Helfen Sportprogramme, fit zu bleiben?

Foto eines Radfahrers im Wald (PantherMedia / Viktor Cap) Viele Menschen mit Herzschwäche vermeiden körperliche Belastungen. Für die meisten ist aber das Gegenteil sinnvoll: Gezielte Trainingsprogramme können die Leistungsfähigkeit erhöhen und die Lebensqualität verbessern.

Bei einer Herzschwäche kann körperliche Belastung Kurzatmigkeit und Luftnot auslösen, weil das Herz es nicht mehr schafft, genug sauerstoffreiches Blut zu Organen, Muskeln und anderen Geweben zu pumpen. Dies kann beängstigend sein und dazu führen, dass Menschen mit einer Herzschwäche ihre körperlichen Aktivitäten einschränken. Wenn man sich aber kaum noch bewegt, nimmt die Leistungsfähigkeit noch weiter ab – und mit ihr auch die Lebensqualität und Selbstständigkeit.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wurden spezielle Herzsport-Programme für Menschen mit Herzschwäche entwickelt. In diesen Programmen können sie ihren Kreislauf trainieren, ohne sich körperlich zu überfordern.

Studien zeigen: Herzsport kann Fitness und Lebensqualität verbessern

Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat die Wirksamkeit und Sicherheit von Herzsport-Programmen untersucht. Sie wertete die Ergebnisse von 34 Studien mit mehr als 4700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Die meisten Teilnehmenden waren 50 bis 80 Jahre alt und hatten eine leichte oder mittelschwere Herzschwäche.

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit einer Herzschwäche von Herzsport profitieren können: Die Teilnehmenden wurden körperlich leistungsfähiger und konnten sich besser bewegen, laufen und arbeiten als Personen, die nicht an solchen Programmen teilgenommen hatten. Zudem bewerteten sie ihre Lebensqualität höher und mussten seltener wegen ihrer Herzprobleme in ein Krankenhaus:

  • Ohne Herzsport-Programm mussten etwa 12 von 100 Personen innerhalb eines Jahres in ein Krankenhaus.
  • Mit Herzsport-Programm mussten etwa 7 von 100 Teilnehmenden innerhalb eines Jahres in ein Krankenhaus.

Die Teilnahme an einem Herzsport-Programm bewahrte also 5 von 100 Menschen vor einem Klinikaufenthalt wegen ihrer Herzschwäche.

Die Studien geben keine Hinweise darauf, dass Herzsport-Programme mit Risiken verbunden sind. Menschen, die an solchen Programmen teilnahmen, hatten langfristig sogar eine etwas höhere Lebenserwartung.

Woraus bestanden die Herzsport-Programme?

In den meisten Studien trainierten die Teilnehmenden ihre Ausdauer durch schnelles Gehen oder Radfahren auf einem Heimtrainer oder im Freien. Auch das Trainieren mit einer Rudermaschine oder auf einem Stepper, der Treppensteigen simuliert, waren möglich.

Wie viel trainiert wurde, unterschied sich von Studie zu Studie: zwischen zwei- bis siebenmal in der Woche für insgesamt 15 bis 120 Minuten. Am häufigsten trainierten die Teilnehmenden drei mal 30 bis 60 Minuten. In manchen Studien wurde die Intensität im Laufe des Trainings gesteigert.

Kann man auch zu Hause allein trainieren?

Eine neuere Auswertung mehrerer Studien, in denen die Teilnehmenden unter vorheriger ärztlicher Anleitung selbst zu Hause trainierten, hat gezeigt: Vermutlich ist ein solches Training vergleichbar wirksam wie die Teilnahme an einem Herzsport-Programm. Dabei nutzten die Teilnehmenden unter anderem Pulsuhren  und Schrittzähler, um ihre körperliche Aktivität und Belastung zu überwachen.  Viele Menschen mit Herzschwäche entwickeln mit der Zeit auch ein Gefühl dafür – und fühlen sich beim Training sicherer.

Für Menschen, die Angst haben, allein zu trainieren, kann es hilfreich sein, das Training zusammen mit Freunden oder Angehörigen zu beginnen. Wichtig ist, vorab mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, welcher Sport in welcher Intensität geeignet ist.

Wenn sich beim Training Beschwerden zeigen oder die Belastbarkeit über mehrere Tage stetig abnimmt, ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen. Bei akuten Erkrankungen und Fieber sollte man zudem auf Herzsport verzichten.

Schlagwörter: Chronische Herzinsuffizienz, Herz und Kreislauf, Herzschwäche, I11, I42, I50, I51, R53