Freizeit, Beziehungen und der Alltag mit Psoriasis

Foto von zwei Männern im Gespräch (Radnatt / iStock / Thinkstock) Mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) zu leben, ist nicht immer einfach. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, mit den Herausforderungen im Alltag und der psychischen Belastung umzugehen. Wichtig ist, sich eine positive Grundhaltung zu bewahren und das eigene Wohlbefinden nicht allein vom Aussehen der Haut bestimmen zu lassen.

Die Schuppenflechte ist zwar keine gefährliche Erkrankung, kann aber sehr belastend sein: Die aufwendige Hautpflege, viele, teils zeitraubende Behandlungen und manchmal ein quälender Juckreiz können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Menschen mit Psoriasis müssen aber nicht nur lernen, mit den Symptomen ihrer Krankheit fertigzuwerden. Da die Schuppenflechte vor allem während eines Krankheitsschubs deutlich sichtbar sein kann, sind sie oft mit Vorurteilen ihrer Mitmenschen konfrontiert. Dies kann zu Problemen in allen wichtigen Lebensbereichen führen – ob in Liebesbeziehungen, in der Freizeit, Schule oder am Arbeitsplatz. Bei manchen Menschen ist die Erkrankung so belastend, dass sie Depressionen oder andere psychische Probleme entwickeln. Viele Menschen eignen sich im Laufe der Zeit aber persönliche Strategien an, um damit umzugehen.

Aussehen und Wohlbefinden

Menschen mit Psoriasis geben sich oft viel Mühe, um die Hauterkrankung vor anderen zu verbergen. Dies gilt vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene, für die das Aussehen oft eine besonders wichtige Rolle spielt. Die Hautveränderungen zu verstecken, ist aber häufig schwierig, vor allem wenn die Erkrankung an Hals, Kopf oder Händen auftritt. Es erfordert viel Zeit und lässt wenig Raum für Spontaneität.

Wenn die Hände und Nägel betroffen sind, kann das gerade für Frauen besonders belastend sein. Gleiches gilt für Menschen, die in ihrem Beruf viel mit Kunden zu tun haben. Bei Nagelveränderungen haben viele Angst, unattraktiv oder ungepflegt zu wirken. Nagellack kann eine Möglichkeit sein, die Verfärbungen zu überdecken.

Scham oder auch die Angst, andere Menschen könnten sich vielleicht ekeln, kann von normalen Freizeitaktivitäten und von Sportarten mit engem Körperkontakt oder Schwimmen abhalten. Bei manchen ist die Psoriasis so ausgeprägt, dass sie sich sogar davor scheuen, in den Spiegel zu schauen.

Menschen mit Psoriasis gehen in der Öffentlichkeit unterschiedlich mit ihrer Erkrankung um: Viele möchten nicht, dass andere sie sehen und kaschieren ihre Psoriasis mit Make-up oder verhüllender Kleidung. Manche gehen offen damit um, weil sie es nicht für nötig halten oder zu aufwendig und belastend finden, ihre Krankheit zu verstecken.

Häufig verändert sich aber mit der Zeit das Verhältnis zu der chronischen Erkrankung: Zunächst ist es oft schwer, die Diagnose zu akzeptieren. Viele Betroffene kämpfen lange Zeit dagegen an, was viel Kraft kosten kann. Menschen, die schon länger mit Psoriasis leben und sich damit arrangiert haben, berichten rückblickend, dass es besser gewesen wäre, die Krankheit schon früher als Teil des eigenen Körpers anzunehmen. Dabei kann der Austausch mit Menschen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind – zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe.

Beziehung und Sexualität

Viele Menschen mit einer Hauterkrankung tun sich schwer damit, offen auf andere zuzugehen. Sie fühlen sich unattraktiv und fürchten, zurückgewiesen zu werden. Manche trauen sich gar nicht erst, jemanden anzusprechen, andere haben Angst davor, eine Beziehung einzugehen oder intimen Kontakt zuzulassen. Um dies zu ändern, ist manchmal der erste Schritt, zu lernen, sich anzunehmen – unabhängig davon, wie die eigene Haut gerade aussieht.

Viele Menschen mit Schuppenflechte sind dem eigenen Körper gegenüber viel kritischer eingestellt als andere, was ihren Alltag zusätzlich erschwert. Wichtig wäre, eine positive Grundhaltung zu entwickeln und sich bewusst zu machen, dass auch viele Personen mit intakter Haut aus verschiedenen Gründen mit ihrem Körper unzufrieden und deshalb unsicher sind. Außerdem ist es gut zu wissen, dass schon viele Menschen mit Psoriasis einen Partner gefunden haben, der sie so akzeptiert wie sie sind.

Bevor man mit jemandem intim wird, kann es sinnvoll sein, offen über die Psoriasis zu sprechen. Dies entspannt die Situation für einen selbst und hilft, möglichen Missverständnissen vorzubeugen. Außerdem ist die oder der andere dann vorbereitet und kann die Erkrankung und ihre Auswirkungen besser verstehen.

Eine Psoriasis im Intimbereich kann zu Schmerzen beim Sex führen. Auch darüber spricht man am besten offen mit dem Partner oder der Partnerin. Eine mögliche Lösung können Gleitmittel oder das Benutzen eines Kondoms sein. Fetthaltige Gleitmittel wie Vaseline oder Öl können allerdings das Latexmaterial von Kondomen angreifen, sodass sie nicht mehr sicher schützen. Gleitmittel auf Wasserbasis sind deshalb besser geeignet. Auf der Packung des Produkts sollte ausgewiesen sein, ob es mit Kondomen verträglich ist.

Nach dem Auftragen von Medikamenten gegen die Schuppenflechte im Intimbereich sollte man aufpassen, dass beim Sex keine Wirkstoffe aus der Salbe oder Creme in die Scheide der Frau gelangen.

Während eines Erkrankungsschubs fehlt vielen Menschen mit Psoriasis die Energie für Sex oder sie verspüren keine Lust. Körperliche Nähe und Zärtlichkeit bleiben aber für die meisten wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich auch in Zeiten ohne Sex eng verbunden zu fühlen.

Wie kann ich mit den Reaktionen anderer umgehen?

Menschen mit Psoriasis erleben es manchmal, von anderen angestarrt zu werden. Solche Blicke sind aber meist nicht böse gemeint – der Grund ist eher, dass jemand noch nie eine Schuppenflechte gesehen hat und nichts darüber weiß. Manche Menschen sorgen sich vielleicht auch – zu Unrecht –, dass eine Schuppenflechte ansteckend sein könnte.

Es ist wohl jedem schon einmal so gegangen, dass man einen Menschen länger anschaut, weil etwas „anders“ ist: zum Beispiel seine auffällige Kleidung oder Frisur, seine Hautfarbe oder eine körperliche Behinderung. In solchen Momenten kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass hinter solchem Verhalten oft einfach Neugierde, Überraschung oder Unwissenheit steckt.

Wie man am besten mit den Reaktionen anderer umgeht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten: Manchmal reicht es bereits aus, direkten Augenkontakt zu suchen, um seinem Gegenüber damit freundlich zu signalisieren, dass man die Blicke bemerkt hat. Dadurch wird sie oder er sich dessen vielleicht bewusst und wendet den Blick ab.

Es kann aber auch angebracht sein, der Person direkt zu sagen, dass man es bevorzugen würde, nicht angestarrt zu werden. Ein mutiges Ansprechen kann die Situation vielleicht entspannen und den eigenen Ärger oder die Scham verringern. Um in solchen Situationen die treffenden Sätze zu finden, kann man sich vorher ein paar überlegen, zum Beispiel:

  • Es wäre mir lieber, wenn Sie mich nicht so anstarren würden.
  • Sie brauchen keine Angst zu haben. Es ist eine Schuppenflechte und nicht ansteckend.

Manche Menschen fragen auch von selbst nach. Oft reicht dann schon eine einfache Erklärung wie: „Ich habe eine chronische Hauterkrankung, die sich Psoriasis nennt. Meine Hautzellen vermehren sich schneller als üblich. Die Erkrankung ist aber nicht ansteckend.“

Es kann viele Nerven kosten, mit den Reaktionen anderer umzugehen – und ob man auf sie eingehen will, hängt auch davon ab, wie man sich gerade fühlt. An manchen Tagen kann es am einfachsten sein, Blicke und Kommentare zu ignorieren oder wegzugehen.

Wenn man mit bestimmten Menschen immer wieder in Kontakt kommt, etwa am Arbeitsplatz oder in der Schule, ist es oft entlastend, ihnen die Erkrankung zu erklären. Dies kann zum einen helfen, die Situation selbst unter Kontrolle zu haben. Zum anderen fühlt man sich möglicherweise wohler, wenn die „Psoriasis-Frage“ einmal vom Tisch ist.

Umgang mit Stress und psychischer Belastung

Alltags- und emotionaler Stress können Psoriasis-Schübe auslösen und verstärken. Es gibt verschiedene Wege, mit Stress umzugehen. Manchen Menschen helfen Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Muskelentspannung nach Jacobson, andere treiben Sport und toben sich dabei aus oder gehen Hobbys nach, bei denen sie abschalten können.

Für einige ist die Psoriasis so belastend, dass sie psychische Probleme wie Depressionen, Angst- oder auch Suchterkrankungen entwickeln. So kann zum Beispiel die Sorge vor einer ablehnenden Reaktion anderer dazu führen, dass sich jemand zurückzieht, nicht mehr ausgeht oder zum Sport geht. Der Verzicht auf Aktivitäten, die eigentlich Freude machen, und die selbstgewählte Isolation können dann zu Depressionen führen oder dazu, zu Alkohol oder Drogen zu greifen.

Manchmal tragen bestimmte Gedankenmuster zu Depressionen bei. Beispiele hierfür sind:

  • Übergeneralisieren: Hiervon spricht man, wenn jemand einzelne Erfahrungen verallgemeinert – zum Beispiel aus einer negativen Reaktion bei einem Friseurtermin schlussfolgert, dass es unmöglich ist, einen Friseur zu finden, den die Psoriasis nicht stört.
  • Personalisieren: Man sieht sich selbst oder die Psoriasis als Ursache für Reaktionen, die in Wirklichkeit ganz andere Gründe haben. Zum Beispiel, wenn der Kinostuhl neben einem leer bleibt und man daraus den Schluss zieht, dass die Psoriasis der Grund ist.
  • Herunterspielen des Positiven und Betonung des Negativen: Damit ist gemeint, positive Erlebnisse wie zum Beispiel Komplimente von anderen klein zu reden oder als Mitleid abzustempeln, negative Erfahrungen aber überzubewerten.
  • Katastrophisieren: Dabei wird immer das Schlimmste erwartet oder die Konsequenzen eines Ereignisses werden überschätzt: Zum Beispiel, wenn man in ein Bewerbungsgespräch geht und von vornherein denkt: „Ich werde den Job eh nicht bekommen, weil ich Schuppenflechte habe.“

Gedankenmuster wie diese zu durchbrechen, erfordert viel Kraft und manchmal professionelle Hilfe, etwa im Rahmen einer Psychotherapie.

Zusätzlich zur Behandlung bei der Hautärztin oder dem Hautarzt kann es bei großer persönlicher Belastung hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen. Dafür gibt es verschiedene Anlaufstellen, wie beispielsweise ärztliche und psychologische Psychotherapeuten.