Können Hirngefäß-Stents weitere Schlaganfälle verhindern?

Foto von Paar (PantherMedia / Scott Griessel)

Schlaganfälle können durch verengte oder verstopfte Blutgefäße im Gehirn ausgelöst werden. Wer aus diesem Grund bereits einen Schlaganfall hatte, nimmt zur Vorbeugung weiterer Schlaganfälle meist Medikamente ein. Um ein Gefäß dauerhaft offen zu halten, kann zudem ein Hirngefäß-Stent eingesetzt werden. Studien zeigen jedoch, dass beim Einsetzen solcher Stents häufig Hirnblutungen auftreten, die selbst zu Schlaganfällen führen.

Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn die Durchblutung in einem Teil des Gehirns stark vermindert oder unterbrochen wird. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Etwa 10 % aller Schlaganfälle werden durch Gefäßverengungen (Stenosen) ausgelöst, die durch Ablagerungen an den Wänden der Hirngefäße entstehen. Man unterscheidet dabei zwischen Gefäßen, die sich im Schädel befinden (intrakranielle Gefäße) und solchen, die sich außerhalb des Schädels befinden (extrakranielle Gefäße), wie zum Beispiel die Halsschlagadern.

Nach einem überstandenen Schlaganfall ist das Risiko für weitere Schlaganfälle deutlich höher. Medikamente aus der Gruppe der Thrombozyten-Aggregationshemmer können einer erneuten Gefäßverengung oder einem erneuten Gefäßverschluss vorbeugen: Sie verhindern, dass die Blutplättchen verklumpen und sich an den Gefäßwänden ablagern. Zur Vorbeugung von Schlaganfällen sind in Deutschland zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel zugelassen.

Stents sollen Hirngefäße dauerhaft offen halten

Thrombozyten-Aggregationshemmer können das Risiko für einen erneuten Gefäßverschluss zwar senken, ihn aber nicht immer verhindern. Bei 12 bis 14 % der Betroffenen tritt trotz Behandlung innerhalb von zwei Jahren ein weiterer Schlaganfall auf.

Zum besseren Schutz vor Schlaganfällen sucht die Wissenschaft nach Möglichkeiten, betroffene Hirngefäße dauerhaft offen zu halten. Seit einigen Jahren gibt es spezielle Gefäßstützen (Stents) aus Drahtgeflecht, die verhindern sollen, dass sich ein Hirngefäß erneut verengt oder verschließt. Um einen Hirngefäß-Stent einzusetzen, wird zunächst ein Katheter in eine Arterie der Leiste eingeführt und bis zum betroffenen Gefäßabschnitt vorgeschoben. Die Spitze des Katheters ist von einem kleinen Ballon umgeben, der dann mit Kontrastmittel gefüllt wird, um das verengte Hirngefäß zu weiten. Während oder im Anschluss an die Gefäßweitung kann ein Stent eingesetzt werden, der sich ebenfalls am Katheter befindet.

Da beim Einsetzen von Stents in Hirngefäße Komplikationen wie Hirnblutungen auftreten können, ist es wichtig, ihre Vor- und Nachteile gut zu untersuchen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben Studien zu Stents ausgewertet, die in Gefäße innerhalb des Schädels eingesetzt wurden. Sie wollten vor allem wissen, ob das Einsetzen solcher Hirngefäß-Stents sicher ist und ob es Vorteile gegenüber einer rein medikamentösen Vorbeugung von Schlaganfällen hat.

Aktuelle Studien zu Hirngefäß-Stents

Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand vier randomisierte kontrollierte Studien, in denen Hirngefäß-Stents untersucht wurden. Am aussagekräftigsten war die sogenannte SAMMPRIS-Studie. Sie hatte mit Abstand die größte Teilnehmerzahl und untersuchte wichtige Fragen wie die Auswirkungen der Stents auf die Lebenserwartung und die Häufigkeit weiterer Schlaganfälle. Außerdem prüfte sie mögliche Nebenwirkungen der Stent-Behandlung.

An der SAMMPRIS-Studie nahmen 451 Menschen teil, die in den letzten 30 Tagen einen Schlaganfall hatten. Bei allen war das betroffene Hirngefäß um mindestens 70 % verengt. Menschen, deren Schlaganfall innerhalb der letzten 24 Stunden aufgetreten war, nahmen nicht an der Studie teil.

Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten verschiedene Behandlungen zur Kontrolle von Risikofaktoren für Schlaganfälle sowie ASS und Clopidogrel. Den Teilnehmern einer der beiden Gruppen wurde zusätzlich ein Stent in das betroffene Hirngefäß eingesetzt. In der SAMMPRIS-Studie wurde ein sogenannter Wingspan-Stent verwendet.

Mehr Schlaganfälle nach Einsetzen von Hirngefäß-Stents

Das Ergebnis der SAMMPRIS-Studie war ernüchternd: Teilnehmerinnen und Teilnehmer, denen zusätzlich ein Hirngefäß-Stent eingesetzt worden war, hatten nach dem Eingriff häufiger Schlaganfälle als Personen, die keinen Stent erhielten. In Zahlen ausgedrückt, zeigte sich:

  • Ohne Hirngefäß-Stent trat bei 5 von 100 Personen innerhalb von 30 Tagen ein weiterer Schlaganfall auf.
  • Mit Hirngefäß-Stent hatten 15 von 100 Personen innerhalb von 30 Tagen einen weiteren Schlaganfall.

Nach dem Einsetzen des Stents kam es also bei zusätzlich 10 von 100 Personen zu einem Schlaganfall.

Die Ursache war meist eine Hirnblutung, die infolge des Eingriffs auftrat. Zu einer solchen Blutung kann es zum Beispiel kommen, wenn das Gefäß beim Führen des Katheters verletzt wird. Zudem steigt der Druck im Gefäß an, wenn die Engstelle beseitigt wird. Hält das Gefäß diesem Druck nicht stand, kann es ebenfalls zu einer Blutung kommen. Nicht zuletzt können sich bei der Gefäßweitung Ablagerungen lösen und weggeschwemmt werden. Wenn sie an anderer Stelle im Gehirn ein Gefäß verstopfen, können sie einen weiteren Schlaganfall verursachen. Beim Vorschieben des Katheters von der Leiste zum Gehirn können auch an anderer Stelle im Blutkreislauf Ablagerungen gelöst werden und zu einer Embolie führen.

Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass das Einsetzen von Hirngefäß-Stents erhebliche Risiken hat. Eine Behandlung mit einem Hirngefäß-Stent kommt daher allenfalls infrage, wenn jemand eine deutliche Gefäßverengung hat und trotz anderer Behandlungen weiterhin Beschwerden bestehen. Vor einem solchen Eingriff sollten Betroffene gründlich abwägen, ob der mögliche Nutzen oder Schaden überwiegt. Ob das Einsetzen von Stents in Hirngefäße Menschen in einer solchen Situation helfen kann, ist bisher nicht in guten Studien untersucht worden.