Kaiserschnitt: Welche Vor- und Nachteile haben lokale Betäubung und Vollnarkose?

Foto von Neugeborenem (PantherMedia / PHUCHONG CHOKSAMAI) Ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose ist für das Kind ebenso sicher wie unter einer Teilnarkose. Für Mütter haben die Narkosemethoden jedoch unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Ein Kaiserschnitt ist erforderlich, wenn das Kind auf normalem Weg nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen geboren werden kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das Kind quer liegt, oder wenn die Plazenta die Öffnung der Gebärmutter (den Gebärmutterhals) verschließt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in westlichen Ländern bei etwa 10 bis 15 Prozent der Geburten aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt notwendig ist. In Deutschland werden heute allerdings etwa 30 % der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

Wenn alles glatt läuft, dauert die gesamte Operation etwa eine Stunde. Dabei kann das Kind normalerweise schon nach 10 bis 15 Minuten aus der Gebärmutter (Uterus) geholt werden, in Notfällen sogar noch deutlich schneller. Anschließend werden zunächst die Gebärmutter und dann die verschiedenen Schichten der Bauchdecke vorsichtig wieder zusammengenäht.

Wahl zwischen Vollnarkose und lokaler Betäubung

Während der gesamten Operationszeit erhält die Mutter eine Narkose. Beim Kaiserschnitt hat eine Frau in der Regel zwei oder drei Wahlmöglichkeiten: eine Vollnarkose, bei der sie komplett ohne Bewusstsein ist, sowie zwei Methoden der Teilnarkose (Regionalanästhesie) – die „Periduralanästhesie“ (PDA) und die „Spinalanästhesie“. Bei einer Teilnarkose wird der Körper von der Taille an abwärts betäubt, die Frau bleibt wach und kann ihr Kind direkt nach der Geburt sehen.

Bei der PDA wird ein Betäubungsmittel entweder im Bereich der Brust- oder Lendenwirbel in den sogenannten Periduralraum gespritzt, der das Rückenmark umgibt. Dadurch werden nur die Nerven betäubt, die in dem Bereich ins Rückenmark münden, wo das Betäubungsmittel gespritzt wird. Die schmerzlindernde Wirkung der PDA setzt nach 10 bis 20 Minuten ein.

Bei der Spinalanästhesie werden die Medikamente noch näher an das Rückenmark gespritzt: in den sogenannten Hirnwasserraum der Wirbelsäule. Dadurch wird die gesamte untere Körperhälfte betäubt. Eine Spinalanästhesie wirkt schneller als eine PDA und auch die benötigte Menge an Betäubungsmittel ist geringer.

Eine Vollnarkose lässt sich schnell einleiten. Daher wird sie bei Notfall-Kaiserschnitten eingesetzt, oder wenn eine Regionalanästhesie nicht infrage kommt. Wenn die Zeit es zulässt oder der Kaiserschnitt geplant ist, ist es möglich, die Narkoseart zu wählen. Bei den meisten Frauen hängt die Wahl davon ab, ob sie bei der Geburt wach sein möchten.

Unterschiedliche Risiken

Die Vollnarkose und die Regionalanästhesie haben unterschiedliche Risiken. Bei einer Vollnarkose besteht ein Risiko, dass sich die Frau während der Betäubung übergibt und Erbrochenes in ihre Lunge gelangt (sogenannte Aspiration von Mageninhalt). Dies kommt sehr selten vor, kann aber lebensgefährlich sein.

Bei PDA und Spinalanästhesie kann gelegentlich der Blutdruck plötzlich stark abfallen. Eine andere unerwünschte Wirkung können Kopfschmerzen sein, die manchmal durch den Einstich in den Periduralraum bzw. Hirnwasserraum ausgelöst werden („postpunktionelle“ Kopfschmerzen). Früher wurden fast alle Kaiserschnitte unter Vollnarkose vorgenommen, aber inzwischen entscheiden sich Frauen und ihre Ärztinnen und Ärzte häufiger für die PDA.

Ergebnisse von vergleichenden Studien

Um die Wirkung und Sicherheit der Narkosemethoden zu vergleichen, haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach Studien gesucht, in denen die unterschiedlichen Narkoseverfahren bei Kaiserschnitten erprobt wurden. Die Wissenschaftler fanden 29 Studien, an denen insgesamt knapp 1800 Frauen teilnahmen. Bei den meisten Frauen war der Kaiserschnitt im Voraus geplant worden.

Die Zahl der Teilnehmerinnen an den einzelnen Studien war zu klein, um beurteilen zu können, ob es durch Vollnarkosen eher zu schwerwiegenden Komplikationen wie der Aspiration von Mageninhalt kommt. Solche Aspirationen waren insgesamt die Ausnahme.

Die Studien waren jedoch groß genug, um die häufigsten unerwünschten Wirkungen für das Kind abschätzen zu können, zum Beispiel Atembeschwerden. Hier zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Narkosemethoden.

Frauen, die unter Vollnarkose operiert wurden, verloren im Schnitt 100 Milliliter mehr Blut. Daraus ergaben sich aber keine wesentlichen Gesundheitsprobleme. Zum Beispiel war die Zahl der Frauen vergleichbar, die nach dem Eingriff eine Bluttransfusion benötigten. Andererseits hatten Frauen nach einer Teilnarkose häufiger mit Übelkeit und Erbrechen zu tun.

Es kommt gelegentlich vor, dass eine Frau während des Eingriffs mit lokaler Betäubung noch leichte Unannehmlichkeiten oder sogar Schmerzen empfindet, da sie im Gegensatz zur Vollnarkose noch bei Bewusstsein ist. Dann kann die Narkoseärztin oder der Narkosearzt noch zusätzlich ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel geben.

Einzelne Studien untersuchten, ob Schmerzen nach der Operation auftraten. Demnach benötigten Frauen nach einer Operation unter Vollnarkose früher Schmerzmittel als nach einer Regionalanästhesie. Der Grund ist, dass die bei einer Vollnarkose eingesetzten Betäubungsmittel schneller ihre Wirkung verlieren als eine PDA.

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