Hilft es, weniger Fette zu sich zu nehmen?

Foto von Kantinen-Essen (PantherMedia / CandyBox Images) Eine Ernährung, die arm an gesättigten Fettsäuren ist, könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwas senken. Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in tierischen Lebensmitteln enthalten.

Zur Frage, was eine gesunde Ernährung ist, haben auch Fachleute sehr unterschiedliche Meinungen. Zudem wurden nur wenige Ernährungsumstellungen bislang in hochwertigen Studien untersucht. Deshalb gibt es für viele Ernährungstipps keine gute wissenschaftliche Basis.

Auch zu Fetten in der Ernährung gibt es verschiedene Meinungen: Manche Fachleute raten, auf die Gesamtmenge an Fett zu achten. Andere empfehlen eher, bestimmte Arten von Fett zu meiden. Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat die Wirkung von Fetten auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht.

Zwei Arten Fett

Bei Nahrungsmitteln wird vor allem zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren unterschieden. Gesättigte Fettsäuren gelten in größeren Mengen als schädlich für Herz und Kreislauf. Sie erhöhen die Menge des LDL-Cholesterins im Blut.

Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in tierischen Produkten enthalten, insbesondere in:

  • Fleisch, hauptsächlich fettigen Fleischsorten wie Schweinefleisch,
  • Butter und Schmalz,
  • Käse, insbesondere Hartkäse, sowie
  • Sahne und verwandten Produkten wie Crème fraîche.

Ungesättigte Fettsäuren sind vor allem in Meeresfisch, pflanzlichen Fetten und Nahrungsmitteln enthalten, wie zum Beispiel in:

  • Lachs, Thunfisch und Makrelen,
  • pflanzlichen Ölen wie Sonnenblumenöl oder Olivenöl,
  • Nüssen und Kernen sowie
  • Avocados.

Forschung zu Fetten in der Ernährung

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten 48 randomisierte kontrollierte Studien mit über 65.000 Teilnehmenden aus. Sie verglichen verschiedene Ernährungsweisen: In einigen Studien sollten die Teilnehmenden insgesamt weniger Fett zu sich nehmen, in anderen sollten sie gesättigte Fettsäuren möglichst durch ungesättigte Fettsäuren ersetzen.

Die Studien unterschieden sich vor allem in den Maßnahmen, die den Teilnehmenden dabei helfen sollten, ihre Ernährung umzustellen. Manche nahmen an Ernährungs- und Kochkursen, Einkaufsberatungen oder praktischen Übungen teil. In vielen Studien wurden den Teilnehmenden aber auch direkt Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt, zum Beispiel indem sie nur in speziellen Geschäften einkauften oder indem sie bestimmte Produkte wie Margarine oder Öle kostenlos erhielten. Diese Unterschiede machten es relativ schwer, die Ergebnisse einzelner Studien miteinander zu vergleichen.

Ergebnisse

Insgesamt deuten die Studien darauf hin, dass sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken lässt, wenn man weniger gesättigte Fettsäuren zu sich nimmt. Dabei spielt es vermutlich keine Rolle, ob man insgesamt weniger Fett zu sich nimmt oder die gesättigten möglichst durch ungesättigte Fettsäuren ersetzt. In Zahlen ausgedrückt, zeigte die Auswertung aller Studien folgende Ergebnisse:

  • Ohne Ernährungsumstellung: 77 von 1000 Menschen, die ihre Ernährung nicht umstellten, bekamen eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.
  • Mit Ernährungsumstellung: 72 von 1000 Menschen, die dabei unterstützt wurden, weniger gesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen, bekamen eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Insgesamt konnten Maßnahmen zur Umstellung auf weniger gesättigte Fettsäuren in der Nahrung, also 5 von 1000 Menschen, vor einer Herz-Kreislauf-Erkrankung bewahren.

Dieser Unterschied zeigte sich aber nur in Studien, die länger als zwei Jahre andauerten. Man muss also vermutlich seine Ernährung dauerhaft umstellen, um einen gesundheitlichen Vorteil zu erreichen.

Die Zahlen aus den Studien sind außerdem nur als grobe Anhaltspunkte zu betrachten, da sich bei den einzelnen Studien größere Unterschiede in den Ergebnissen zeigen. Denn viele Faktoren können einen Einfluss auf den Erfolg einer Ernährungsumstellung haben. Beispielsweise profitieren Männer vielleicht mehr von einer Ernährungsumstellung, weil sie ohnehin ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.