessern und die Sinne anzuregen, sind zum Beispiel genussvolle Körper- und Schönheitspflege sowie Bewegung – ob Spazierengehen, Yoga, Tanz oder Beckenbodengymnastik. Sich mit Massagen zu verwöhnen, entspannt und kann helfen, einander (wieder) näherzukommen.

Für manche Probleme gibt es auch einfache praktische Lösungen: Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, können Kissen zum Abstützen nützlich sein. Wenn die Scheide bei sexueller Erregung nicht feucht genug wird, zum Beispiel als Folge einer Antihormontherapie, können Gleitmittel helfen.

Gewohnheiten zu verändern und nach neuen Wegen zu suchen, fällt nicht immer leicht. Vielleicht hilft es Ihnen, über Bedürfnisse, Ängste und Gefühle offen miteinander zu sprechen und sich Zeit zu lassen.

Wenn die Lust ausbleibt

Auch wenn die Energie für Sexualität fehlt und die Lust ausbleibt, sind körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Frauen wichtig und wohltuend. Sie können helfen, sich als Paar weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen. Dies gelingt leichter, wenn der Partner oder die Partnerin die Veränderungen versteht und einfühlsam damit umgeht.

Der Partner oder die Partnerin kann ebenfalls die Lust auf Sex verlieren – weil auch ihn oder sie die Erkrankung, die veränderte Lebenssituation und die Sorgen um die Partnerin belasten. Oder sie befürchten, die erkrankte Partnerin mit sexuellen Bedürfnissen zu überfordern.

Es muss nicht unbedingt ein Problem sein, wenn die Sexualität in Ihrer Beziehung eine Zeitlang keine große Rolle spielt. Solange Sie sich als Paar nahe fühlen und akzeptieren, dass der Brustkrebs Ihre Beziehung auch in diesem Bereich verändert hat, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass die fehlende Lust Ihre Partnerschaft belastet, hilft es vielleicht, Ihre Empfindungen und Befürchtungen offen anzusprechen.

Über Sexualität zu sprechen, fällt nicht immer leicht und braucht manchmal Überwindung. Sexualberatungsstellen, Krebsberatungsstellen oder psychosoziale Beratungsstellen können helfen. Hier können Sie sich bei Bedarf auch anonym beraten lassen. Um sich mit anderen Frauen in ähnlicher Situation auszutauschen, sind Selbsthilfegruppen eine gute Möglichkeit. Sie können auch Kontakte zu anderen Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs vermitteln. Manchmal bieten Selbsthilfegruppen auch Foren im Internet zum anonymen und unverbindlichen Austausch an.