Herzrhythmus wiederherstellen oder Herzfrequenz behandeln?

Foto von älterem Paar beim Radfahren (PantherMedia / Andriy Popov) Menschen mit Vorhofflimmern haben die Wahl zwischen zwei Behandlungsansätzen: der Stabilisierung des Herzrhythmus oder der Kontrolle der Herzfrequenz. Studien zeigen in Bezug auf die Lebenserwartung und das Risiko für Folgeerkrankungen keine Unterschiede zwischen diesen Behandlungen.

Bei Vorhofflimmern kann versucht werden, den Herzrhythmus zu stabilisieren oder die Herzfrequenz zu normalisieren. Die Herzfrequenz bezeichnet die Anzahl der Herzschläge in der Minute (Puls). Mit Herzrhythmus ist das Muster der elektrischen Impulse gemeint, die den Herzmuskel dazu bringen, sich zusammenzuziehen. Diese elektrischen Signale können als „Herzströme“ in einer EKG-Kurve aufgezeichnet werden. Die beiden Behandlungsansätze sind:

  • die Herzfrequenz kontrollierende Behandlung: Ziel dieser Behandlung ist es, den Puls wieder in den normalen Bereich zu bringen. Wenn der Herzschlag beschleunigt ist, wird meist versucht, den erhöhten Puls in Ruhe auf unter 110 Schläge pro Minute zu senken. Reicht dies nicht, um die Symptome zu lindern, kann man versuchen, den Ruhepuls auf noch niedrigere Werte zu senken. Man versucht bei der Herzfrequenz regulierenden Behandlung nicht, den Sinusrhythmus wiederherzustellen.
  • die Herzrhythmus stabilisierende Behandlung: Ihr Ziel ist es, den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Dies kann mit Medikamenten oder schwachen Stromschlägen erreicht werden (medikamentöse oder elektrische Kardioversion). Daran schließt sich in der Regel eine medikamentöse Behandlung mit Antiarrythmika an, die verhindern soll, dass erneut ein Vorhofflimmern auftritt. Wenn eine Kardioversion erfolglos bleibt oder die Medikamente nicht vertragen werden, kann der normale Herzrhythmus auch durch einen Eingriff am Herzen wiederhergestellt werden, die sogenannte Katheterablation. Bei einer erfolgreichen Herzrhythmus stabilisierenden Behandlung kann sich auch der Puls normalisieren. Viele Menschen benötigen aber trotzdem weiterhin einen niedrig dosierten Betablocker zur Pulssenkung.

Welche Behandlung gewählt wird, hängt unter anderem vom Alter, dem Gesundheitszustand, den Vorerkrankungen eines Menschen und dem Ausmaß seiner Beschwerden ab.

Vergleich der beiden Behandlungsstrategien

Eine Wissenschaftlergruppe der Universität Lissabon hat Studien ausgewertet, in denen eine Herzrhythmus stabilisierende Behandlung mit einer Herzfrequenz kontrollierenden Behandlung verglichen wurde. Sie haben die Ergebnisse von acht randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 7500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zusammengefasst. Sie waren durchschnittlich 68 Jahre alt und hatten seit unterschiedlich langer Zeit Vorhofflimmern. Viele von ihnen hatten weitere Risikofaktoren für Schlaganfälle.

Die Wissenschaftlergruppe wertete Daten zu folgenden Behandlungsaspekten aus:

In der Gesamtschau der ausgewerteten Ergebnisse zeigte sich bei keinem dieser Zielgrößen ein Unterschied zwischen den beiden Therapieansätzen.

Offene Fragen

Die Auswertungen können nicht alle Fragen beantworten, die für Menschen mit Vorhofflimmern wichtig sind. Beispielsweise wurde nicht untersucht, ob es für die Entstehung oder den Verlauf einer Herzschwäche einen Unterschied bedeutet, ob der Herzrhythmus oder die Herzfrequenz behandelt wird. Zudem wurde in keiner der Studien die Katheterablation zur Stabilisierung des Herzrhythmus untersucht.