Folgebehandlung Erwachsener: Emtricitabin / Tenofoviralafenamid (Descovy) bei HIV

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, wie die Fixkombination Emtricitabin / Tenofoviralafenamid (Handelsname Descovy) im Vergleich zu den Standardtherapien bei vorbehandelten erwachsenen Personen mit einer HIV-Infektion abschneidet. Für diese Patientinnen und Patienten kommt eine individuell angepasste Therapie infrage. Diese berücksichtigt, welche Behandlungen bereits versucht und warum diese abgesetzt wurden. Zum Beispiel ist es möglich, dass die vorige Behandlung nicht gewirkt oder zu starke Nebenwirkungen ausgelöst hat.

Der Hersteller legte Zwischenergebnisse von zwei Studien mit Patientinnen und Patienten vor, die bereits Standard-HIV-Medikamente einnahmen.

In der einen Studie wurde bei 306 Personen die Therapie auf die Emtricitabin/Tenofoviralafenamid-Fixkombination umgestellt. Die anderen 153 Patientinnen und Patienten nahmen weiter die Kombination Emtricitabin / Tenofovirdisoproxil ein. Beide Gruppen erhielten zusätzlich Elvitegravir und Cobicistat. Die Studie untersuchte die Personen etwa zwei Jahre.

In der anderen Studie wechselten 334 Personen von der Standardtherapie auf die  Emtricitabin/Tenofoviralafenamid-Kombination, die Vergleichsgruppe (334 Personen) erhielt weiterhin eine Behandlung mit Emtricitabin / Tenofovirdisoproxil. Auch diese beiden Gruppen erhielten noch zusätzliche Medikamente. Für diese Studie legte der Hersteller Daten vor, die nach etwa einem Jahr erhoben wurden.

Welche Nachteile hat die Emtricitabin / Tenofoviralafenamid-Kombination?

  • Erkrankungen des Nervensystems: Es gab in den Studien einen Nachteil der neuen Therapie im Vergleich zu den Standardtherapien. Nach ungefähr zwei Jahren traten Erkrankungen des Nervensystems in der Gruppe, die mit Emtricitabin / Tenofoviralafenamid behandelt wurde, bei etwa 23 von 100 Personen auf. Mit der Standardtherapie war dies bei knapp 14 von 100 Personen der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Es ließ sich kein Unterschied zwischen den Behandlungen nachweisen. In beiden Studien starben nur sehr wenige Personen.
  • Häufigkeit von AIDS-Erkrankungen: Die Immunschwäche infolge einer HIV-Infektion begünstigt verschiedene Erkrankungen wie Infektionen mit bestimmten Bakterien, Viren oder Pilzen. Auch bestimmte Tumore treten häufiger auf. Der Erfolg einer Therapie misst sich auch daran, ob diese Erkrankungen bei behandelten Personen seltener auftreten. In beiden Studien ließ sich kein Unterschied zwischen den Therapien nachweisen.
  • Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität: Auch bei dem Gesundheitszustand und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität konnte kein Unterschied in den Studien nachgewiesen werden.
  • Schwere Nebenwirkungen: In den Studien konnte kein Unterschied zwischen den Therapien nachgewiesen werden. Nach etwa zwei Jahren war dies bei 10 bis 12 von 100 Personen der Fall.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: In beiden Studien konnte kein Unterschied zwischen den Therapieabbrüchen in beiden Gruppen nachgewiesen werden. Nur sehr wenige Personen brachen die Therapien aufgrund von Nebenwirkungen ab.
  • Nebenwirkungen: Es wurde ebenfalls kein Unterschied nachgewiesen bei:
    • psychiatrischen Erkrankungen
    • Hauterkrankungen
    • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
    • Nieren- und Harnwegserkrankungen und
    • Knochenbrüchen