Einleitung

Der Wirkstoff Lisdexamfetamindimesilat (kürzer auch Lisdexamfetamin, Handelsname Elvanse) wurde im März 2013 für Kinder ab sechs Jahren mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zugelassen. Er kommt infrage, wenn eine vorangegangene Therapie mit dem Wirkstoff Methylphenidat nicht erfolgreich war.

Im Februar 2019 wurde die Zulassung erweitert: Seitdem kann Lisdexamfetamin (Handelsname Elvanse Adult) auch bei Erwachsenen eingesetzt werden, die seit ihrer Kindheit ADHS-Symptome aufweisen.

Kinder mit einer ADHS sind zuhause, in der Schule und bei Freunden auffällig unkonzentriert, unruhig und in vielen Situationen sehr ungeduldig und impulsiv. Die Diagnose, ob ein Kind eine ADHS aufweist, ist oft nicht leicht. Voraussetzung ist unter anderem, dass das Verhalten des Kindes über einen Zeitraum von einigen Monaten auffällig ist.

Bei vielen gehen die Symptome mit zunehmendem Alter zurück, bei manchen bleiben sie bis ins Erwachsenenalter bestehen. Allerdings äußert sich eine ADHS bei Erwachsenen häufig anders. Die Hyperaktivität geht zurück und die Unaufmerksamkeit steht im Vordergrund. Auch wenn bei Erwachsenen ADHS weniger offensichtlich ist als bei Kindern: Erwachsene mit ADHS haben häufig Probleme, ihren Alltag zu organisieren und sich über längere Zeit zu konzentrieren. Sie sind meist auch sehr impulsiv, was im sozialen Bereich zu Problemen führen kann.

Die Behandlung von ADHS für Kinder, Jugendliche und Erwachsene umfasst eine Kombination aus psychologischen, pädagogischen und sozialen Maßnahmen. Ergänzend dazu soll Lisdexamfetamin helfen, die Symptome der ADHS bei Kindern und Erwachsenen zu verringern.

Anwendung

Den Wirkstoff gibt es als Kapsel in unterschiedlichen Dosierungen bis 70 mg. In der Regel wird mit einer Dosis von 30 mg einmal täglich begonnen. Bei Bedarf kann sie in wöchentlichen Abständen erhöht werden, darf aber 70 mg pro Tag nicht überschreiten. Da durch die Therapie Schlafstörungen auftreten können, sollte Lisdexamfetamin nicht erst am Nachmittag eingenommen werden.

Die Behandlung muss in den Händen eines Spezialisten für Verhaltensstörungen liegen. Verbessern sich die Symptome auch nach Steigerung der Dosis nicht nach einem Monat, soll die Einnahme beendet werden.

Andere Behandlungen

Für Kinder ab sechs Jahren, bei denen eine Therapie mit dem Wirkstoff Methylphenidat nicht ausreicht die Symptome zu verbessern, kommt unter anderem der Wirkstoff Atomoxetin infrage.

Für Erwachsene, die noch nicht medikamentös behandelt wurden, kommen die Wirkstoffe Atomoxetin oder Methylphenidat infrage. Wurden sie bereits behandelt, kommt eine patientenindividuelle Therapie zum Einsatz. Diese berücksichtigt, welche Therapie schon versucht wurde. In der Regel kommen hierbei ebenfalls Atomoxetin oder Methylphenidat infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2013 bewertet, ob Lisdexamfetamin für Kinder ab sechs Jahren Vor- oder Nachteile hat. Der Hersteller legte keine verwertbaren Daten zu dieser Frage vor.

2019 bewertete das IQWiG, ob Lisdexamfetamin für Erwachsene Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Für diese Fragestellung legte der Hersteller ebenfalls keine verwertbare Studie vor.

Ob Lisdexamfetamin für Kinder und Erwachsene Vor- oder Nachteile hat, bleibt unklar.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Lisdexamfetamin (Elvanse / Elvanse Adult) für Kinder und Erwachsene.