Medikamente über lange Zeit anwenden

Foto von Tabletten in einem Medikamentenbehälter (PantherMedia / Jürgen Wiesler) Vielen Menschen fällt es schwer, Medikamente über einen langen Zeitraum regelmäßig anzuwenden. Dies kann besonders dann schwierig sein, wenn jemand gleichzeitig mehrere Mittel gegen verschiedene Erkrankungen benötigt. Es gibt jedoch unterschiedliche Hilfsmittel und Strategien, die die Anwendung erleichtern und helfen, unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.

Wenn Sie es schwierig finden, jeden Tag Medikamente zu nehmen, sind Sie damit nicht allein. Schon an die regelmäßige Einnahme zu denken, ist alles andere als leicht. Manchmal merkt man es auch nicht gleich, wenn man die Einnahme mal vergessen hat.

Bei manchen Medikamenten fällt die Einnahme auch deshalb schwer, weil man nicht sofort eine Wirkung verspürt. Es entsteht der Eindruck, dass das Mittel gar nicht hilft. Bei manchen Medikamenten kann es aber Tage bis Wochen dauern, bis ihre volle Wirkung einsetzt.

Was hilft mir, Medikamente langfristig anzuwenden?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben erforscht, was Menschen dabei unterstützen kann, langfristig Medikamente zu nehmen. Sie fanden heraus, dass die Einnahme eher gelingt, wenn jemand gut über die Medikamente informiert ist. Außerdem erwies es sich als hilfreich,

  • die Medikamenteneinnahme regelmäßig mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen,
  • den Einnahmeplan einfach zu halten,
  • Verpackungen oder Behälter zu benutzen, bei denen man sofort sieht, wenn man eine Dosis vergessen hat und
  • automatische Erinnerungen einzurichten, zum Beispiel per SMS, oder eine Erinnerungsfunktion seines Handys zu nutzen.

Grundsätzlich funktioniert die langfristige Einnahme offenbar eher, wenn man mehrere Methoden miteinander kombiniert.

Auch die Darreichungsform eines Medikaments kann beeinflussen, ob Sie mit einer Behandlung zurechtkommen. Wenn Ihnen zum Beispiel das Schlucken einer bestimmten Tablette schwerfällt, können Sie in der Arztpraxis oder Apotheke nachfragen, ob der Wirkstoff in einer anderen Form erhältlich ist – zum Beispiel als Kapsel oder als Saft. Sie können sich auch erkundigen, ob das Medikament zerkleinert und mit anderen Speisen vermischt werden darf, damit das Schlucken leichter fällt. Dies ist jedoch nicht bei allen Medikamenten möglich.

Manche Medikamente sind so verpackt, dass man sofort sieht, wie und wann man sie nehmen soll. In Ihrer Apotheke kann man Ihnen vielleicht auch Verpackungen oder Behälter vorbereiten, bei denen Sie auf einen Blick sehen, welche Tabletten Sie nehmen müssen und zu welchem Zeitpunkt. Es gibt Tages- oder Wochen-Medikamentenbehälter (auch Dispenser genannt) oder Medikamenten-Organizer.

Für viele Menschen ist es auch wichtig, dass sie immer wieder jemand dazu ermuntert, ihre Arzneimittel dauerhaft einzunehmen. Dies ist einer der Gründe, warum regelmäßige Arzttermine hilfreich sind.

Wie kann ich den Überblick behalten?

Den Überblick zu behalten, ist sehr wichtig, wenn Sie mehrere Medikamente einnehmen. Am besten schreiben Sie sich auf, welche Medikamente Sie wann und in welcher Dosierung anwenden. Für die Auflistung können Sie ein Formblatt verwenden oder einfach ein Heft, in dem Sie alle Medikamente notieren.

Notieren Sie in Ihrer Medikamenten-Liste nicht nur verschreibungspflichtige Mittel, sondern auch solche, die Sie ohne Rezept in der Apotheke gekauft haben. Dazu gehören auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Solche Mittel können ebenfalls Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. Denken Sie auch an Arzneimittel, die Sie nicht einnehmen, sondern auf andere Weise anwenden – etwa Asthmasprays oder Augentropfen.

Es kann hilfreich sein, bei jedem Medikament folgende Punkte festzuhalten:

  • Zweck und Wirkung: Dazu gehören sowohl der erhoffte Nutzen als auch mögliche Nebenwirkungen.
  • Anwendung: Auf welche Weise, wie oft und wie lange wird das Mittel angewendet?
  • Aufbewahrung: Muss das Medikament besonders aufbewahrt werden, zum Beispiel im Kühlschrank?

Mit einer Medikamenten-Liste können Sie selbst die Einnahme planen. Auch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann sich so schnell einen Überblick verschaffen und Sie besser beraten – etwa dazu, wie Sie Ihren Einnahmeplan einfacher gestalten können. Auch ob manche Mittel vielleicht unnötig sind oder gar schaden könnten, lässt sich so leichter erkennen.

Sie können die Medikamenten-Liste allein erstellen oder mit jemandem zusammen. Wenn ein Familienmitglied oder eine Pflegekraft Sie im Alltag unterstützt, ist es ohnehin wichtig, dass auch diese Person über Ihre Medikamente Bescheid weiß.

Um sich den Überblick zu erleichtern, können Sie auch Kopien der Beipackzettel und andere wichtige Unterlagen in einer Mappe oder einer Schublade sammeln. Der Beipackzettel selbst bleibt immer beim Medikament.

Was tun andere Menschen, um an ihre Medikamente zu denken?

Es gibt keine Methode, mit der alle Menschen gleichermaßen zurechtkommen. Manche Menschen haben zum Beispiel einen sehr geregelten Tagesablauf. Für sie ist es am besten, die Medikamenteneinnahme auf ihre alltäglichen Routinen abzustimmen. Wer etwa seine Zähne immer zu der Zeit putzt, zu der auch die Medikamente eingenommen werden sollten, kann einen Erinnerungszettel oder die Medikamentenschachtel neben die Zahnbürste legen. Die Medikamentenschachtel allerdings nur, wenn keine Kinder im Haushalt leben. Medikamente müssen immer außer Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Notizzettel an der Kühlschranktür oder an einem anderen Ort, den man häufig im Blick hat, können auch eine gute Lösung sein. Manche Menschen verlassen sich darauf, dass jemand sie an ihre Medikamente erinnert – etwa ein Familienmitglied oder eine Pflegekraft, die regelmäßig ins Haus kommt. Andere nutzen Tabellen, in die sie eintragen, wann sie ihre Arzneimittel genommen haben. Ideen und Unterstützung bei der langfristigen Medikamenteneinnahme bei vielen chronischen Erkrankungen bieten auch Schulungen und Selbsthilfegruppen.

Was hilft mir, Medikamente sicher anzuwenden?

Medikamente haben ein Verfallsdatum. Wenn Sie das Verfallsdatum ab und zu kontrollieren, können Sie sichergehen, dass Sie keine abgelaufenen Medikamente einnehmen, und rechtzeitig eine neue Packung besorgen. Daran sollte man auch vor dem Urlaub oder längeren Reisen denken.

Wenn Sie spezielle Medikamentenbehälter benutzen, ist es wichtig, beim Umfüllen sehr aufmerksam zu sein, um nichts zu vertauschen. Das gleiche gilt, wenn Sie verschiedene Tabletten in einem Gefäß aufbewahren.

Medikamente von anderen Personen zu benutzen, ist riskant, auch wenn dies manchmal bequem und naheliegend erscheint. Solche Mittel enthalten nicht unbedingt die Wirkstoffe, die Sie benötigen. Das Risiko für Nebenwirkungen kann zudem höher sein, etwa weil die Dosierung nicht stimmt oder Sie bestimmte Wirkstoffe nicht vertragen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Medikament Ihnen Probleme bereitet, ist es wichtig, in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke um Rat zu fragen. Nicht zuletzt sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren, wenn Sie schon einmal allergisch auf ein Mittel oder eine Spritze reagiert haben oder starke Nebenwirkungen aufgetreten sind. Gleiches gilt in der Apotheke, wenn Sie rezeptfreie Arzneimittel kaufen.

Andererseits können Sie ein Medikament nicht unbedingt sofort absetzen, sobald es Ihnen besser geht. Wenn Sie zum Beispiel die Einnahme von Antibiotika beenden, bevor die verschriebene Menge aufgebraucht ist, können zu viele Krankheitserreger im Körper bleiben. Dann kann es zu Rückfällen kommen und schwieriger werden, die Krankheit loszuwerden.

Schaden Medikamente auf Dauer vielleicht mehr, als sie nutzen?

Viele Menschen nehmen nur ungern langfristig Medikamente ein, meist aus Angst vor Nebenwirkungen oder langfristigen Folgen. Doch auch wenn manche Behandlungen nur einen geringen Nutzen oder schwerwiegende Nachteile haben können: Medikamente aus Prinzip abzulehnen, ist problematisch. Wenn die Vorteile eines Medikaments überwiegen, ist eine Behandlung grundsätzlich sinnvoll. Es kann sinnvoll sein, mögliche Nachteile in Kauf zu nehmen – insbesondere, wenn das Medikament das Fortschreiten einer ernsthaften Erkrankung aufhalten kann.

Manche Menschen lehnen Medikamente generell ab, weil sie Angst haben, dass sie abhängig machen könnten oder ihre Wirkung mit der Zeit ohnehin nachlässt. Dies ist jedoch nur bei ganz bestimmten Medikamenten der Fall – und es gibt Möglichkeiten, dies zu vermeiden. Einige befürchten auch, dass sich die Medikamenten-Wirkstoffe langfristig im Körper ansammeln. Dies ist aber in der Regel nicht der Fall, da der Körper verschiedene Mechanismen hat, um Fremdstoffe abzubauen und auszuscheiden.

Um entscheiden zu können, ob Sie ein Medikament nehmen möchten oder nicht, ist es wichtig zu wissen, welche Behandlungsmöglichkeiten Sie haben – einschließlich nicht-medikamentöser Methoden – und was passieren könnte, wenn Sie gar keine Behandlung anwenden. Häufig verbessert sich ein schlechter Gesundheitszustand von selbst, oder eine Erkrankung heilt unbehandelt aus. Nichts zu unternehmen, kann aber auch zur Folge haben, dass sich ein Gesundheitsproblem zu einer ernsthaften Erkrankung entwickelt.

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