Helfen Sport und Bewegung?

Foto von Frau beim Radfahren (YanLev / iStockphoto / Thinkstock) Sport und Bewegung können bei einer Depression wahrscheinlich helfen, die Symptome zu lindern. Ob bestimmte Sportarten geeigneter sind als andere, ist allerdings unklar.

Depressionen können sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen. Zu den wesentlichen Kennzeichen gehören eine anhaltend gedrückte Stimmung, Antriebs- und Freudlosigkeit sowie ein allgemeines Desinteresse – selbst an Hobbys und Aktivitäten, die zuvor Freude bereitet haben. Für Menschen mit Depressionen gibt es verschiedene Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Wichtige Bausteine der Behandlung sind Psychotherapie und Medikamente (Antidepressiva).

Wer eine Depression hat, ist oft antriebsarm und dadurch auch körperlich weniger aktiv. Bewegung und Sport – zum Beispiel Walking, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Wandern – werden häufig empfohlen, um depressive Beschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Für viele Menschen, die es schaffen, trotz ihrer Beschwerden ergänzend zu anderen Behandlungen Sport zu treiben, ist das Gefühl wichtig, selbst etwas gegen ihre Erkrankung tun zu können. Sport bietet die Möglichkeit, aktiv zu sein und auch mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Zudem wird vermutet, dass Sport den Stoffwechsel im Gehirn und damit auch die Depression positiv beeinflusst.

Studien zu Sport und Bewegung bei Depression

Eine Forschergruppe der Cochrane Collaboration – einem internationalen Forschungsnetzwerk – hat den Nutzen von Sport und Bewegung bei Depression geprüft. Sie suchte nach allen Studien, in denen die Wirkung von Sport- und Bewegungsprogrammen mit anderen Maßnahmen gegen Depressionen verglichen wurde. Sie fanden 39 Studien mit knapp 2330 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die an solchen Bewegungsprogrammen teilgenommen hatten. Die meisten Studien untersuchten Joggen und Walken, einige wenige Radfahren und Krafttraining. Die Programme liefen über eine bis 16 Wochen. An den Studien nahmen Menschen teil, bei denen eine Depression festgestellt wurde. Studien zu Menschen mit depressiver Verstimmung oder chronischer depressiver Verstimmung (Dysthymie) wurden nicht ausgewertet.

Beschwerden verringerten sich etwas

Die zentrale Frage der Untersuchung war: Verringern sich depressive Beschwerden bei Menschen, die an Sport- und Bewegungsprogrammen teilnehmen? Die Ergebnisse der Studien zeigten nur eine geringe Wirkung. Das heißt: Menschen, die an Bewegungsprogrammen teilnahmen, hatten im Durchschnitt etwas weniger Beschwerden als die Personen, die nicht teilnahmen und auch keine andere Behandlung erhielten. Zu einer deutlichen Abnahme der Beschwerden kam es durch die Programme also nicht. Viele Teilnehmende hatten die Programme zudem vorzeitig beendet. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass das angebotene Training – meist Joggen oder Walken – nicht für jeden geeignet war.

Es gab kaum Studien, in denen verschiedene Bewegungsprogramme miteinander verglichen wurden. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob die Art, Intensität und Häufigkeit der körperlichen Aktivität einen Unterschied macht. In einigen Studien wurden Bewegungsprogramme mit der kognitiven Verhaltenstherapie und der Einnahme von Antidepressiva verglichen. In diesen Studien zeigte sich zwar kein eindeutiger Unterschied im Vergleich zur Wirkung einer Verhaltenstherapie oder von Antidepressiva. Daraus zu schließen, dass Sport und Bewegung allgemein so wirksam wären wie Psychotherapien und Antidepressiva, oder dass Sport andere Behandlungen ersetzen könnte, wäre jedoch falsch: In vielen Fällen sind Psychotherapie und / oder Antidepressiva nicht verzichtbar. Sport und Bewegung können dann ergänzende Möglichkeiten sein – oder auch eine Alternative für Menschen mit leichten Depressionen, die nicht sofort eine Behandlung beginnen möchten.

Viele Fragen bleiben offen

Die Zusammenfassung der Studien gibt auf viele Fragen keine Antwort: Ist der Einfluss von Sport und Bewegung auf leichte, mittlere oder schwere Depressionen unterschiedlich? Sind Sport und Bewegung in Gruppen oder als Einzelaktivität besser? Wie lange hält der Effekt an? Könnte es manchmal auch unangebracht sein, jemanden zu mehr Bewegung zu ermuntern? Schließlich ist es Menschen mit einer schweren Depression kaum möglich, sportlich aktiv zu sein. Bei einer leichten Depression gelingt dies eher. Die Forschergruppe hat aber nicht untersucht, in welchen Situationen bestimmte Formen von Sport und Bewegung helfen und wann womöglich nicht.

Schlagwörter: Burnout-Syndrom, Depression, F32, F33, Psyche und Gemüt, R53, Z73, Kopf und Nerven