Hilft eine Kniespülung und Knorpelglättung bei Kniearthrose?

Foto von Untersuchung eines Kniegelenks (PantherMedia / pam burley) Bei einer Kniearthrose wird mitunter eine Arthroskopie empfohlen, um das Kniegelenk zu spülen und gegebenenfalls Knorpelflächen zu glätten. Laut Studien hat dieser Eingriff aber keine Vorteile gegenüber anderen Behandlungen ohne Operation.

Bei einer Kniearthrose (auch „Kniegelenksarthrose“ genannt) sind Teile des Gelenks geschädigt: Die Folgen sind Schmerzen und eine verminderte Beweglichkeit, die den Alltag erschweren können. Ist die Arthrose fortgeschritten, können die Knie auch in Ruhephasen oder beim Schlafen schmerzen. Zur Behandlung wird von manchen Ärztinnen und Ärzten eine Kniearthroskopie empfohlen, die die Beschwerden dauerhaft beseitigen oder zumindest lindern soll.

Was passiert bei einer Arthroskopie?

Eine Arthroskopie ist ein chirurgischer Eingriff, der eine örtliche Betäubung oder Vollnarkose erfordert. Eine Arthroskopie kann zur Untersuchung angewendet werden, wird aber meistens zur Therapie eingesetzt. Bei einer diagnostischen Arthroskopie wird das Kniegelenk von innen betrachtet. Dazu wird durch einen kleinen Schnitt durch die Haut und die Gelenkkapsel ein Endoskop (auch Arthroskop genannt) in das Kniegelenk eingeführt. Das Arthroskop ist eine Sonde mit kleiner Kamera, die es ermöglicht, in das Gelenkinnere zu sehen. Wird zusätzlich eine Behandlung durchgeführt, werden die notwendigen Instrumente wie Scheren oder Fräsen über einen zweiten kleinen Schnitt in das Gelenk eingeführt.

Bei der therapeutischen Arthroskopie gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Lavage: Bei einer Lavage wird das Gelenk mit einer Kochsalzlösung gespült. Durch die Spülung sollen in der Gelenkflüssigkeit schwimmende Partikel wie Knorpel- und Gewebefasern entfernt und eine in manchen Fällen bestehende Entzündungsreaktion im Gelenk beruhigt werden.
  • Debridement: Beim Debridement werden mit verschiedenen Instrumenten raue Knorpeloberflächen geglättet und losgelöste Teile der Menisken entfernt. Anschließend wird auch hier das Knie gespült.

Mit welchen Behandlungen wurde die Kniespiegelung verglichen?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Anfang 2014 in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Bern (Schweiz) Studien zur Frage des Nutzens der Kniearthroskopie ausgewertet. Die Forschergruppe fand elf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt etwa 1200 Frauen und Männern.

In den Studien wurde die therapeutische Arthroskopie mit Lavage und gegebenenfalls Debridement untersucht. Man wollte so herausfinden, ob die Kniespiegelung bei Menschen mit Arthrose Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann. Die Studien dauerten zwischen sechs und 36 Monaten.

In fünf dieser Studien wurde untersucht, ob es Patientinnen und Patienten, die eine Kniespülung und Knorpelglättung erhalten haben, hinterher besser geht als Patienten, die keine besondere Behandlung erhalten haben. Zum Beispiel hat eine Gruppe von Teilnehmenden eine Arthroskopie erhalten, bei den anderen hatte man die Arthroskopie nur vorgetäuscht. Schmerzen und Beschwerden unterschieden sich bei den Patientengruppen nicht.

In den anderen sechs Studien wurde untersucht, wie die therapeutische Arthroskopie im Vergleich zu anderen Behandlungen abschneidet. In zwei Studien wurde die Arthroskopie zum Beispiel mit einer Hyaluronsäurebehandlung verglichen, in einer anderen Studie mit einer Kortisonbehandlung. Die Behandlung mit Hyaluronsäure wird in Deutschland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Medikamente wurden jeweils in das Kniegelenk gespritzt. In einer weiteren Studie erhielten die Patientinnen und Patienten zum Beispiel entweder eine therapeutische Arthroskopie oder ein physiotherapeutisches Training.

Hat eine Kniearthroskopie Vorteile?

Die Antwort ist ziemlich klar: Die therapeutische Arthroskopie hat keine Vorteile. In den Studien hatten Personen nach einer Arthroskopie ebenso häufig weiterhin Schmerzen und Beschwerden wie Personen, die keine Kniespiegelung und Knorpelglättung erhalten hatten. In einer Studie wurde die Lebensqualität untersucht – auch sie verbesserte sich durch eine Arthroskopie nicht.

Auch im Vergleich zu anderen Behandlungen wie beispielsweise Hyaluronsäure-Spritzen, Schmerzmedikamenten, Kniespülung oder Physiotherapie zeigten sich keine Unterschiede: Die Arthroskopie linderte weder den Schmerz noch andere Kniebeschwerden besser als andere Therapien. Bei der Lebensqualität, die in zwei Studien erhoben wurde, zeigte sich ebenfalls kein Unterschied zwischen den Gruppen.

In diesen Studien schnitt allerdings umgekehrt auch keine der anderen Behandlungen besser ab als die Arthroskopie. Das zeigt, dass generell noch viele Fragen zur Behandlung von Arthrose offen sind.

Eine Arthroskopie kann wie jeder Eingriff Nebenwirkungen haben. In den Studien wurden die Nebenwirkungen der therapeutischen Arthroskopie jedoch nicht gut genug dokumentiert, um Unterschiede beurteilen zu können.

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Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

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