Leistenbruch-Operationen

Foto von Patient, Partnerin und Arzt im Krankenhaus (PantherMedia / monkeybusiness) Leistenbruch-Operationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Ein Leistenbruch kann offen oder minimal-invasiv (laparoskopisch) operiert werden. Es ist aber nicht immer eine Operation nötig.

Ein Leistenbruch (Leistenhernie) verursacht häufig keine starken Beschwerden und lässt sich durch eine Operation gut behandeln. Dennoch stellen sich Fragen: Wann kann ich auf einen Eingriff verzichten? Welche Risiken hat er? Was ist besser: Eine offene oder eine minimal-invasive Operation (Laparoskopie)? Wann kann ich mich nach einem Eingriff wieder voll belasten?

Wie entsteht ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch entsteht durch eine Schwachstelle in der vorderen Bauchwand, dem Leistenkanal. Der Kanal verläuft vom Hüftknochen schräg nach unten Richtung Schambein und verbindet die Bauchhöhle mit der Leistengegend. Er entwickelt sich vor der Geburt als Hohlraum, durch den bei Jungen die Hoden aus der Bauchhöhle in den kühleren Hodensack wandern können. Sind sie dort angekommen, schließt sich der von Muskeln umgebene Kanal allmählich. In ihm verlaufen Nerven, Blut- und Lymphgefäße, bei Männern auch der Samenstrang und bei Frauen das Mutterband, das die Gebärmutter hält.

Bei einem Leistenbruch wölben sich durch eine Lücke in der Bauchwand Bauchfell, Fettgewebe oder Darm vor. Der Bruch betrifft meist Männer, da bei ihnen der Leistenkanal weiter ist als bei Frauen. Schwaches Bindegewebe kann einen Leistenbruch begünstigen. Ob das Heben oder Tragen schwerer Lasten eine Rolle spielt, ist entgegen landläufiger Meinung bislang nicht bewiesen.

 

Grafik: Leistenbruch: Schwachstelle LeistenkanalLeistenbruch: Schwachstelle Leistenkanal

Muss ein Leistenbruch immer operiert werden?

Eine Operation ist nicht immer nötig. Tritt nur etwas Bauchfell durch die Bruchpforte und bestehen keine Beschwerden, kann auf eine Operation zunächst verzichtet werden. Bei alten oder sehr kranken Menschen kann es auch wegen der Operationsrisiken angebracht sein, auf eine Operation zu verzichten. Voraussetzung ist allerdings, dass kein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht. Das Risiko hängt beispielsweise von der Größe und genauen Lage des Bruchs ab.

Studien haben untersucht, was passiert, wenn beschwerdefreie Leistenhernien bei Männern nicht gleich operiert werden. Sie zeigten, dass es keine Nachteile hat, mit der Operation zu warten, bis erste Beschwerden wie Schmerzen auftreten. Die Studienteilnehmer hatten auch kein höheres Risiko für Komplikationen. Etwa die Hälfte der Männer entschied sich innerhalb von fünf Jahren zu einer Operation, meist weil sie Schmerzen bekamen.

Wichtig ist, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen, sobald Beschwerden auftreten. Bei starken Schmerzen, Fieber oder Übelkeit ist sofortige ärztliche Hilfe nötig, denn dann könnte der Darm eingeklemmt sein.

Was spricht für eine Operation?

Die meisten Menschen lassen sich operieren, weil ein Leistenbruch schmerzt oder schlicht lästig ist. Mit der Zeit kann die Hernie größer werden und bei Männern in seltenen Fällen sogar bis in den Hodensack rutschen.

Ein weiterer Grund für eine Operation kann sein, möglichen Komplikationen vorzubeugen: Wenn Darm durch die Bruchstelle tritt, kann er einklemmen oder sich verdrehen. Dies ist zwar eher selten, kann dann aber ernste Folgen wie einen Darmverschluss haben. Wird der eingeklemmte Anteil des Darms nicht mehr richtig durchblutet, kann das Gewebe absterben. Dann muss sofort operiert werden.

Wenn aber keine Beschwerden bestehen und der Darm nicht eingeklemmt ist, kann man einige Wochen oder Monate abwarten. In bestimmten Fällen kann auch ganz auf eine Operation verzichtet werden.

Welche Operationsverfahren gibt es?

Bei dem Eingriff wird der Bruchsack samt Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschließend wird die Lücke in der Bauchwand verschlossen. Sie kann zusätzlich mit körpereigenem Gewebe oder mit einem feinen Kunststoffnetz verstärkt werden.

Man unterscheidet folgende Operationsverfahren:

  • offene Operation ohne Netz: Es wird durch einen längeren Hautschnitt von außen operiert und die Bruchpforte mit benachbartem Bindegewebe vernäht.
  • offene Operation mit Netz: Die Bruchpforte wird mit einem Kunststoffnetz abgedeckt und dadurch zusätzlich stabilisiert.
  • laparoskopische Operation: Über meist drei kleine Hautschnitte (5 bis 10 mm) werden eine Kamera und die Operationsinstrumente in den Bauchraum oder in die Bauchdecke eingeführt. Bei einer minimal-invasiven Operation wird die Bruchpforte immer mit einem Kunststoffnetz abgedeckt.

Welche Verfahren infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wo die Hernie genau liegt und wie groß sie ist. Auch der allgemeine Gesundheitszustand, das Geschlecht, das Alter und mögliche Begleiterkrankungen können eine Rolle spielen.

Die Operationsverfahren haben jeweils Vor- und Nachteile: So reicht bei einer offenen Operation eine Teilnarkose, bei einer Laparoskopie ist dagegen eine Vollnarkose nötig.

Welche Nebenwirkungen hat ein Eingriff?

Leistenhernien-Operationen zählen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Sie verlaufen meist komplikationsfrei, können aber dennoch Nebenwirkungen haben. Zusätzlich bestehen die Risiken, die jede Narkose mit sich bringt.

Operationsschmerzen in der Leistenregion klingen meistens einige Tage nach dem Eingriff ab. Allerdings haben etwa 10 von 100 Menschen nach der Operation bleibende Schmerzen. Gründe können Nervenverletzungen sein oder Reaktionen auf das Kunststoffnetz.

Zu schwereren Komplikationen kommt es bei weniger als 1 von 100 Operationen. Dazu zählen Verletzungen an Blutgefäßen, dem Samenstrang und den Nerven im Leistenkanal. Auch Hodenschmerzen, Durchblutungsstörungen des Hodens, Wundheilungsstörungen und Entzündungen können auftreten.

Was ist besser: Netz oder kein Netz?

Ein zusätzliches Kunststoffnetz stabilisiert die Bauchwand deutlich besser als eine einfache Naht mit benachbartem Bindegewebe. Nach Hernien-Operationen mit Netz kommt es daher seltener zu einem Rückfall: Bei etwa 4 von 100 Patienten nach einer OP ohne Netz – aber nur bei etwa 1 von 100 Patienten nach einer OP mit Netz.

Da eine Operation mit Netz die Bauchwand besser stabilisiert, sind auch Belastungen nach der OP schneller wieder möglich. Nach einer Operation ohne Netz ist es dagegen wichtig, bis zu zwei Monate auf stärkere körperliche Belastungen und Sport zu verzichten. Denn das Gewebe braucht Zeit, zusammenzuwachsen und sich zu stabilisieren.

Eine OP mit Netz löst vermutlich nicht häufiger Schmerzen oder Entzündungen aus als eine Operation ohne Netz.

Was ist besser: eine offene oder laparoskopische Operation?

Bei Männern sind beide Verfahren ähnlich gut geeignet, einen Leistenbruch zu operieren. Bei beiden Operationen kann man meist spätestens nach zwei Tagen nach Hause gehen. Jedes Verfahren hat aber Vor- und Nachteile. Eine wichtige Rolle spielt die Erfahrung der Operateure.

Vorteile einer offenen Operation:

  • Vielleicht ein etwas geringes Rückfallrisiko: Ob dies so ist, konnten Studien jedoch noch nicht abschließend klären.
  • Vermutlich ein geringeres Risiko für Gefäßverletzungen. Auch dies ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
  • Eine offene Operation kann in örtlicher Betäubung oder Teilnarkose erfolgen.

Vorteile einer laparoskopischen Operation:

  • Man kann danach schneller wieder arbeiten und körperlich aktiv sein, im Schnitt etwa vier Tage eher als nach einer offenen Operation.
  • Es kommt seltener zu Infektionen und bleibenden Schmerzen in der Leiste.
  • Vermutlich ist das Risiko für Blutergüsse niedriger. Studien konnten dies aber noch nicht sicher belegen.

Frauen wird von einer offenen Operation abgeraten, da sie danach häufiger Rückfälle haben. Deshalb werden Leisten- und Schenkelhernien der Frau in der Regel durch eine laparoskopische Operation mit Netz behandelt.

Eine laparoskopische Operation ist schwerer zu erlernen als eine offene Operation. Sowohl der Erfolg als auch das Risiko für Nebenwirkungen und Rückfälle hängen bei der Laparoskopie deshalb stärker von der Erfahrung der operierenden Ärztinnen und Ärzte ab.

Welches laparoskopische Verfahren ist besser?

Zur Operation von Leistenbrüchen sind zwei gängige laparoskopische Verfahren geeignet:

  • TAPP (Transabdominelle Präperitoneale Plastik): Es wird durch die Bauchhöhle operiert. Das Kunststoffnetz wird außerhalb der Bauchhöhle zwischen Bauchfell und Bauchwand eingebracht.
  • TEP (Total Extraperitoneale Plastik): Es wird nur innerhalb der Bauchdecke operiert. Das heißt, die Operateure gehen mit den Instrumenten weniger tief als bei der TAPP. Das Kunststoffnetz wird zwischen Bauchfell und Bauchwand eingebracht. Die TEP-Operation ist das komplexere, schwerer zu erlernende Verfahren.

Studien zeigen keine Unterschiede zwischen TAPP und TEP: Schmerzen, Nebenwirkungen und Rückfälle traten ähnlich häufig auf, und es dauerte nach beiden Eingriffen etwa gleich lange, bis die Teilnehmer wieder arbeiten konnten.

Was muss ich nach einer Operation beachten?

Nach einer Hernien-Operation mit Netz ist körperliche Belastung recht schnell wieder möglich, laufen und krankengymnastische Übungen bereits wenige Stunden nach der Operation. Wichtig ist, die Art und Intensität der Bewegungen davon abhängig zu machen, wie man sich fühlt und ob man die Belastung verträgt. In den ersten zwei bis drei Wochen ist es besser, auf schweres Heben zu verzichten.

Was tun bei einem Rückfall?

Das Risiko für einen erneuten Bruch ist individuell verschieden, hängt aber auch vom OP-Verfahren ab. Etwa 1 bis 5 von 100 Menschen bekommen nach einem Eingriff erneut einen Leistenbruch. Das Risiko eines erneuten Bruches ist nach einer Operation, bei der kein Netz eingesetzt wurde, höher als nach Einsetzen eines Netzes. Unabhängig davon haben Frauen ein höheres Rückfallrisiko als Männer.

Bei einem Rückfall kann man sich erneut operieren lassen. Welche Operation infrage kommt, hängt davon ab, wie bei der ersten Hernie operiert wurde. War der erste Eingriff eine offene Operation, wird bei einem Rückfall laparoskopisch operiert. Ein Grund ist die Vernarbung des Operationsbereichs durch den ersten Eingriff. Zudem zeigen Studien, dass die Laparoskopie in diesem Fall Vorteile hat: Man kann sich im Schnitt etwa eine Woche eher wieder normal belasten. Zudem treten seltener bleibende Schmerzen und Wundinfektionen auf. Wurde bei der ersten Hernie laparoskopisch operiert, folgt bei einem Rückfall wiederum meist ein offener Eingriff mit Netzeinlage.

Leistenhernien bei Kindern

Bei Kindern sind die meisten Leistenhernien angeboren oder sie bilden sich im ersten Lebensjahr. Der Grund: Bei neugeborenen Jungen liegen die Hoden häufig noch in der Leiste und wandern erst später durch den Leistenkanal in den Hodensack. Solange ihr Leistenkanal noch nicht richtig verschlossen ist, kann es eher zu einem Leistenbruch kommen.

Leistenbrüche werden bei Kindern immer operiert, um zu vermeiden, dass sich der Darm in der Bruchpforte einklemmt. Die meisten Kinder werden in Vollnarkose operiert, Neugeborene können auch eine Teilnarkose erhalten.

Bei Kindern wird der Bruchsack nur durch eine Naht verschlossen. Auf das Einsetzen eines Kunststoffnetzes wird immer verzichtet, denn es kann bei Kindern das Risiko für Entzündungen und späterer Unfruchtbarkeit erhöhen. Zudem könnten im Verlauf des Wachstums Probleme mit dem Netz entstehen, da es nicht mitwachsen kann.

Leisten- und Schenkelhernien bei Frauen

Leistenhernien werden bei Frauen durch schwaches Bindegewebe oder eine Schwangerschaft begünstigt. Sie werden etwas anders behandelt als bei Männern: Frauen wird auch bei beschwerdefreien Leistenhernien eine Operation empfohlen, weil sich hinter einer Leistenhernie eine Schenkelhernie verbergen kann. Bei Schenkelhernien besteht ein höheres Risiko für Komplikationen, wenn sie nicht operiert werden. Frauen wird zudem von der offenen Operation abgeraten, da danach häufiger erneute Hernien auftreten.

Schenkelhernien treten unterhalb des Leistenbands auf. Meist betreffen sie Frauen über 65 Jahre. Äußerlich fallen viele Schenkelhernien zunächst nicht auf, da sie keine sichtbare Vorwölbung verursachen. Meist machen sie sich erst durch Schmerzen bemerkbar. Schenkelhernien werden manchmal mit Leistenhernien verwechselt, sind jedoch schmerzhafter als diese. Da außerdem das Risiko für Komplikationen deutlich höher ist, wird in der Regel eine baldige Operation empfohlen.

Welche Fragen können bei der Behandlungsentscheidung wichtig sein?

Jede Entscheidung für oder gegen eine Behandlung oder eine bestimmte Operation muss individuell getroffen werden. Folgende Fragen können helfen, die wichtigsten Punkte für sich zu klären und mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen:

  • Welche Beschwerden habe ich?
  • Wie wird sich meine Hernie voraussichtlich entwickeln?
  • Wie hoch ist das Risiko für Komplikationen?
  • Gibt es Belastungen, die ich vermeiden sollte?
  • Kann ich auf eine Operation (zunächst) verzichten?
  • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsverfahren?
  • Welche Erfahrungen haben die operierenden Ärztinnen und Ärzte mit der OP?
  • Wann darf ich mich nach der OP wieder belasten? Welche Belastungen sind möglich?
  • Reicht ein normales Krankenhaus oder ist eine Operation in einem speziellen Hernien-Zentrum für mich sinnvoll?
Schlagwörter: Hernien, K40, K44, Leistenbruch, Männergesundheit, Narbenbruch, Verdauung und Stoffwechsel