Früher Brustkrebs: Wann ist ein Biomarker-Test sinnvoll?

Foto von Mutter und Tochter
PantherMedia / Brock Jones

Nach einer Operation bleibt bei frühem Brustkrebs die Sorge, dass der Krebs wiederkehrt. Eine soll das Risiko für einen verringern, sie geht aber mit Nebenwirkungen einher und ist belastend. Manchmal ist aus medizinischer Sicht schwer einzuschätzen, ob die Vor- oder Nachteile einer überwiegen. Dann fällt es vielen Frauen besonders schwer, sich für oder gegen eine zu entscheiden. Der Biomarker-Test Oncotype DX kann in dieser Situation einige Frauen bei der Entscheidung für oder gegen eine unterstützen.

Zusätzlich zum Rückfallrisiko spielen bei der Entscheidung für oder gegen eine immer auch persönliche Aspekte eine Rolle, beispielsweise wie sehr die Sorge um einen eine Frau belastet oder wie sie die Nebenwirkungen einer Chemotherapie für sich persönlich einschätzt. Die aktuelle Lebenssituation kann die Abwägung ebenfalls beeinflussen. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

Deshalb ist es sinnvoll, die persönliche Situation früh mit den Ärztinnen und Ärzten zu besprechen. Vielleicht zeigt sich dann, dass die Ergebnisse eines Biomarker-Tests gar keine große Bedeutung für die Entscheidung haben und eine Frau auch auf den Test verzichten kann.

Worauf basiert die ärztliche Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie?

Um eine Frau bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine beraten zu können, werten Ärztinnen und Ärzte verschiedene sogenannte klinische Kriterien aus. Diese verraten etwas über die Eigenschaften des Tumors und das Risiko, dass der Krebs wiederkehrt. Sie werden anhand einer Gewebeprobe bestimmt, die aus der Brustoperation vorliegt. Auch das Alter der Frau, ob sie bereits in den Wechseljahren ist und andere Erkrankungen hat, fließen in die ärztliche Überlegung mit ein.

Auf dieser Grundlage empfehlen die Ärztinnen und Ärzte eine oder raten von ihr ab.

Wann stoßen die klinischen Kriterien an ihre Grenzen?

Eine Empfehlung ist aus ärztlicher Sicht besonders schwer, wenn bei frühem Brustkrebs bestimmte Kriterien zusammentreffen:

  • der Tumor hat Andockstellen für wie und , das heißt er war hormonrezeptor-positiv,
  • der Tumor hat nicht vermehrt Andockstellen für bestimmte gebildet, das heißt er ist HER2/neu-negativ und
  • es sind keine oder höchstens drei Lymphknoten befallen.

Kann in dieser Situation ein Biomarker-Test weiterhelfen?

Was sind Biomarker-Tests?

Als Biomarker-Tests werden Untersuchungen bezeichnet, die Eigenschaften des Tumors auswerten, die mit den klinischen Kriterien nicht abgedeckt werden. Das sind vorwiegend bestimmte Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen. Viele Biomarker-Tests sind sogenannte Genexpressionstests. Sie untersuchen, ob verschiedene Gene in den Krebszellen besonders aktiv sind.

Für einen Biomarker-Test wird eine Gewebeprobe des Tumors benötigt. Diese liegt gewöhnlich aus der Brustoperation vor.

Aus dem Ergebnis des Biomarker-Tests wird dann eine Empfehlung für oder gegen eine abgeleitet. 

Kann ein Biomarker-Test klären, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist?

Es gibt verschiedene Biomarker-Tests. Allerdings gibt es bisher nur für den Oncotype-DX-Test erste aussagefähige Forschungsergebnisse.

Der Oncotype-DX-Test ist ein Genexpressionstest, der die Aktivität von 21 Genen misst. Der Test liefert einen Punktwert zwischen 0 und 100. Der Punktwert hilft Ärztinnen und Ärzten dabei, das Rückfallrisiko und die Erfolgsaussichten einer zu schätzen. Wenn der Punktwert vorliegt, ist ein Arztgespräch nötig, in dem der Punktwert und die sich daraus ergebende Empfehlung für oder gegen eine besprochen werden.

Die Forschungsergebnisse zum Oncotype-DX-Test gelten für die zuvor beschriebenen Frauen mit frühem Brustkrebs – allerdings nur für die, bei denen keine Lymphknoten befallen waren. Für Frauen, bei denen Lymphknoten befallen waren, ist der Oncotype-DX-Test nicht gut untersucht. Studien dazu laufen noch.

Die Forschungsergebnisse zum Oncotype-DX-Test zeigen, dass der Test die Entscheidung der Frauen für oder gegen eine unterstützen kann. Er kann zwei Gruppen von Frauen unterscheiden:

  • 1. Gruppe: Diese Frauen profitieren nicht von einer . Diese Gruppe kann ohne Nachteile auf eine verzichten und so die Nebenwirkungen vermeiden.
  • 2. Gruppe: Diese Frauen können von einer profitieren.

Die Tabellen am Ende dieses Textes zeigen genauer, welche Ergebnisse der Oncotype-DX-Test für verschiedene Gruppen von Frauen haben kann und was sie bedeuten.

Was leisten andere Biomarker-Tests?

Neben dem Oncotype-DX-Test werden noch weitere Biomarker-Tests für Frauen mit frühem Brustkrebs angeboten, zum Beispiel Endopredict, MammaPrint und Prosigna. Wie gut diese Tests die Entscheidung für oder gegen eine unterstützen können, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht. Zu diesen Tests laufen aber derzeit noch Studien.

Woher stammen diese Informationen?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2018 untersucht, ob Biomarker-Tests die Entscheidung für oder gegen eine unterstützen können. Dabei hat es sich auf Frauen mit hormonrezeptor-positivem und HER2/neu-negativem frühem Brustkrebs konzentriert, bei denen höchstens drei Lymphknoten befallen waren. Bei diesen Eigenschaften des Tumors fällt die ärztliche Empfehlung für oder gegen eine besonders schwer.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG fanden zu dieser Frage nur eine aussagefähige Studie, die zudem nur einen bestimmten Test untersucht hat: den Oncotype-DX-Test. In der „TAILORx“-genannten Studie wurden nur Frauen untersucht, bei denen keine Lymphknoten befallen waren.

Aus der Studie lassen sich die oben beschriebenen Schlussfolgerungen ableiten. Weil Biomarker-Tests derzeit intensiv untersucht werden, können sich die Erkenntnisse in Zukunft ändern.

Was wurde in TAILORx untersucht?

Diese Studie sollte klären, ob der Oncotype-DX-Test Frauen erkennen kann, die auf eine verzichten können.

An der Studie haben nur Frauen mit frühem Brustkrebs teilgenommen,

  • deren Tumor hormonrezeptor-positiv und
  • HER2/neu-negativ war und
  • bei denen keine Lymphknoten befallen waren

In der Studie erhielten alle Frauen eine antihormonelle . Zudem wurden sie nach dem Punktwert des Oncotype-DX-Tests in drei Gruppen eingeteilt:

  • Punktwert von 0 bis 10: Die Frauen erhielten keine .
  • Punktwert von 11 bis 25: Die Frauen wurden per Los auf zwei Gruppen verteilt. Deshalb lässt sich der Nutzen der für diese Frauen direkt beurteilen.
    • Die eine Hälfte erhielt eine .
    • Die andere Hälfte erhielt keine .
  • Punktwert von 26 bis 100: Alle Frauen erhielten eine .

Welche Erkenntnisse lassen sich aus der TAILORx-Studie ableiten?

Was ein bestimmter Oncotype-DX-Punktwert für eine Frau bedeutet, hängt auch von ihrem Alter ab beziehungsweise davon, ob sie vor oder nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt ist. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Studie:

  1. Für Frauen unter 50 Jahren: Wenn der Punktwert des Oncotype-DX zwischen 0 und 10 liegt, spricht das dafür, auf eine zu verzichten. Wenn der Punktwert höher liegt, kann eine Vorteile haben.
  2. Für Frauen über 50 Jahren: Wenn der Punktwert zwischen 0 und 25 liegt, spricht das dafür, auf eine zu verzichten. Wenn der Punktwert höher liegt, kann eine Vorteile haben.

Die folgenden Tabellen stellen dar, was bestimmte Oncotype-DX-Punktwerte bedeuten. Es gibt eine Tabelle für Frauen unter 50 Jahren und eine für Frauen über 50 Jahren.

Frauen UNTER 50 Jahre
Oncotype-Punktwert Rückfallrisiko OHNE Rückfallrisiko MIT Therapieempfehlung
0 bis 10 etwa 13 von 100 Frauen nicht untersucht, aber vermutlich ähnlich
  • Ärztinnen und Ärzte empfehlen, auf eine zu verzichten.
  • Eine kann das Rückfallrisiko vermutlich kaum verringern. Sie stellt aber grundsätzlich eine Belastung dar, sodass die Nachteile für die meisten Frauen überwiegen.
11 bis 25 etwa 17 von 100 Frauen etwa 11 von 100 Frauen
  • Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine .
  • Eine kann das Rückfallrisiko verringern. Dieser Vorteil muss gegen die Belastung und Nebenwirkungen der abgewogen werden.
26 bis 100 nicht untersucht, aber vermutlich höher etwa 20 von 100 Frauen
  • Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine .
  • Eine kann das Rückfallrisiko verringern. Dieser Vorteil muss gegen die Belastung und Nebenwirkungen der abgewogen werden.
Frauen ÜBER 50 Jahre
Oncotype-Punktwert Rückfallrisiko OHNE Rückfallrisiko MIT Therapieempfehlung
0 bis 10 etwa 17 von 100 Frauen nicht untersucht, aber vermutlich ähnlich
  • Ärztinnen und Ärzte empfehlen, auf eine zu verzichten.
  • Eine kann das Rückfallrisiko vermutlich kaum verringern. Sie stellt aber grundsätzlich eine Belastung dar, sodass die Nachteile für die meisten Frauen überwiegen.
11 bis 25 etwa 17 von 100 Frauen etwa 17 von 100 Frauen
  • Ärztinnen und Ärzte empfehlen bei diesem Punktwert, auf eine zu verzichten.
  • Eine kann das Rückfallrisiko hier nicht verringern. Sie stellt aber grundsätzlich eine Belastung dar, sodass die Nachteile überwiegen.
26 bis 100 nicht untersucht, aber vermutlich höher etwa 26 von 100 Frauen
  • Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine .
  • Eine kann das Rückfallrisiko verringern. Dieser Vorteil muss gegen die Belastung und Nebenwirkungen der abgewogen werden.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biomarkerbasierte Tests zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom: Abschlussbericht; Auftrag D14-01. 27.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 457).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biomarkerbasierte Tests zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom: Addendum zum Auftrag D14-01; Auftrag D18-01. 05.09.2018. (IQWiG-Berichte; Band 655).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Erstellt am 06. November 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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