Hilft eine hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fuß?

Foto von Fuß (PantherMedia / aliced) Bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie wird in einer Druckkammer reiner Sauerstoff eingeatmet. Studien weisen darauf hin, dass diese Behandlung bei Menschen mit Diabetes die Heilung von Wunden am Fuß verbessern kann. Welche Vor- und Nachteile die Therapie im Einzelnen hat, lässt sich aber noch nicht sicher beurteilen.

Ein Diabetes mellitus kann nach Jahren oder Jahrzehnten die kleinen Blutgefäße und Nerven der Füße schädigen. Dadurch lassen das Tastgefühl, Druck- und Schmerzempfinden nach. Menschen mit Diabetes bemerken dann oft nicht mehr, wenn sich durch schlecht sitzende Schuhe Druckstellen bilden oder sie sich verletzen, zum Beispiel beim Barfuß laufen oder Nägel schneiden.

Außerdem heilen auch kleine Wunden bei ihnen schlechter. Werden sie nicht rechtzeitig behandelt, können sich Gewebe und Knochen im Wundbereich entzünden. Das Gewebe kann auch absterben. Diese Veränderungen werden „diabetischer Fuß“ oder „diabetisches Fußsyndrom“ genannt.

Menschen mit einem diabetischen Fuß haben häufig über mehrere Monate damit zu tun. Sie sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt, weil sie den Fuß nur wenig belasten dürfen. Die Wunde muss außerdem sorgfältig behandelt werden – je nach Größe, Tiefe und genauem Ort am Fuß beispielsweise mit Medikamenten, Verbänden und gründlicher Wundreinigung. Lässt sich die Wunde nicht erfolgreich behandeln, besteht die Gefahr, dass der Fuß amputiert werden muss.

Die hyperbare Sauerstofftherapie wird nur unter bestimmten Voraussetzungen von den Krankenkassen bezahlt. In der Regel kommt sie nur dann infrage, wenn andere Behandlungen erfolglos geblieben sind und eine Amputation des Fußes droht. Sie wird zudem nur in wenigen Kliniken oder Behandlungszentren angeboten.

Wie funktioniert eine hyperbare Sauerstofftherapie?

Bei einer hyperbaren Sauerstofftherapie wird mehr Sauerstoff eingeatmet als mit der normalen Atemluft. Ziel ist es, so die Sauerstoffversorgung im Gewebe und dadurch letztlich die Wundheilung zu verbessern.

Die Behandlung findet in einer Druckkammer statt, in der der Luftdruck auf 2 bis 3 Bar erhöht ist (der normale Luftdruck beträgt etwa 1 Bar). Es gibt Druckkammern für eine Person, in denen die Raumluft mehr Sauerstoff enthält. Häufiger sind aber Druckkammern für mehrere Personen. Sie sind mit Atemmasken ausgestattet, über die reiner Sauerstoff eingeatmet wird.

Eine hyperbare Sauerstofftherapie findet täglich über mehrere Wochen bis Monate statt. Eine einzelne Behandlung dauert in der Regel 1 bis 2 Stunden. Diese Therapie findet immer zusätzlich zur normalen Wundbehandlung statt; sie kann eine sorgfältige Wundversorgung und Entlastung des Fußes also nicht ersetzen.

Welche Vor- und Nachteile hat eine hyperbare Sauerstofftherapie?

Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben die Vor- und Nachteile einer hyperbaren Sauerstofftherapie bei diabetischem Fuß untersucht. Dazu hat die Forschergruppe insgesamt neun Studien analysiert, in denen jeweils zwei Teilnehmergruppen verglichen wurden: Eine erhielt die herkömmliche Wundbehandlung, die Vergleichsgruppe zusätzlich eine hyperbare Sauerstofftherapie.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich bei zusätzlicher hyperbarer Sauerstofftherapie Wunden besser verschließen als bei herkömmlichen Wundbehandlungen:

  • Mit herkömmlicher Wundbehandlung: Bei etwa 24 von 100 Personen schließt sich die Wunde.
  • Mit hyperbarer Sauerstofftherapie: Bei etwa 38 von 100 Personen schließt sich die Wunde.

In anderen Worten: Nach einer hyperbaren Sauerstofftherapie schließt sich die Wunde bei zusätzlich 14 von 100 Personen.

Für andere Folgen eines diabetischen Fußes zeigten die Studien weder Vor- noch Nachteile der Sauerstofftherapie. Es gab keine Hinweise, dass eine hyperbare Sauerstofftherapie die Zahl der nötigen Amputationen verringert, die Lebensqualität verbessert, die Aufenthaltsdauer in einem Krankenhaus verkürzt oder die Lebenserwartung erhöht. Ob die Sauerstofftherapie im Vergleich zur herkömmlichen Wundversorgung Schmerzen besser lindern oder Pflegebedürftigkeit vorbeugen kann, bleibt offen. Diese Aspekte wurden in den Studien nicht ausreichend untersucht.

Die Studien zeigten keine Hinweise auf mehr Nebenwirkungen der hyperbaren Sauerstofftherapie. Wenn der Druckausgleich im Ohr nicht funktioniert, kann der hohe Luftdruck allerdings das Trommelfell verletzen. Dieses sogenannte Barotrauma ist schmerzhaft und kann mit Schwindel und Übelkeit einhergehen.

Insgesamt lassen sich die Vor- und Nachteile einer zusätzlichen hyperbaren Sauerstofftherapie aber nicht sicher beurteilen. Der Grund: Entweder enthielten die Studien keine Daten zu einem bestimmten Therapieergebnis oder sie zeigten keinen bedeutsamen Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen. Außerdem wiesen viele Studien methodische Schwächen auf, die ihre Aussagekraft verringern.

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Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

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